Hoffnung ruhen auf Regulierungsbehörde
Letzter unabhängiger Flatrate-Anbieter räumt Scheitern ein

Die Flatrate ist in Deutschland ein Verlustgeschäft. Auch der letzte unabhängige Anbieter hat seine Segel gestrichen. Mitte November wird eine Entscheidung der Regulierungsbehörde zur Höhe der Tarife erwartet. Im Vergleich mit europäischen Nachbarländern bezahlen deutsche Nutzer mehr für das Internet und sind kürzer online.

HB HAMBURG/MAINZ. Der zweitgrößte Anbieter einer unbegrenzten Internet-Nutzung zum Pauschaltarif in Deutschland hat heute sein Scheitern eingeräumt. Das Hamburger Unternehmen NGI, dessen Tarif "ngi-flat" von Anfang Juni bis Mittwoch vergangene Woche angeboten wurde, begründete die Entscheidung, den Tarif aus dem Angebot zu nehmen, mit Differenzen mit der Deutschen Telekom. Zu Berichten, bei NGI habe sich durch den Tarif von 77,77 DM im Monat ein Minus im zweistelligen Millionenbereich angesammelt, nahm das Unternehmen keine Stellung. In der Mitteilung hieß es, den Flatrate-Kunden sei in Zusammenarbeit mit dem Bertelsmann-Unternehmen Mediaways eine "faire Übergangslösung" angeboten worden.

Nähere Angaben machte NGI nicht, verwies aber auf die noch laufende Untersuchung der minutenabhängigen Preise und Wettbewerbschancen durch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP). Das Unternehmen appellierte an die Politik, mit England und Holland gleichzuziehen. In diesen Ländern sei es schon heute möglich, eine bezahlbare Flatrate ohne Quersubventionen anzubieten. "In Deutschland ist mit dem vorläufigen Rückzug von NGI aus dem Flatratemarkt ein Monopol der T-Online International AG in diesem Marktsegment faktisch erreicht, dies kann nicht im Sinne der Verbraucher sein", ließ Stefan Hackl, Vorstandsvorsitzender der NGI Next Generation Internet AG, verlauten.

Tobias Marburg, Geschäftsführer des auf Internetzugangskosten spezialiserten Angebotes "onlinekosten.de" sagte Handelsblatt.com, das Ende der NGI-Flatrate habe sich bereits vorzeitig abgezeichnet. "Typischerweise ist erst von technischen Problemen die Rede, dann wird ein Anmeldestopp wirksam, und das war es dann."

Es gebe zwar noch den einen oder anderen Nischenanbieter, der eine Flatrate anbiete, aber NGI sei der letzte unabhängige Provider gewesen. Unternehmen wie AOL verschwiegen hingegen lieber, dass auch sie eine Flatrate anböten.

Regulierungsbehörde wiegelt ab

Offiziellen OECD-Zahlen nach sind die Internetkosten in Deutschland in den vergangenen Monaten bereits kräftig gefallen, aber im Vergleich mit einigen Nachbarländern nach wie vor deutlich teurer. Die Regulierungsbehörde untersucht derzeit, ob die minutenabhängigen Preise, die die Telekom den Internetprovidern für die Netzdurchleitung in Rechnung stellt, gerechtfertigt sind und ob sie dem Tochternunternehmen T-Online möglicherweise bessere Konditionen einräumt.

In einem Beschwerdeverfahren im Mai vergangenen Jahres hatte die Behörde bereits einmal festgestellt, dass die Telekom mit ihren Durchleitungspreisen unabhängige Konkurrenten gegenüber dem T-Online-Vorgängerunternehmen benachteiligte. In der Folge waren günstigere Preise für die so genannte "letzte Meile" festgelegt worden.

Rudolf Boll, Sprecher der Regulierungsbehörde sagte Handelsblatt.com bereits Ende vergangener Woche, der Ausgang dieses Verfahrens zeige, dass die Behörde durchaus gegen diskriminierende Tarife vorgehen könne. Noch sei es für eine Entscheidung aber zu früh. Auf die Frage, ob ein Verstoß den Unternehmen, die bereits an den Tarifen gescheitert seien, helfe, sagte Boll: "Wir können die doch nicht daran hindern, ihre Eier teurer einzukaufen als zu verkaufen."

Verordnung könnte Telekom zur Preisgabe der letzten Meile zwingen

Nach Informationen der Computerfachzeitschrift "c?t" droht der Telekom unterdessen eine EU-Verordnung, die dem Markt aufmischen könnte. Bereits am 12. Juli habe die EU-Kommission einen Vorschlag zur "Verordnung über den entbündelten Zugang zum Teilnehmeranschluss" verabschiedet. Das Europäische Parlament müsse dem Entwurf noch billigen, habe aber Zustimmung signalisiert. In der Verordnung, die zum 1. Januar 2001 in Kraft treten könnte, werde festgelegt, dass die Ex-Monopolisten besonders leistungsfähige Kabelfrequenzen an andere Anbieter abgeben müssen, um den Wettbewerb zu beleben. Laut "c?t" handelt es sich dabei um eben die Frequenzen, die eine Flatrate auf DSL-Basis ermöglichen.

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