Hoffnung auf sinkende Steuern
Laune der Verbraucher steigt

Die Hoffnung auf niedrigere Steuern und wirksame Reformen sorgt derzeit bei den deutschen Verbrauchern für bessere Stimmung. Damit wachsen auch die Chancen, dass die Deutschen bald wieder mehr Geld ausgeben und Branchen wie dem Einzelhandel bessere Zeiten bescheren.

Reuters BERLIN. "Vermutlich bekommen die Verbraucher wieder das Gefühl, dass die Politik ernsthaft gewillt ist, die notwendigen Reformen in den sozialen Sicherungssystemen anzupacken", sagte der Konsumexperte der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), Rolf Bürkl, am Freitag. In der Juni-Umfrage der GfK blickten die Verbraucher deutlich weniger pessimistisch auf die weitere Wirtschaftsentwicklung und ihre zukünftigen Einkommen. Auch ihre Kaufzurückhaltung nahm spürbar ab. Der auf der monatlichen Umfrage basierende Konsumklima-Indikator für Juli stieg auf 4,0 von 3,8 Zählern.

Hoffnungsschimmer erkennbar

Mit der Juni-Umfrage unter rund 2000 Verbrauchern im Auftrag der EU-Kommission scheine sich immer mehr zu bestätigen, "dass die Talsohle des Konsumklimas im Frühjahr dieses Jahres durchschritten wurde", sagte Bürkl. Erstmals seit Juli 2002 verbesserten sich alle drei abgefragten Teilbereiche gleichzeitig in einem Monat. Allerdings lagen Konjunkturerwartungen, Einkommenserwartungen und die Anschaffungsneigung jeweils noch deutlich unter ihrem langjährigen Durchschnitt.

"Die GfK-Daten waren sehr positiv, denn sie waren im Einklang mit der Ifo-Umfrage und zeichnen das Bild eines sich langsam verbessernden Konsums und einer sich aufhellenden Stimmung", sagte Analyst Dirk Schumacher von Goldman Sachs. Beim jüngsten Anstieg des Ifo-Geschäftsklima-Index hatte sich vor allem die Stimmung im Einzelhandel verbessert.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) schöpfte aus der GfK-Umfrage Hoffnung auf ein versöhnliches Ende des bislang schwachen Jahres. "Dieses Jahr ist verloren, aber wenn die Rahmenbedingungen stimmen, dann rechnen wir mit einem guten Weihnachtsgeschäft und das könnte eine positive Entwicklung für 2004 einläuten", sagte HDE-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr. Die Aktien der großen Einzelhandelskonzerne gaben allerdings am Freitag trotz der GfK-Daten nach. Die Umfrage bestätige die Erwartung, dass sich die Wirtschaft im zweiten Halbjahr erholen werde, bedeuteten aber noch nicht den Beginn eines Aufschwungs, erklärten Aktienhändler.

Steuereffekt hängt von Finanzierung ab

Vor allem die Hoffnung auf ein Vorziehen der milliardenschweren Steuerentlastung auf 2004, über die die Regierung voraussichtlich am Wochenende entscheidet, wirkte sich Bürkl zufolge bereits positiv auf die Verbraucherstimmung aus. "Eine Nettoentlastung könnte die Binnennachfrage nachhaltig stärken und der Konjunktur neue Impulse geben", sagte Bürkl. Volkswirte wie Andreas Scheuerle von der DekaBank halten zumindest einen psychologischen Effekt bei den Verbrauchern für wahrscheinlich. "Die Frage ist, ob sich das in konkreten Kaufentscheidungen niederschlägt", sagte Scheuerle.

Über den Netto-Effekt einer vorgezogenen Steuersenkung entscheidet vor allem die Art der Finanzierung. "Der Finanzminister möchte die Verbraucher entlasten, was zu begrüßen ist. Andererseits holt sich der Staat das Geld aus anderen Taschen heraus, beispielsweise bei den Rentnern", sagte Andreas Rees von der HypoVereinsbank. Der Analyst warnte aber vor der Enttäuschung der Menschen, wenn sich nun weder bei den Reformen noch bei den Steuern etwas bewege.

Die gravierendste Bremse für den Konsum, auf den in Deutschland rund 60 % des Bruttoinlandsprodukts entfallen, bleibt allerdings vorerst erhalten: "Eine nachhaltige Verbesserung für die Binnennachfrage wird es vermutlich erst dann geben, wenn für die Verbraucher eine Besserung auf dem Arbeitsmarkt sichtbar wird", sagte Bürkl.

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