Hoffnungsschimmer aus der Industrie
Ost-Konjunktur hinkt dem Westen weiter hinterher

Es sind die kleinen Erfolge, die in Zeiten wie diesen in Brandenburg zählen: 170 Arbeitsplätze haben die Wirtschaftsförderer des Landes jüngst im Städtchen Premnitz gesichert, weil sie zwei Westdeutsche als Investoren für ein Polyesterfaser-Werk gewinnen konnten. Immerhin 270 neue Jobs entstehen in Spremberg - ein österreichisches Unternehmen will dort eine Papier- und Wellpappe-Fabrik bauen.

ost DÜSSELDORF. Das Geschäft der Wirtschaftsförderer läuft überaus zäh: Seit Januar konnten sie 32 Unternehmen für Investitionen in Brandenburg begeistern - das bringt 1 200 neue Jobs. Doch allein im Juni stieg die Zahl der Arbeitslosen in Brandenburg um gut 4 000.

Der Aufschwung Ost, ist ins Stocken geraten. Selbst in der Boom-Region Dresden sieht es derzeit nicht besonders rosig aus: "Die Situation ist alles andere als ermutigend", sagt Jürgen Prescher, Konjunktur-Experte der örtlichen Industrie- und Handelskammer. Im Frühjahr war die Stimmung bei den Unternehmen in der Region so schlecht wie nie zuvor, ergab eine Konjunktur-Umfrage der Kammer. "Anzeichen für eine Besserung können wir derzeit nicht ausmachen", so Prescher.

Im Osten insgesamt dürfte die Arbeitslosigkeit in diesem Jahr den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung erreichen, die Beschäftigung den niedrigsten, erwartet das Münchener Ifo-Institut. Seit 1998 wächst die Wirtschaft in den neuen Ländern langsamer als im Westen. 2001 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Osten um 0,1 %, während es im Westen um 0,6 % zulegte.

Wachstumsschere geht weiter auseinander

"Die Wachstumsschere geht weiter auseinander, der Westen wächst in diesem und im kommenden Jahr schneller als der Osten", sagt Udo Ludwig, Konjunkturforscher des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Das Ifo-Institut prognostiziert den neuen Ländern in diesem Jahr nur ein Wachstum von 0,3 %, während im Westen das BIP um 0,7 % zulegen dürfte. Für 2003 wird im Osten ein BIP-Plus von 2,1 % erwartet, im Westen dagegen 2,3 %.

Aber es gibt Erfolgsgeschichten- wenn auch viel zu wenige. "Die Industrie-Unternehmen haben in der Marktwirtschaft laufen gelernt", sagt Ludwig vom IWH. Zum Beispiel die Aweba Werkzeugbau GmbH im sächsischen Aue. "Unsere aktuelle Geschäftslage ist unverändert gut", berichtet Geschäftsführer Fredo Zichner. "Wir konnten uns von der Gesamtkonjunktur abkoppeln." Im ersten Halbjahr steigerten die Werkzeugbauer ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7 %, "für das zweite Halbjahr rechnen wir mit einem ähnlichen Plus." Ein wichtiger Wettbewerbsvorteil seien die niedrigeren Lohnkosten. Im produzierenden Gewerbe ohne Bau liegen die realen Lohnstückkosten laut Ifo inzwischen 8 % unter dem West-Niveau.

Bau-Industrie leidet unter Überkapazitäten

Auch Erhard Rustler, Chef des Verpackungsmaschinen-Herstellers Theegarten Pactec in Dresden, lobt die Vorteile der neuen Bundesländer: Die gesamten Personalkosten seien 20 % niedriger als im Westen. "Außerdem gehen die Leute hier mit mehr Engagement an die Arbeit." Rustler muss es wissen: 1997 verlagerte die Firma die Produktion von Köln nach Dresden - "ein Schritt, den wir in keinem Punkt bereut haben."

Hauptverantwortlich für die Wachstumsschwäche ist die Bau-Industrie - nach dem Einheitsboom leidet sie seit Jahren unter gewaltigen Überkapazitäten und schrumpft. Zwar werde sich die Talfahrt der Branche in diesem und im kommenden Jahr verlangsamen, meinen die Ökonomen. Allerdings: "Die Talsohle dürfte der Bau erst 2005 erreichen", sagt Ludwig. Bis dahin bleibt die Branche ein Klotz am Bein der ostdeutschen Wirtschaft.

Quelle: Handelsblatt

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