Hoffnungen lösen sich in Luft auf
Aufschwung rückt in die Ferne

Neue Hiobsbotschaften zur deutschen und europäischen Konjunktur: In der Industrie sind die Geschäftsaktivitäten im April unerwartet und deutlich eingebrochen. Zudem kommt der deutsche Einzelhandel nicht aus der Krise. Damit steigt der Druck auf die EZB, die Leitzinsen erneut zu senken.

HB/ost DÜSSELDORF. Die Kette unerwartet düsterer Konjunktur-Nachrichten aus Deutschland und der Euro-Zone reißt nicht ab: Die Industrie in Euro-Land schrumpfte im April so stark wie seit 15 Monaten nicht mehr. Und den deutschen Firmen ging es erneut besonders schlecht: Ihre Geschäftsaktivitäten sind im April so stark eingebrochen wie seit Januar 2002 nicht mehr. Dies zeigt der Reuters-Einkaufsmanager-Index für April, eine monatliche Umfrage unter europäischen Unternehmen des Währungsraums. In Deutschland hat sich zudem der Konsumstreik der privaten Haushalte wieder verschärft: Die Umsätze der Einzelhändler brachen im März deutlich ein.

Damit lösen sich die Hoffnungen auf eine schnelle Konjunktur- Erholung nach dem schnellen Ende des Irak-Kriegs zunehmend in Luft auf - und zugleich steigt der Druck auf die Europäische Zentralbank, die Leitzinsen erneut zu senken. "Mit Blick auf die nächsten Monate ist kein konjunktureller Aufschwung in Sicht", betonen die Volkswirte von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Zuvor war in der vergangenen Woche bereits der Ifo-Geschäftsklima- Index im April überraschend und deutlich eingebrochen; auch in der Euro-Zone verschlechterte sich die Stimmung der Unternehmen, zeigten Umfragen der EU-Kommission.

"Die Konjunktur hat nach einem relativ guten Start ins Jahr im Frühjahr wieder an Dynamik verloren", sagt Ralph Solveen von der Commerzbank. Die Ökonomen von HSBC Trinkaus & Burkhardt betonen: "Es zeigt sich immer deutlicher, dass weniger die geopolitischen Unsicherheiten, sondern vielmehr die realen Wirtschaftsdaten für das Stimmungstief verantwortlich sind."

Dagegen warnt Andreas Rees von der Hypo-Vereinsbank vor zu viel Schwarzmalerei: "Die Einkaufsmanager-Indizes sagen uns etwas über heute, nicht über morgen." Sicherlich seien die schlechten Zahlen ein Zeichen für eine schwächere Konjunktur in Euro-Land. "Sie signalisieren aber keine dramatische Wirtschaftskrise."

Der Reuters-Einkaufsmanager- Index für die Euro-Zone fiel im April auf 47,8 Punkte - gegenüber dem Vormonat ein Minus von 0,6 Zählern. Damit liegt der Indikator weiter unter der kritischen Grenze von 50 Punkten und deutet auf schrumpfende Geschäftsaktivitäten hin. Volkswirte hatten einen Anstieg auf 49,2 erwartet. Noch schlechter liefen die Geschäfte in Deutschland: Hier brach der Index auf 45,9 nach 47,8 ein. Er liegt damit den neunten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50. Im April gingen sowohl Produktion, Auftragseingänge und Beschäftigung drastisch zurück.

Auch die Zahlen zu den deutschen Einzelhandelsumsätzen im März enttäuschten am Freitag auf ganzer Linie: Nach zwei vergleichsweise guten Monaten in Folge fielen die Umsätze im März real um 3,0, meldete das Statistische Bundesamt. "Viele Beobachter dachten nach dem guten Januar- und Februar-Zahlen, dass die Umsätze im ersten Quartal steigen würden. Aber das Minus im März zeichnet ein realistischeres Bild", sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt von Invesco Asset Management Deutschland. "Wegen der weiter steigenden Arbeitslosigkeit arbeiten die deutschen Einzelhändler auch weiter in einem schwierigen Umfeld."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%