Hoffnung auf eine Rettung von Sabena sinkt
Europäische Fluggesellschaften leiden schwer unter Terrorfolgen

Die europäischen Fluggesellschaften geraten nach den Terroranschlägen vom Dienstag auf das World Trade Center und das Pentagon zusätzlich in Bedrängnis.

vwd/dpa LONDON BRÜSSEL. Analysten von Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) sagten für alle großen europäischen Fluggesellschaften Nettoverluste für das laufende und wahrscheinlich auch für das kommende Jahr voraus. Grund sei unter anderem ein erwarteter Nachfragerückgang nach Flugreisen um zunächst bis zu 20 Prozent. Hinzu kämen wachsende Sorgen um die weltweite Konjunktur und die Höhe der Kerosinpreise.

Einige Fluggesellschaften, darunter die Deutsche Lufthansa AG, Köln/Frankfurt, berichten bereits von Passagieren, die ihre Flugreisen nicht antreten. Sollte es zu Vergeltungaktionen der USA kommen, werden nach Einschätzung von Analysten die Wirkungen auf die Passagierzahlen noch stärker ausfallen. Die Aktie der Lufthansa verlor bis Donnerstag bereits 18  Prozent ihres Wertes. Am Freitag notieren Lufthansa bis gegen 12.40 Uhr mit 12 Euro glatt, ein Minus von weiteren vier Prozent. Am Donnerstag senkte SSSB das Lufthansa-Kursziel von vormals 22 auf 17,50 Euro. Analysten schätzen den Verlust der Lufthansa aus der Stornierung ihrer Transatlantkflüge auf zehn Mill. Euro pro Tag. Von Dienstag bis Donnerstag fielen rund 80 Flüge über den Atlantik aus.

Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte British Airways plc (BA), London, zusammen mit allen US-Fluggesellschaften am Donnerstag auf "CreditWatch Negative". Bis dahin büßte BA rund 25 Prozent ihres Aktienkurses ein. Am Freitag verloren die Titel weiter. Einer Unternehmenssprecherin zufolge hat BA seit den Terrorakten 97 Flüge in die USA gestrichen. Rund 12 000 Passagiere seien von den Streichungen und Routenänderungen betroffen gewesen.

Täglich Verluste in Millionenhöhe

Deutsche-Bank-Analyst Jonathan Wober schätzt, dass BA einen Verlust von sieben Mill. Pfund für jeden Tag, an dem keine Flüge über den Atlantik stattfinden, hinnehmen muss. KLM - Koninklijke Luchtvaart Mij NV, Amstelveen, und Air France SA, Paris, verloren seit Dienstag 21 Prozent ihres Kurswertes. Am Freitag gaben KLM weiter nach, während Air France unverändert tendieren. Die französische Airline hatte angekündigt, auf ihren Flügen künftig Sicherheitspersonal einzusetzen.

Zu den Stornierungen und erwarteten Nachfragerückgängen wird sich nach Ansicht von Marktbeobachtern der Kerosinpreis weiter erhöhen. Auch seien auf Grund der verschärften Sicherheitsbestimmungen längere Abfertigungszeiten unausweichlich. Der Branche steht ein kalter Winter bevor.

Hoffnung auf Rettung von Sabena sinkt

Die angeschlagene belgische Fluggesellschaft Sabena gerät infolge der Terroanschläge noch tiefer in die Krise. Das berichten belgische Zeitungen am Freitag. 21 Flüge seien bereits ausgefallen, die Verluste beliefen sich mittlerweile auf mehrere Millionen Euro. Das Unternehmen müsse neben den Einnahmeausfällen zusätzliche Kosten für Unterbringung, Rückflug und stornierte Tickets tragen.

Im vergangenen Jahr habe Sabena fast eine Million Passagiere über den Atlantik geflogen, der September sei ein besonders beliebter Reisemonat auf diesen Strecken. Knapp jeder zehnte Sabena-Fluggast fliege auf den Atlantik-Routen. Für den Umsatz seien USA-Flüge noch wichtiger, schrieben die Zeitungen "De Standaard" und "De Morgen". Hinzu kämen höhere Treibstoffpreise. "Der finanziell-ökonomische Zustand der Sabena wird jeden Tag gefährlicher", urteilte "De Standaard". Die Hoffnung auf eine Rettung der halbstaatlichen Fluggesellschaft sinke.

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