Hoffnung auf Wende am Neuen Markt
DG Bank prognostiziert Kurserholung

Am Neuen Markt wird es ab dem Spätfrühjahr wieder aufwärts gehen. Zumindest ist davon die Frankfurter DG Bank überzeugt.

HB FRANKFURT. Sie musste ihre Prognose aus dem vergangenen Jahr zwar dramatisch nach unten korrigieren, geht jedoch bis zum Jahresende 2001 von einem Punktestand des Nemax-All-Share-Indexes von etwa 3 000 Punkten aus. Gestern notierte das Börsenbarometer, in das die Entwicklung aller Werte am Neuen Markt einfließt, unter 2 200 Punkten.

Außer der DG Bank war gestern kein Institut zu einer exakten Prognose bereit. Allerdings gehen die meisten Experten davon aus, dass die Talfahrt bei den Technologieaktien weitgehend beendet ist. Kleinere Rückschläge seien zwar weiter möglich, da bis zum Ende der Bilanzsaison weitere Enttäuschungen von Unternehmensseite folgen könnten.

Die vom Handelsblatt befragten Experten raten den Anlegern daher, nur vorsichtig Positionen am Neuen Markt aufzubauen. Wann es zu einem Kursaufschwung kommt, hänge wesentlich von der Entwicklung der US-Konjunktur und der Zinspolitik der amerikanischen Notenbank ab.

NACHGEFRAGT: KARL EUGEN REIS

Herr Reis, die DG Bank sieht am Neuen Markt nun zum Jahresende ein Indexniveau von rund 3 000 Punkten. Vor gut vier Monaten hatten Sie noch 8000 Punkte prognostiziert. Was sind die Gründe für diese Kehrtwende?

Wir haben im Oktober den Fehler gemacht, zu glauben, dass die Wende erreicht ist. Damals waren, wie von uns prognostiziert, die Low-Quality-Werte bereits deutlich abgestraft worden. Wir gingen davon aus, dass die vermeintlichen Qualitätstitel den Markt nach oben ziehen würden. Viele dieser Werte haben dann doch enttäuscht, in den USA von Nokia bis Cisco und am Neuen Markt von EM.TV bis Intershop. Die Indexmechanik bewirkte genau das Gegenteil dessen, was wir erwartet hatten. Die Schlachtschiffe zogen die Indizes nicht nach oben, sondern drückten die Kurse nach unten. Unser größter Fehler war also eine falsche Einschätzung der High-Quality-Werte.

Haben sich nur die Parameter in ihrem Prognoseinstrument geändert oder haben Sie Änderungen am Modell vorgenommen?

Am Modell selbst haben wir nicht gerüttelt. Es beruht auf einer Einschätzung der Konjunkturaussichten, der Zinsen, auf Annahmen über ein faires Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und der daraus zusammen mit der Gewinndynamik resultierenden PEG-Ratio.

Wie hoch setzen Sie das faire KGV und die PEG-Ratio bei ihrer neuen Prognose an?

Wir halten auf Grund des Konjunkturszenarios, das von keiner US-Rezession ausgeht, der gesunkenen Basis der Gewinne und unter Berücksichtigung der Enttäuschung von einigen Geschäftsmodellen eine PEG-Ratio von 1,2 für vernünftig. Das faire KGV haben wir gegenüber der letzten Prognose von 48 auf 39,6 gesenkt. Auf Basis dieser Daten sehen wir Ende 2001 beim Nemax-All-Share Indexstände von 3000 Punkten plus/minus 10 %.

Sind darin drohende weitere Enttäuschungen berücksichtigt?

Wir rechnen damit, dass es kurzfristig weitere Enttäuschungen geben wird, und dies eher am Neuen Markt als in den USA. Darin besteht für den Neuen Markt ein Restrisiko, das den Nemax-All-Share bis auf rund 2000 Punkte drücken könnte. Spätestens im zweiten Quartal sollten dann die Konsensusschätzungen soweit gesunken sein, dass positiven Überraschungen überwiegen sollten. Ein weiteres Risiko wäre eine echte Rezession in den USA. Allerdings sehen wir nicht die Gefahr einer Stagflation. Ansonsten dürfte die Nasdaq im März oder April durch weitere Zinssenkungen in Schwung kommen und den Neuen Markt mitziehen, wobei dieser im Jahresverlauf die US-Börse übertreffen könnte.

Die Fragen stellten Josef Hofmann, Hermann Josef Knipper, Robert Landgraf

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