Hoffnung auf höhere Investitionsgüternachfrage im zweiten Halbjahr
Maschinenbauer erwarten erst 2003 neues Wachstum

In diesem Jahr schlägt der weltweite Abschwung der Konjunktur voll auf Maschinen- und Anlagenbau durch. Folge: In den Euro-Ländern soll die Produktion moderat sinken - real um 1,5 Prozent.

Nach zwei flotten Jahren läuft die Maschinenproduktion in der EU derzeit mit gebremsten Tempo. Arbeiteten die Unternehmen 2001 ihre Auftragspolster ab, so spürt die Branche nun die weltweite Konjunkturflaute. In einer Analyse, die sich auf die Aussagen der nationalen Verbände stützt, geht der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau davon aus, dass der Umsatz in den EU-Ländern 2002 real um 1,5 % schrumpfen wird.

Voraussetzung für einen nur moderaten Abschwung ist jedoch, dass sich die Auftragseingänge im zweiten Halbjahr beleben. "Die Anzeichen dafür sind derzeit aber noch mau", warnt Richard Schramm, Analyst von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Viele Kunden - zum Beispiel aus der IT-Branche und Autoindustrie - klagen über Auftragsmangel und Überkapazitäten. Sie haben ihre Investitionsbudgets gekürzt.

Trotzdem rät die Mehrzahl der Analysten, Maschinenbauaktien überzugewichten. Die Wachstumsaussichten der Branche seien positiv. Zum einen halte der Modernisierungsbedarf bei vielen Abnehmern an. Außerdem sorgten der Einsatz innovativer Technologien sowie die Miniaturisierung von Produkten für Impulse.

Typisch für die Branche, die im vorigen Jahr EU-weit mit knapp 2,2 Millionen Beschäftigten einen Umsatz von 340 Mrd. Euro erzielte, sind Betriebe mit wenigen Hundert Mitarbeitern und selten mehr als 50 Mill. Euro Umsatz. Diese geraten nun gleich von zwei Seiten unter Druck. Die Banken fordern höhere Risikoprämien für ihre Kredite. Zudem werden im globalen Wettbewerb Dienstleistungen immer wichtiger. "Entscheidend wird sein, dass die Kunden diesen zusätzlichen Service auch vergüten", sagt HSBC-Analyst Schramm.

Die Großen der Branche, meist Konglomerate und nicht klar fokussierte Konzerne wie der schwedische Kugellagerhersteller SKF oder Heidelberger Druckmaschinen, plagen andere Sorgen: die desolate Lage im Anlagenbau. Hartnäckig halten sich Gerüchte, Thyssen-Krupp (Chemie- und Zementanlagen), Linde (Raffinerieanlagen), MG Technologies (Anlagen für die Gas- und Mineralölindustrie) und MAN (industrielle Dienstleistungen) wollten ihre Aktivitäten in einer gemeinsamen Gesellschaft bündeln. Denn die Lage hat sich durch Fusionen auf Kundenseite weiter verschärft. Dies nutzt etwa die Ölbranche aus und drückt die Preise. "Über kurz oder lang muss eine Lösung gefunden werden", sagt Michael Riedel von der Bankgesellschaft Berlin.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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