Hoffnung auf Mitte des Jahres
ifo: Konjunkturklima in Deutschland drastisch verschlechtert

Analysten erwarten angesichts der gegenwärtigen Schwäche der US-Konjunktur ein Absinken des ifo-Geschäftsklimaindex für Februar, nachdem dieser im Januar noch gestiegen war. Das Januar-Niveau des Index belief sich auf 97,5 Punkte. Befragte Experten rechnen bei diesem Indikator im Februar mit einem Stand zwischen 95,3 und 97,5 Zählern.

Reuters FRANKFURT/MÜNCHEN. Der unerwartet starke Rückgang des Ifo-Index signalisiert eine deutliche Konjunkturabschwächung in Deutschland und erhöht Analysten zufolge den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), die Zinsen zu senken. Wie das Ifo-Institut am Mittwoch mitteilte, sank der Geschäftsklimaindex Westdeutschland im Februar mit 94,9 Punkte nach 97,5 Punkten im Vormonat auf den niedrigsten Stand seit Juli 1999. Es sei keine Rezession zu befürchten, doch könnte der Abschwung noch einige Monate andauern, sagte Ifo-Volkswirt Gernot Nerb in einem Reuters-Interview. Die meisten Analysten erwarten nach wie vor erst im April eine Zinssenkung. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bekräftigte unterdessen die Wachstumsprognose der Regierung von 2,6 bis 2,9 % für 2001. Der Euro verlor nach den Ifo-Daten deutlich an Boden und fiel unter die Marke von 0,90 US-Dollar.

Auch der für die Ifo-Konjunkturanalyse zuständige Nerb sprach sich für eine baldige Leitzinssenkung aus: "Wenn die Bundesbank noch über die Zinsen zu entscheiden hätte, hielte sie meiner Meinung nach eine schnelle Zinssenkung jetzt für angemessen", sagte Nerb. Da die EZB aber den gesamten Euro-Raum im Auge haben muesse, sei ihre Lage etwas schwieriger. Der Leitzins in der Euro-Zone liegt derzeit bei 4,75 %.

Keine Rezessionsgefahr

Nerb machte deutlich, dass es sich in Deutschland zwar um einen möglicherweise mehrmonatigen deutlichen Konjunkturabschwung handelt, aber keine Rezessionsgefahr besteht. Grundsätzlich sei es denkbar, dass Ifo seine für 2001 bereits auf 2,4 % reduzierte Wachstumsprognose für Deutschland weiter reduziert. "Vor dem Gemeinschaftsgutachten der sechs Wirtschaftsinstitute, das am 10. April veröffentlicht wird, werden wir uns aber nicht detailliert äußern."

Nicht nur der Geschäftsklimaindex für Westdeutschland sank im Februar, sondern auch alle Teilkomponenten. So ging der Index der Geschäftsbeurteilungen in Westdeutschland auf 91,4 Punkte von 94,6 Punkten zurück und die Erwartungskomponente sank auf 98,5 Punkte nach 100,3 Punkten im Vormonat. Für Ostdeutschland fiel der Geschäftsklimaindex etwas auf 106,5 von 106,6 Punkten im Januar. Damit scheint der unerwartete Anstieg im Januar den meisten Analysten als ein einmaliger Ausrutscher nach oben. Sie hatten für Februar nur einen Rückgang auf 96,7 Punkte prognostiziert.

Schwache US-Konjunktur belastet deutsche Wirtschaft

Besonders besorgt zeigten sich die Experten über den Rückgang bei den Erwartungen, denn dieser signalisiere anhaltend schwache Werte im Gesamtindex in den kommenden Monaten. Die deutschen Unternehmen hätten zunehmend realisiert, dass die schwache US-Konjunktur die Wirtschaft hier zu Lande belastet. Zudem seien weitere negative Einflüsse vom Abschwung in den USA zu erwarten. Unzweifelhaft stehe die EZB jetzt unter Zugzwang.

"Der Druck auf die EZB, die Zinsen eher früher als später zu senken hat sich erhöht. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung am 11. April ist gestiegen", sagte Herve Goulletquer, von Credit Lyonnais in Paris. Jörg Krämer von Invesco Management schließt sogar ein Zinssenkung auf dem nächsten EZB-Ratstreffen am 29. März nicht aus. "Nach diesen schwachen Zahlen ist eine EZB-Zinssenkung vielleicht noch in diesem Monat, spätestens aber im April wahrscheinlich."

Allerdings sprächen der schwache Euro-Kurs und die Entwicklung der Verbraucherpreise in der Euro-Zone gegen eine unmittelbare Zinssenkung. Auch werde die EZB den Eindruck vermeiden wollen, der Zinssenkung in den USA vom Dienstag hinterher zu rennen.

EZB-Zinssenkung?

Einer Reuters-Umfrage vom Mittwoch zufolge rechnen nur zwei der 20 befragten Volkswirte mit einer Zinssenkung auf der nächsten Ratssitzung am 29. März. Neun von ihnen prognostizieren eine Rücknahme der Zinsen im April, weitere sieben sehen eine Senkung im Mai.

Bundeskanzler Schröder geht hingegen von einem weiterhin robusten Wirtschaftswachstum in Deutschland und Europa aus. Schröder sagte am Mittwoch auf dem Gründungskongress der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Berlin, man habe allen Grund, davon auszugehen, dass die gesteckten Ziele erreicht würden. Die Bundesregierung rechnet für dieses Jahr mit einer deutschen Wachstumsrate von 2,6 bis 2,9 %. Finanzminister Hans Eichel (SPD) forderte in Potsdam mehr Konjunkturoptimismus. "Ein bisschen mehr Optimismus in Deutschland wäre auch angesagt angesichts dessen, was wir als Staat getan haben", sagte Eichel.

EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hatte vor der Bekanntgabe der Ifo-Daten in München gesagt, die Wachstumsaussichten für Deutschland hätten sich eingetrübt, doch blieben die allgemeinen Wachstumsbedingungen robust. Auf die Frage, ob die US-Leitzinssenkung die EZB beeinflussen werde, sagte Issing: "Die Fed hat das gemacht, was sie für richtig hält und wir werden das tun, was wir für richtig halten." Die Fed hatte am Dienstag ihren Zielsatz für Tagesgeld um 50 Basispunkte auf 5,00 % und den eher symbolischen Diskonsatz ebenfalls um 50 Basispunkte auf 4,50 % zurückgenommen.

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