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Hoffnung auf Freilassung weiterer Irak-Geiseln

Nach Freilassung der beiden im Irak verschleppten Italienerinnen hat die Hoffnung auf eine Befreiung der übrigen drei europäischen Geiseln zugenommen. Der Bruder des Briten Kenneth Bigley (62) sagte am Mittwoch, er habe eine Botschaft über dessen „unmittelbar bevorstehende Freilassung“ erhalten.

dpa BAGDAD/LONDON/PARIS. Nach Freilassung der beiden im Irak verschleppten Italienerinnen hat die Hoffnung auf eine Befreiung der übrigen drei europäischen Geiseln zugenommen. Der Bruder des Briten Kenneth Bigley (62) sagte am Mittwoch, er habe eine Botschaft über dessen "unmittelbar bevorstehende Freilassung" erhalten.

Der arabische Nachrichtensender El Dschasira strahlte zudem Teile eines neuen Videos von Bigley aus, in dem er versichert, die Geiselnehmer wollten ihn nicht töten. Zwei gemeinsam mit dem Briten am 16. September entführte US-Amerikaner waren nur wenige Tage später enthauptet worden.

Die Entführer der französischen Journalisten Georges Malbrunot (41) und Christian Chesnot (37) lobten in einer Internet-Botschaft die Haltung der Pariser Regierung im Irak-Konflikt. Das französische Außenministerium dementierte jedoch einen arabischen Fernsehbericht, wonach bereits eine Einigung über die Freilassung der am 20. August verschleppten Männer erreicht worden sei.

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi deutete indirekt an, dass für die Freilassung der beiden 29 Jahre alten Frauen Lösegeld gezahlt wurde. "Ich glaube nicht, dass es über diesen Punkt Streit geben wird", sagte er laut römischer Zeitungsberichte vom Mittwoch ohne Einzelheiten zu nennen. Offiziell wurden in Rom Lösegeldzahlungen aber dementiert. Nach Presseberichten soll eine Million Dollar an die Kidnapper geflossen sein, deren Identität öffentlich nicht bekannt gegeben wurde.

Die beiden am 7. September aus ihrem Bagdader Büro entführten Mitarbeiterinnen der Hilfsorganisation "Eine Brücke für..", Simona Pari und Simona Torretta, wurden nach eigenen Worten während ihrer dreiwöchigen Geiselhaft gut behandelt. Ihre Entführer seien "religiöse Menschen gewesen, die uns die Grundsätze des Islam lehrten und uns am Ende sogar um Entschuldigung baten", sagte Torretta. Pari und sie waren nur wenige Stunden nach ihrer Freilassung aus Bagdad mit einer Sondermaschine auf dem römischen Flughafen Ciampino eingetroffen. Torretta sagte weiter, sie wolle in den Irak zurückkehren.

Die britische Regierung versucht nach den Worten von Premierminister Tony Blair, Kontakt zu den Entführern des Ingenieurs Bigley aufzunehmen. Das Problem bei der versuchten Kontaktaufnahme sei, dass es sich um eine Terrorgruppe handele, die von außerhalb des Landes in den Irak gekommen sei, sagte Blair dem Fernsehsender Gmtv. Zu der Entführung hat sich die von dem jordanischen Top-Terroristen Abu Mussab el Sarkawi angeführte Gruppe El Tawhid wa El Dschihad bekannt.

In dem von El Dschasira ausgestrahlten Video wirft der mit Handschellen gefesselte Bigley dem britischen Regierungschef Untätigkeit vor. "Ich bin ihm (Blair) egal", sagte der mit einem orangefarbenen Overall bekleidete Mann, der vor einer unverputzten Mauer in einer Art Käfig kauerte. Blair habe nicht versucht, mit den Entführern zu verhandeln, sagte er weiter.

Bigleys Bruder, Paul Bigley, sagte dem britischen Fernsehsender ITV, er sei von der Echtheit der Internetmitteilung über die baldige Freilassung "zu 90 Prozent" überzeugt. Darin soll sich El Tawhid wa El Dschihad zur Freilassung Bigleys bereit erklären. Das Außenministerium in London sagte dazu, es nehme Mitteilungen dieser Art "sehr ernst." Die Echtheit der in Frage stehenden Botschaft werde überprüft.

Im Irak wurden am Mittwoch US-Truppen und irakische Nationalgarde erneut Ziel von Angriffen Aufständischer. Zwei Soldaten der irakischen Nationalgarde wurden bei Iskanderija, 40 Kilometer südlich von Bagdad, erschossen. Im Stadtzentrum von Ramadi griffen Aufständische eine US-Patrouille an. Während des folgenden halbstündigen Feuerkampfs wurde nach Augenzeugenberichten ein irakischer Zivilist getötet.

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