Hoffnung für Entführte: Manila verzichtet auf Militärschlag
Im Geiseldrama auf Jolo wollen Europäer kein Lösegeld zahlen

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Außenminister Fischer sagte Chefdiplomat Errki Tuomija, Helsinki, Berlin und Paris seien wegen internationaler Vereinbarungen die Hände gebunden

Manila, 13. Juli (AFP) - Im Geiseldrama auf der Philippinen-Insel Jolo wollen die Europäer kein Lösegeld bezahlen. Nach einem Treffen mit Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) und seinem Pariser Kollegen Hubert Védrine sagte der finnische Chefdiplomat Errki Tuomija am Donnerstag in Manila, alle drei Regierungen seien an internationale Abkommen gebunden, kein Lösegeld zu zahlen. Die Außenminister hatten sich zuvor mit dem philippinischen Präsidenten Joseph Estrada getroffen. Dieser versicherte ihnen, auf einen Militärschlag zu verzichten. Zugleich stellte einer der Vermittler, der Libyer Radschab Assaruk, die rasche Freilassung einiger Geiseln in Aussicht. Die Moslem-Rebellen der Abu-Sayyaf-Gruppe halten inzwischen 40 Menschen in ihrer Gewalt, unter ihnen drei Angehörige der Göttinger Familie Wallert und den "Spiegel"-Reporter Andreas Lorenz. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz sagte Tuomija, Helsinki, Berlin und Paris seien wegen internationaler Vereinbarungen die Hände gebunden. Védrine betonte, sein Land zahle prinzipiell niemals Lösegeld. Zeitweise hatten die Rebellen neben politischen Forderungen wie der Gründung eines eigenen Moslem-Staates im Süden der überwiegend katholischen Inselstaates für jede Geisel eine Million Dollar verlangt. Fischer sagte, er hoffe, dass die Geiselnahme friedlich und bald ende. Alle drei Außenminister hatten sich zu dem Besuch in Manila aus Sorge um die Sicherheit der Geiseln entschlossen. In den vergangenen Tagen wurde spekuliert, die Regierung in Manila könnte nach fast drei Monaten Dauer der Entführung die Geduld verlieren. Nach Angaben des philippinischen Außenministers Domingo Siazon schloss Estrada einen Militärschlag gegen die Rebellen endgültig aus. Im derzeitigen Geiseldrama werde die Regierung nicht so verfahren wie auf der Nachbarinsel Basilan, wo das Militär im April eine Geiselnahme von rund 50 Philippinern durch Abu-Sayyaf-Rebellen gewaltsam beendet hatte. Dabei gab es mehrere Tote. Zugleich äußerte Estrada Angaben Siazons zufolge Verständnis für die Sorgen der Angehörigen der Geiseln. Unterdessen trafen sich Unterhändler Manilas und Rebellenführer zu neuen Gesprächen. Anschließend teilte Assaruk mit, einige Geiseln könnten möglicherweise in den nächsten Tagen frei kommen. Der ehemalige libysche Botschafter in Manila ließ aber offen, um wen es sich dabei handeln könnte. Assaruk hatte bei früheren Geiseldramen schon erfolgreich vermittelt. An Ostern hatten die Rebellen ursprünglich 21 Geiseln von der malaysischen Ferieninsel Sipadan entführt und nach Jolo verschleppt. Nach der Freilassung einer malaysischen Geisel entführten sie neben Lorenz noch drei französische Journalisten sowie 13 christliche Prediger aus Manila und drei weitere Philippiner. Unter den Geiseln befinden sich nunmehr insgesamt vier Deutsche, fünf Franzosen und zwei Finnen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%