Hoffnung für 2002/03
Thomas Cook begrenzt Einbußen

Europas drittgrößter Reisekonzern Thomas Cook hat dank eines Sparprogramms seine Einbußen in diesem Jahr begrenzt und will im kommenden Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben.

Reuters FRANKFURT. Für das laufende Geschäftsjahr 2001/2002, das am 31. Oktober endet, erwartet Thomas Cook nach eigenen Angaben vom Montag auf Grund hoher Goodwill-Abschreibungen für seine britische Tochter dennoch einen Nettoverlust. Im kommenden Jahr will Cook nach Angaben von Finanzdirektor Matthias Heck sowohl vor Steuern als auch nach Steuern wieder schwarze Zahlen schreiben. Der Konzernumsatz solle wieder zwischen drei und vier Prozent steigen, sagte Heck der Nachrichtenagentur Reuters im Anschluss an die Präsentation der Bilanz für das dritte Quartal im laufenden Jahr. Cook ist der drittgrößte Reisekonzern in Europa hinter TUI und MyTravel.

Thomas Cook steigert EBTA deutlich

In den Monaten von Mai bis Juli erhöhte sich das Ergebnis vor Steuern und Goodwill-Abschreibungen (Ebta) den Angaben zufolge kräftig. Das Ebta sei gegenüber dem Vorjahr um 7,2 Prozent auf 180,8 Millionen Euro gestiegen, sagte Konzernchef Stefan Pichler. Verantwortlich dafür seien konsequente Sparmaßnahmen, durch die auch der Umsatzrückgang mehr als wett gemacht worden sei. Der Umsatz sei im dritten Quartal um neun Prozent auf 2,8 Milliarden Euro gesunken. Die Buchungszahlen lägen bis Ende August noch 9,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Mit einer Verbesserung um zwei Prozentpunkte gegenüber dem Stand vom Juni zeichne sich hier jedoch eine Erholung ab.

Im Gesamtgeschäftsjahr (zum 31. Oktober) erwarte Thomas Cook ein zwar "deutlich positives Ergebnis vor Steuern und Goodwill-Abschreibungen", allerdings unter dem Niveau des Vorjahres von gut 150 Millionen Euro, sagte Pichler. Die stark gestiegenen Goodwill-Abschreibungen würden in diesem Jahr damit nicht vollständig verdient. Dies bedeutet für die gemeinsame Touristiktochter der Konzerne Lufthansa und KarstadtQuelle in diesem Jahr unter dem Strich rote Zahlen. Pichler hatte dies bereits vor einigen Wochen signalisiert.

Optimismus wegen Kriegsgefahr und Konjunktur gebremst

Thomas Cook muss nach den Worten Hecks in diesem Jahr rund 90 Millionen Euro für den Erwerb von Thomas Cook UK und andere Akquisitionen abschreiben. Dazu kommen 15 Millionen Euro für die Marke Kreutzer, die ab nächstem Jahr in der Dachmarke Thomas Cook aufgehen wird.

In das kommende Geschäftsjahr 2002/2003 geht Thomas Cook angesichts der anhaltenden Wirtschaftsflaute und des Risikos eines neuen Golfkrieges nur mit verhaltenem Optimismus. "Sowohl vor Steuern als auch nach Steuern werden wir ein positives Ergebnis erzielen", sagte Finanzdirektor Heck. Bei der Umsatzprognose bleibt Cook trotz der sich allmählich wieder bessernden Nachfrage zurückhaltend. Er rechne damit, den Umsatz um drei bis vier Prozent zu steigern, sagte Heck. Damit würde der Rückgang in diesem Jahr nur etwa zur Hälfte wieder ausgeglichen. Cook würde sich damit auf dem Niveau des europäischen Reisemarktes bewegen, der im kommenden Jahr Pichler zufolge ebenfalls zwischen drei bis vier Prozent wachsen dürfte.

Hoher Anteil an Last-Minute-Buchungen

Das Ergebnis wird in diesem Jahr nach den Worten Pichlers auch durch einen hohen Anteil an Last-Minute-Reisen belastet. Während in normalen Jahren dieser Anteil im Sommer zwischen zehn und 15 Prozent liege, verzeichne Cook in diesem Jahr einen Anstieg der meist weit unter Katalogpreis verkauften Reisen auf 30 Prozent. Für das nächste Jahr sei im Last-Minute-Geschäft mit einer Normalisierung zu rechnen, allerdings werde der Anteil erneut über dem Normalwert liegen, ergänzte Heck.

Bei den Reisezielen rutschten in den vergangenen Monaten vor allem arabische Staaten ans Ende der Beliebtheitsskala. Die Buchungen für Tunesien, wo bei einem Anschlag mutmaßlicher Islamisten im Frühjahr etliche Deutsche ums Leben kamen, seien um 40 Prozent rückläufig, sagte Heck. Rückgänge im zweistelligen Prozentbereich verzeichneten auch die Dominikanische Republik, Ägypten und Spanien. Zugelegt hätten dagegen Bulgarien mit einem Plus von 60 Prozent und Thailand mit einem Anstieg um 20 Prozent.

Mit der Berufung des Siemens-Managers Norbert Kickum zum Finanzvorstand vervollständigt Thomas Cook seine Konzernführung. Der 47-jährige war bisher als Geschäftsführer bei der Siemens Financial Services GmbH in München tätig. Er soll bei Thomas Cook als viertes Vorstandsmitglied auch die Funktion des Arbeitsdirektors und damit die Personalverantwortung übernehmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%