Hoffnung auf Squeeze-Out prägt die Kursentwicklung des Chemieunternehmens
Aktionäre wetten auf Weitsicht von Aventis

Was hat der Aventis-Konzern mit der Hoechst AG vor? Seit fast einem Jahr sorgt diese Frage für Bewegung bei der Aktie des einstigen Chemieunternehmens.

FRANKFURT/M. Denn die Hoechst AG, die heute zu mehr als 97% der Aventis S.A. gehört, gilt als prominenter Kandidat für ein so genanntes "Squeeze-out", das zwangsweise "Herauskaufen" von Minderheitsaktionären gegen eine Barabfindung. Und in der Hoffnung auf eine solide Abfindung haben sich längst auch institutionelle Investoren in Position gebracht.

Auftrieb erhielten die Spekulationen vor kurzem, als Aventis-Vorstandsvorsitzender Jürgen Dormann gegenüber dem Handelsblatt die Erwartung äußerte, Aventis werde unter bestimmten Bedingungen wohl die neuen Möglichkeiten nutzen, die der Gesetzgeber seit Januar mit dem Squeeze-Out bietet. Voraussetzung sei, dass sich die Bewertung in einem vernünftigen Rahmen bewege. Eine Entscheidung sei im Laufe des Jahres zu erwarten.

Für viele Fonds- und Assetmanager ist es seither offenbar nur noch eine Frage, wann und zu welchen Konditionen Aventis zugreifen wird. Und es gilt als ausgemacht, dass der Konzern in diesem Fall die verbliebenen Hoechst-Aktionäre nicht mit einem Taschengeld abfinden kann. Dem Pharmariesen, der intensiv am Schuldenabbau arbeitet, muss einerseits zwar daran gelegen sein, seine Liquidität zu schonen. Andererseits dürfte es ihm schwer fallen, den Wert von Hoechst herunterzurechnen. Denn mit zweistelligen Wachstumsraten bei Umsatz und Ergebnis gilt Aventis derzeit als einer der dynamischsten Vertreter der Pharmabranche. Und die Hoechst AG bildet innerhalb des Konzerns eine bedeutende Zwischenholding, unter der ein Großteil des Aventis-Pharmageschäfts versammelt ist. Im Jahr 2000 etwa erwirtschaftete Hoechst mehr als die Hälfte des Aventis-Gesamtumsatzes von 22 Mrd. Euro.

Umtauschverhältnis liegt an der Untergrenze

Beobachter sehen daher in dem Umtauschverhältnis, das 1999 zwischen den beiden Fusionspartnern Hoechst und Rhone-Poulenc festgelegt wurde, eine logische Richtschnur und Untergrenze. Damals wurden je vier Hoechst-Aktien in drei Aktien von Rhone-Poulenc getauscht, die anschließend in Aventis umbenannt wurde. Gemessen am derzeitigen Aventis-Kurs von rund 80 Euro müsste der Straßburger Konzern also mindestens 60 Euro je Hoechst-Aktie bieten und damit insgesamt etwa 800 Mill. Euro aufbringen. Manche Investoren legen angesichts der guten Entwicklung bei Aventis die Latte sogar noch höher und sehen den angemessenen Abfindungspreis "deutlich nördlich" der jetzigen Kurse. Es bleibt die Frage, ob dem Straßburger die Neuordnung seiner Konzernstruktur so viel wert sein wird. Denn das operative Geschäft wird von der Zwischenholding Hoechst derzeit offenbar nicht behindert.

Allerdings verursacht die Struktur Zusatzkosten. Sie zwingt zu einer Buchhaltung auf Armeslänge und vor allem könnte sie auf längere Sicht auch die strategische Beweglichkeit einschränken. Denn sollte sich Aventis einmal zu einer weiteren Fusion oder einem größeren Joint Venture entschließen, müsste nach Auffassung von Juristen auch die Hauptversammlung von Hoechst befragt werden - mit der Gefahr, dass Beschlüsse durch Anfechtungsklagen blockiert werden werden. Nicht zuletzt um solche Situationen zu vermeiden, dürfte das Aventis-Management intensiv über einen Squeeze-out nachdenken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%