Hoffnungschimmer zum Tagesausklang
Europas Börsen schließen schwach

Die europäischen Aktienmärkte haben einen der volatilsten Tage seit Jahren erlebt. Der DJ Stoxx50-Index, der sich zwischen 2305 und 2445 Punkten bewegt hatte, schloss dann bei 2431 Punkten um 0,8 Prozent schwächer als am Vortag.

Reuters LONDON. Das Geschäft war zunächst von kräftigen Kursverlusten geprägt. Es war die Rede von Panikverkäufen auf der einen und einem Käuferstreik auf der anderen Seite. Die meisten europäischen Märkte verzeichneten neue Mehrjahrestiefs. Dramatische Kurseinbrüche erlebten die beiden in der Schweiz gehandelten Aktien von ABB und Zurich Financial Services.

In der letzten Handelsstunde des Europa-Geschäfts zogen dann so etwas wie Hoffnungsschimmer am Horizont auf. Ausgehend von der im Plus liegenden New Yorker Börse fassten auch die europäischen Märkte wieder etwas Tritt, und die Tagesverluste konnten verringert werden. Doch viele Anleger, die an europäischen Börsen investiert haben, leckten noch ihre Wunden. Es wurde an den Börsen sogar der Ruf laut, die Regierungen müssten einschreiten, um etwas gegen den Kursverfall zu unternehmen. Hart getroffen wurden wieder die Versicherungen, bei denen immer wieder Fragen der Eigenmittelausstattung und der Solvabilität aufgebracht werden. Die Liste der Verlierer führten Zurich Financial an, die über 20 Prozent absackten. Axa verloren 11,45 Prozent. Aegon büßten zehn Prozent ein.

LONDON - Die Londoner Aktienbörse setzte die Talfahrt fort und schloss auf dem tiefsten Stand seit sechs Jahren. Die Abwärtstendenz sei von Bankenwerten ausgegangen, hieß es. Der Sektor sei von Sorgen über mögliche negative Auswirkungen in Zusammenhang mit den Bilanzunregelmäßigkeiten bei US-Unternehmen belastet worden. HSBC büßten zwei Prozent ein, Royal Bank of Scotland verloren 2,6 Prozent. Die Titel des Versicherers Royal & Sun Alliance führten die Verliererliste mit einem Minus von über zehn Prozent an. Der Wert sei angesichts der anhaltenden Baisse an den Aktienmärkten von Sorgen über die Solvabilität des Versicherers belastet worden. Große Abgaben verzeichneten auch Kingfisher oder Sainsbury mit Verlusten von acht und 7,4 Prozent.

ZÜRICH - Die Schweizer Aktien schlossen nach sehr volatilem Handel deutlich über den Tiefstständen, aber leichter als tags zuvor. Der Blue Chip-Index SMI gab schließlich noch 0,45 Prozent auf 4607,8 Punkte nach. Die schwer gewichteten Novartis drehten von einem Minus von über drei Prozent ins Plus, nachdem der Pharmakonzern überraschend früh die US-Zulassung des Reizdarm-Medikaments Zelmac/Zelnorm bekannt gegeben hatte. Novartis schlossen um 4,4 Prozent fester. Im Mittelpunkt standen zunächst jedoch ABB, Serono und Adecco, die nach negativ bewerteten Zwischenergebnissen und Geschäftsprognosen zeitweise massiv einbrachen. Auch die Finanzwerte, allen voran die Versicherer, nahmen ihre Talfahrt mit zum Teil dramatischen Kurseinbußen wieder auf.

PARIS - An der Pariser Börse büßte der CAC 40-Index, belastet von starken Einbussen bei Axa und Credit Agricole, 1,51 Prozent auf 3024 Punkte ein. Zeitweise hatte der Index die psychologisch wichtige Marke von 3000 Punkten unterschritten. Axa bauten die Vortagesverluste weiter aus und verloren 11,45 Prozent. Die Titel der Bank Credit Agricole ermäßigten sich um 4,57 Prozent. Die Bank hatte erklärt, es dürfte schwierig werden, das angestrebte Netto-Gewinnwachstum von fünf Prozent für das laufende Geschäftsjahr angesichts der schwachen Verfassung der Aktienmärkte zu erreichen. Kräftige Einbußen erlitten auch Vivendi Universal. Der Wert ermäßigte sich um 6,54 Prozent.

FRANKFURT - Stark anziehende Kurse an der Wall Street zogen nach Händlerangaben den Deutschen Aktienindex (Dax) im späten Handel ins Plus. Nach anfänglichen Verlusten von rund sieben Prozent, notierte das Börsenbarometer über ein Prozent fester bei 3562 Zählern. Die anziehenden US-Börsen seien der alleinige Grund für die Erholung in Deutschland, sagten Händler. Fundamentale Gründe hierfür gebe es nicht. Zuvor waren nach den Worten einiger Börsianer Panikverkäufe verzeichnet worden.

BENELUX - Die Aktienmärkte Belgiens und der Niederlande folgten dem negativen Trend der übrigen Märkte und schlossen deutlich schwächer. Der Amsterdamer AEX-Index büßte 3,71 Prozent auf 318,46 Zähler ein, während der Bel20-Index zwei Prozent auf 2001,59 Punkte verlor. Neben abermals erodierenden Kursen bei Finanz- und Versicherungswerten standen die Titel des Chemiekonzerns AkzoNobel im Fokus der Anleger. Der Wert ermäßigte sich um 9,2 Prozent. Händler verwiesen dabei auf ein am unteren Rand der Erwartungen ausgefallenes Quartalsergebnis sowie auf einen pessimistischeren Ausblick für das laufende Geschäftsjahr.

MAILAND - Trotz einer gewissen Erholung gegen Sitzungsende schloss die Mailänder Börse bei zunehmenden Umsätzen mit einem Minus von rund einem Prozent. Defensive Titel wie der Ölwert Eni waren gesucht und halfen, die Index-Verluste in einen "rabenschwarzen Markt" zu verkleinern. Der Mib30 schloss mit einem Tagesverlust von 0,95 Prozent mit 23.564 Zählern. Der Index war zunächst bis auf 22.698 Zähler gefallen. Bei all dem Auf und Ab werde man richtig seekrank, sagte ein Händler. Eni, die für 16 Prozent des Börsenindex stehen, schlossen fast zwei Prozent fester. Fester waren auch Titel, die im Bereich Öl und Gas aktiv sind.

MADRID - An der Madrider Börse büßte der Ibex 35-Index 2,5 Prozent auf 6004,5 Zähler ein. Im Handelsverlauf hatte der Index die psychologisch wichtigen Marke von 6000 Punkten unterschritten, konnte aber bis zum Schlussgong einen Teil seiner Verluste wieder wettmachen. Laut Händlern waren die Verluste breit gestreut. Indexschwergewicht Telefonica büßte 4,6 Prozent ein. Die Papiere der beiden Bankenschwergewichte BBVA und BSCH verloren rund drei und 1,7 Prozent.

SKANDINAVIEN - Kräftige Einbußen erlitten die skandinavischen Börsen. Der Stoxx Nordic Index sackte um beinahe fünf Prozent auf 212 Zähler ab. Als Belastung erwiesen sich auch hier insbesondere Versicherer. Skandia Forsak verloren mehr als 16 Prozent. Unter anhaltendem Druck standen infolge der Siemens-Mitteilung auch die beiden Technologiewerte Nokia und Ericsson, die sich um rund zwei und acht Prozent ermäßigten.

WIEN - An der Wiener Börse verlor der ATX-Index 4,38 Prozent auf 1116,94 Punkte. Alle Werte mit Ausnahme von Wolford schlossen im Minus. Erste Bank bauten die Vortagesverluste weiter aus und büßten 7,26 Prozent ein. Unter starkem Verkaufsdruck standen auch Verbund, die 4,6 Prozent verloren.

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