Hoffnungen ruhen auf Konjunkturbelebung
Lkw-Hersteller schreiben 2002 ab

Für die Nutzfahrzeugbranche ist das Jahr 2002 kaum noch zu retten. Die europäischen Hersteller werden die aktuellen zwölf Monate nach ihrer eigenen Vorhersage mit einem dicken Minus beenden. Die Hoffnungen ruhen nun vor allem auf einer Konjunkturbelebung. Experten erwarten aber erst 2003 wieder ein Plus in der Branche.

FRANKFURT/M. Die europäischen Hersteller von Nutzfahrzeugen rechnen angesichts der anhaltenden Wirtschaftsflaute in diesem Jahr nicht mehr mit einer nachhaltigen Erholung. Nach einem zuletzt dramatischen Nachfrageeinbruch stellt sich die Branche für 2002 erneut auf ein massives Absatzminus ein. Erst 2003 rechnet der Verband der Automobilindustrie (VDA) wieder mit einer nachhaltigen Belebung.

Die Branche, die die Konjunkturausschläge gewöhnlich früh und deutlich spürt, leide unter der stark nachlassenden Investitionsneigung in der Ausrüstungs- sowie in der Bauindustrie, sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk am Donnerstag in Frankfurt. In dieser Situation bremse die geplante Lkw-Maut auf Autobahnen die Nachfrage zusätzlich.

Die Hoffnungen der Branche ruhten nun auf einer baldigen Konjunkturbelebung. "In den nächsten Monaten sollten sich positive Signale einstellen", machte Gottschalk der Branche Mut. Auch das Marktforschungsinstitut DRI-Wefa in London rechnet mit einer langsamen Aufhellung auf Europas Nutzfahrzeug-Markt. "Eine Verbesserung ist unverkennbar", sagte Richard Walles, Lkw-Spezialist bei DRI-Wefa. In den europäischen Fabriken würden die Produktionszahlen - wenn auch noch zögerlich - gesteigert. Deutschland jedoch hänge der europäischen Gesamtentwicklung etwas hinterher.

Unter dem Strich wird nach Einschätzung des Dachverbandes VDA der Nutzfahrzeugmarkt in Deutschland voraussichtlich ein Absatzminus von 8 % einfahren. Bei den schweren Lkw sei sogar mit einem Minus von 13 % zu rechnen. Auch der westeuropäische Markt schrumpft: Der VDA erwartet hier ein Minus von 6 % auf dann noch 2,1 Millionen Nutzfahrzeuge.

Damit ist der Negativtrend in diesem Jahr nicht mehr umzukehren. Die Produktion haben die Hersteller bereits kräftig zurückgefahren, sie sank wegen der sinkenden Nachfrage sogar um 14 %. Im Gegensatz zu den britischen Marktforschern sieht das Essener Forschungsinstitut Marketing Systems derzeit kaum Anzeichen für eine rasche Belebung. "Der Lkw-Absatz ist immer ein Indikator für die Wirtschaftsentwicklung - und da sieht es nach den jüngsten Absatzzahlen doch noch immer sehr trübe aus", sagte Marketing-Systems-Experte Ulrich Winzen. Auch Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Nürtingen, ist skeptisch, ob sich der Markt noch 2002 erholt.

Die Hersteller richten sich vorerst auf magere Zeiten ein. Eckhard Cordes, Nutzfahrzeugvorstand bei Daimler-Chrysler, erwartet, dass der weltgrößte Hersteller schwerer Lkw in Deutschland und Westeuropa mit dem Markt deutlich schrumpfen werde. Da im vorigen Jahr bereits das Geschäft der US-Nutzfahrzeugtochter Freightliner weggebrochen war, schmerzen die Verluste in Europa jetzt umso mehr. In guten Jahren, zuletzt im Jahr 2000, war Daimlers Lkw-Sparte für ein Zehntel des Konzernergebnisses gut. Für die Nummer drei in Europa, MAN Nutzfahrzeuge, ist das Lkw-Geschäft noch wichtiger. Es macht fast die Hälfte des MAN-Konzernumsatzes und der Erträge aus - in guten Zeiten. Der Vorstandschef von MAN Nutzfahrzeuge, Hakan Samuelsson, ist noch skeptischer als Cordes. Er rechnet für sein Unternehmen mit einem Absatzminus von 16 % in Westeuropa. Dies bedeutet für MAN den Verlust von weiteren Marktanteilen.

Die Branche will ungeachtet der Absatzkrise eine verschärfte Rabattschlacht vermeiden. "Aus dem Markt kommen vermehrt Signale, vom Kampf um höhere Marktanteile über Preise Abstand zu nehmen", sagte Gottschalk. Nachlässe zwischen 30 % und 50 % sind in der umkämpften Branche keine Seltenheit. Doch nach Ansicht von Cordes hat der Preisdruck für die Hersteller eine Intensität erreicht, "die nicht mehr hinnehmbar ist". Für Daimler-Chrysler zieht er die Konsequenz: "Wir werden kein weiteres Öl ins Feuer gießen."

Quelle: Handelsblatt

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