Hoffnung auf Frieden zerstört: Kolumbien: Guerilla erklärt Friedensprozess für beendet

Hoffnung auf Frieden zerstört
Kolumbien: Guerilla erklärt Friedensprozess für beendet

In Kolumbien hat sich die Hoffnung auf ein Ende des seit fast 40 Jahren anhaltenden bewaffneten Konflikts zerschlagen. Die größte Rebellen-Organisation des Landes, die "Revolutionären Streitkräfte" (FARC), erklärten den Friedensprozess am Sonntagabend (Ortszeit) für "definitiv beendet".

dpa BOGOTA. Die kommunistische Gruppe reagierte so auf eine ultimative Forderung von Präsident Andrés Pastrana zur Einstellung aller Feindseligkeiten. Die von Pastrana gesetzte Frist zur Räumung einer von der Guerilla kontrollierten entmilitarisierten Zone bis Montagabend (Ortszeit) "verhindert jede Möglichkeit der Fortführung der Gespräche", erklärte Rebellenchef "Comandante Simon Trinidad" vor Pressevertretern.

Nach Medienberichten setzten unterdessen am Montag in der so genannten entmilitarisierten Zone Caguan im Süden des Landes Bewegungen von Flüchtlingen ein. Die rund 100 000 Bewohner der fünf Hauptgemeinden der Urwald-Region der Größe der Schweiz befürchteten heftige Zusammenstöße, hieß es. "Kolumbien vor dem Bürgerkrieg", stimmten am Montag einige lateinamerikanische Zeitungen in der Einschätzung überein. Rebellenchef Trinidad versicherte aber, die Guerilla wolle die entmilitarisierte Zone feierlich übergeben. Schuld am Scheitern des Friedensprozesses seien "die Kriegsherren des Landes" sowie eine "privilegierte und schäbige Minderheit".

Pastrana hatte den Rebellen am Samstag in einer Fernsehansprache indirekt mit einer Militäroffensive gedroht, falls die FARC seinen Forderungen nicht nachkämen. Dabei wies der Präsident einen 14-Punkte-Vorschlag der Rebellen zurück, den diese nach Vermittlung des UN-Beauftragten James Lemoyne gemacht hatten. Die Kolumbianer wollten "keine Ausreden und Verzögerungen mehr", sondern Gespräche ohne bewaffnete Auseinandersetzungen, betonte Pastrana.

Die Rebellen, so Pastrana, sollten ihre Bereitschaft zu einem vertraglichen Ende des bewaffneten Konflikts bekunden. Die Guerilla sollte sich zudem an eine frühere Vereinbarung halten, in der sie sich zum Verzicht auf Entführungen und Angriffe gegen die Zivilbevölkerung sowie die Infrastruktur verpflichtet hatte. Nur eine solche Erklärung könne den Ablauf des Ultimatums von 48 Stunden noch unterbrechen, sagte Pastrana weiter. Andernfalls ende die gesetzte Frist am Montag um 21.30 Uhr Ortszeit. Die Rebellen hatten unter anderem eine internationale Friedenskonferenz vorgeschlagen.

Der UN-Sondergesandte James Lemoyne räumte derweil ein, dass der vor drei Jahren in Gang gesetzte Friedensprozess "vor dem Kollaps steht". Er wolle aber "bis zur letzten Minute um eine friedliche Lösung kämpfen" und sich am Montag erneut mit den Rebellenchefs treffen. "Eine Zauberformel gibt es aber nicht", meinte er nüchtern.

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