Hoffnung auf Frieden rückt in weite Ferne
Ägypten ruft Botschafter aus Israel zurück

Nach den jüngsten Luftangriffen auf Gaza schlägt auch das bisher mäßigend einwirkende Ägypten einen härteren Kurs gegenüber Israel ein.

ap/rtr GAZA/KAIRO/JERUSALEM. Nach den jüngsten Vergeltungsangriffen der israelischen Streitkräfte in den palästinensischen Gebieten haben sich die Chancen für den Frieden im Nahen Osten weiter verschlechtert. Ägypten rief am Dienstag unter Protest seinen Botschafter zurück. Begründet wurde dieser Schritt mit dem aggressiven Vorgehen der israelischen Sicherheitskräfte gegen die palästinensische Bevölkerung. Während es im Gazastreifen zu neuen erbitterten Zusammenstößen kam, sagte der palästinensische Chefunterhändler Ahmed Kreia: "Der Friedensprozess ist jetzt klinisch tot."

Bei den Luftangriffen im Gazastreifen wurden am Montagabend zwei palästinensische Polizisten getötet. Mehr als 60 Menschen, unter ihnen auch Kinder, wurden verletzt. In der Nacht zum Dienstag kam es zu neuen Zusammenstößen, bei denen drei Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen wurden. Palästinensische Soldaten eröffneten am Dienstag außerdem das Feuer auf Truppen, die die jüdische Siedlung Newe Dekalim bewachen. Nach Militärangaben schossen die israelischen Soldaten zurück. Bulldozer der israelischen Armee zerstörten in der Nähe von Newe Dekalim eine Zitronen-Plantage. Auch im Westjordanland kam es wieder zu Zusammenstößen, dabei wurde in Dschinin nach Angaben von Ärzten ein Palästinenser getötet. Die Unruhen forderten damit seit dem 28. September bisher 244 Menschenleben.

"Sie eskalieren ihre Aggression gegen unser Volk", sagte der palästinensische Präsident Jassir Arafat nach einem Besuch in einem Krankenhaus in der Stadt Gaza. Einige der von Israel am Montagabend abgeschossenen Raketen schlugen nur etwa 200 Meter von seinem Amtssitz ein. Die Angriffe wurden von Israel als Vergeltung für einen Anschlag auf einen Schulbus im Gazastreifen bezeichnet, bei dem zwei Israelis getötet wurden.

Nach den Angriffen verschob Arafat eine für Dienstag geplante Reise nach Kairo. Der ägyptische Präsident Husni Mubarak wies den Botschafter in Israel, Mohamed Bassiuni an, sofort nach Kairo zu kommen, wie die amtliche Nachrichtenagentur MENA meldete. Außenminister Amr Mussa begründete die Entscheidung mit "der Aggression Israels gegen die Palästinenser und den bewussten Einsatz von Gewalt gegen das palästinensische Volk". Bisher hat sich Ägypten unter den arabischen Staaten stets für eine mäßigende Haltung gegenüber Israel eingesetzt. Zuletzt war Bassiuni 1982 nach der israelischen Invasion in Libanon kurzfristig aus Tel Aviv zurückgerufen worden. Ägypten und Jordanien sind die einzigen arabischen Nachbarn, mit denen Israel diplomatische Beziehungen unterhalten.

Der israelische Außenminister Schlomo Ben-Ami bezeichnete im Rundfunk die Entscheidung Ägyptens als "sehr ernsten" Schritt. Israel erwäge jedoch nicht, seinen Botschafter in Kairo ebenfalls zurückzurufen.

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