Hoffnung der Fondsinitiatoren ruht auf "Abteilungsleitervorbehalt" - Kurze Übergangsregelung sorgt für Kritik
Medienfonds-Anbieter machen mobil

Die Anbieter geschlossener Filmfonds haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, die Finanzverwaltung davon zu überzeugen, dass ein Filmfonds-Anleger - wie nach einem Erlass der Behörde vorgesehen - nicht Erwerber von Filmrechten, sondern Hersteller eines Films ist. Der steuerrechtlich entscheidende Unterschied: Ist der Anleger Filmhersteller, kann er sofort 100 Prozent Verlustzuweisung auf die Einlage steuermindernd geltend.

DÜSSELDORF. Hoffnungsträger der Fondsinitiatoren ist ein so genannter "Abteilungsleitervorbehalt" den ein Steuerreferent gegen den Entwurf des Erlasses eingelegt hat. Der Referent, dessen Identität bislang nicht bekannt geworden ist, stellt gleichzeitig auch die Übergangsfrist in Frage und möchte die Entscheidung auf eine höhere Ebene verlagern. Mitte September werden die Steuerreferenten des Bundes und der Länder über die Stellungnahmen zum Erlassentwurf beraten, der dann bis zum Jahresende verabschiedet werden soll. Sollte der Entwurf unverändert in Kraft treten, könnten die Anleger von Filmfonds alle Nebenkosten und die Filmrechte selbst nur über 50 Jahre abschreiben. Der einzige Ausweg, um das zu vermeiden, wäre noch in diesem Jahr einem Fonds beizutreten, mit dessen Vertrieb bereits im vergangenen Jahr begonnen wurde. Nur dann ist der Anleger nach einer im Oktober 2001 formulierte Übergangsregelung noch Hersteller.

Der Verband Deutscher Medienfonds plant eine entsprechende Stellungnahme. Nach Meinung von Beobachtern wird der Verband dabei formal darauf verweisen, dass der als maßgebend angesehene Medienerlass, der die Herstellereigenschaften eines Fonds definiert, nicht außer Kraft gesetzt ist. Darüber hinaus dürften Zweifel daran geäußert werden, ob die Umsetzung von Bundesfinanzgerichts-Urteilen zu Immobilienfonds - sie brachten 2001 den Stein ins Rollen - überhaupt auf Filmfonds anwendbar sind. Denn das Steuerrecht verbietet es Filmproduzenten, das Wirtschaftsgut "Film" zu aktivieren und dann abzuschreiben. Vielmehr sind die Herstellkosten Betriebsausgaben, denen während der Rechteverwertung Einnahmen gegenüberstehen. In das gleiche Horn bläst auch der Arbeitskreis Medien. Die darin vertretenen Filmfirmen, Fonds-Initiatoren, Steuerberater und Rechtsanwälte wollen laut Oliver Kächele, Partner der Beratungsgesellschaft KPMG Tax & Legal in München, auf die Beschäftigungswirkung für die Filmindustrie in Deutschland verweisen. "Der Erlass darf gar nicht kommen", so Kächeles einfache Maximalforderung.

Mit dem Erlass könnten etliche Anbieter in die Bredouille geraten, denn bis zum Jahresende könnte vielen Fonds noch nicht genügend Kapital eingesammelt haben, um mit der Produktion zu beginnen. Folge: Das Projekt wird auf Eis gelegt oder es muss ein neues Finanzierungskonzept her. Selbst Fonds, die ursprünglich bis zum Jahresende voll platziert sein wollen, haben häufig Klauseln, die eine Weiterplatzierung im neuen Jahr vorsehen. Platzieren sie tatsächlich weiter, schaffen sie eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Fonds. Wer im nächsten Jahr noch beitritt, verliert den Steuervorteil. Das Gros der Anbieter fordert deshalb, dass zumindest die Übergangsfrist verlängert wird.

Quelle: Handelsblatt Nr. 148 vom 05.08.02

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%