Hoffnung in internationale Gemeinschaft
Abkommen löst in Afghanistan Skepsis aus

"Woher soll ich wissen, ob der Frieden nun halten wird?" Der 60-jährige Rosinenverkäufer Abdul Asis nimmt die Nachricht über die Einigung in Bonn mit Skepsis auf. "Nur Gott weiß es", sagt der Paschtune und zeigt in den Himmel über Kabul.

Reuters KABUL. Nach 23 Jahren Krieg, der das Land in Schutt und Asche gelegt hat, haben die Afghanen die Bildung einer Übergangsregierung zwar erleichtert aufgenommen, glauben aber offenbar nicht daran, dass dies etwas ändert.

"Im Namen der verschiedenen ethnischen Gruppen haben sie das ganze Land zerstört", sagt der Geldwechsler Mohammad Sahir, der sein Alter mit 40 Jahren angibt, aber wie viele Afghanen älter aussieht. "Sie haben sogar auf die Kaaba in Mekka geschworen, Frieden zu schaffen, aber sie haben ihr Versprechen nicht gehalten." Das Mekka-Abkommen, benannt nach dem für Moslems heiligen Ort in Saudi Arabien, war eine der mindestens fünf seit dem Abzug der sowjetischen Armee 1989 getroffenen Vereinbarungen, die dem Land Frieden bringen sollten. Keine war jedoch von Erfolg gekrönt. Ein im März 1993 geschlossenes Friedensabkommen hielt ganze zwei Tage, bis neue Kämpfe zwischen rivalisierenden Mudschahideen-Gruppen (Gotteskrieger) entbrannten.

Sahir setzt nun auf die internationale Gemeinschaft: Wenn diese zwischen den verschiedenen Volksgruppen vermittele, könne man optimistisch sein, glaubt Sahir. Mohammad Junus, der vor fünf Jahren aus dem Norden Afghanistans wegen der anhaltenden Kämpfe in die Hauptstadt flüchtete, pflichtet ihm bei: "Inschallah (So Gott will), wird es keine Kämpfe mehr geben. Wenn die Internationale Gemeinschaft daran glaube, habe auch er Grund, zuversichtlich zu sein.

Die Afghanen hatten die vergangenen neun Tage mit Spannung die Konferenz afghanischer Volksgruppen auf dem Petersberg bei Bonn verfolgt, die sich auf die Einsetzung einer Interimsregierung mit dem Paschtunenführer Hamid Karsai an der Spitze einigte. Die bislang in Afghanistan regierenden radikal-islamischen Taliban waren von der oppositionellen Nordallianz aus weiten Landesteilen vertrieben worden.

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