Hoffnung durch Risiko-Bonds – Dollar unter Druck
„2004 wird das Jahr des aktiven Managements“

Die Herausforderung im nächsten Jahr wird sein, bei einer langweilig anmutenden Gesamtentwicklung die spektakulären Bereiche herauszufiltern.

fs LONDON. Das Jahr liegt in seinen letzten Stunden, aber schwärmen werden risikobereite Anleihe-Investoren wohl noch eine ganze Weile von 2003. "Es war ein fabelhaftes Jahr für spekulative Bonds", sagt Laurence Mutkin, Leiter der Fixed Income-Strategie beim Fondsmanager Threadneedle. Die (Aussichten auf) wirtschaftliche Erholung, niedrige Inflationsraten und Liquidität in den Markt pumpende Zentralbanken in den USA und Japan hoben die Returns im europäischen Markt für Risiko-Papiere (High Yield) auf mehr als 25 %. Inhaber von Staatsanleihen und hochwertigen Corporate Bonds mussten sich mit deutlich weniger bescheiden, insgesamt lagen die Renditen über alle Anleiheklassen bei gerade 4 %.

2004 birgt mehr Herausforderungen. Nicht dass die Rally der Risikopapiere vorbei wäre. Die Wachstumsgeschichte der Wirtschaft dürfte weltweit fortgeschrieben werden. Und da die Notenbanken die Inflation weiterhin unter Kontrolle halten können, gehen die Experten von keinen allzu großen Zinssteigerungen aus, die eine gute Entwicklung am Bondmarkt verderben könnten. Dennoch werden die für die Performance ausschlaggebenden Risikoaufschläge (Spreads) nicht mehr so stark fallen wie in 2003. Nach Angaben der US-Investment-Bank JP Morgan sanken die Aufschläge gegenüber Staatspapieren bei Emerging-Market-Bonds um mehr als 250 Basispunkte. Dieser Trend halte im kommenden Jahr an, allerdings verhaltener als bisher: "Weder insgesamt noch verglichen mit Staatsanleihen wird die Rendite der Non-Governments spektakulär", sagt Gary Jenkins, Globaler Leiter Credit Research der britischen Großbank Barclays.

Laurence Mutkin unterstützt diese Vermutung. Das bedeutet jedoch für ihn, dass 2004 das "Jahr des aktiven Managements" wird. Die Herausforderung wird sein, bei einer langweilig anmutenden Gesamtentwicklung die spektakulären Bereiche herauszufiltern. Die Favoriten für Barclays kommen im nächsten Jahr aus den Sektoren Automobile, Finanzdienstleister, Telekom und Tabak. Konsum und Freizeit seien dagegen wie die Versorger eher Underperformer.

Am Devisenmarkt dürfte die Schwäche des Dollars nur kurzfristig unterbrochen werden. Die Citigroup etwa geht davon aus, dass der Greenback über die nächsten fünf Jahre tendenziell weiter abwertet. 2008 könnte der größten Bank der Welt zufolge ein Euro sagenhafte 1,37 $ kosten. Im nächsten Jahr dagegen rechnet Senior-Währungsstratege Steven Saywell zunächst mit einer kurzfristigen Rückkehr: "Das stärkere Wachstum im Dollarraum gegenüber in der Eurozone könnte den Wechselkurs in der ersten Hälfte auf 1,15 $ herunter ziehen."

In der zweiten Jahreshälfte dagegen rechnet Saywell mit einem stärkeren Schub für die Euro-Zone, der auch den Wechselkurs am Ende des Jahres auf 1,22 $ heben sollte. Währungsstratege Paul Robson von der australischen Bank One erwartet wegen des amerikanischen Handelsbilanzdefizits zum Ende des kommenden Jahres sogar einen Kursverfall bis auf 1,30 $. Die japanische Währung erwarten beide Experten bei ungefähr 100 Yen je Dollar. Und auch gegenüber dem Pfund dürfte der Euro mittelfristig stärker werden.

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