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Hoffnungsschimmer für den Einzelhandel

Die deutschen Einzelhändler haben von Juli auf August einen überraschend deutlichen Umsatzanstieg verbucht. Die Branche habe im August inflationsbereinigt (real) ebenso wie nominal 1,0 Prozent mehr umgesetzt als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch auf Basis vorläufiger Daten mit. Volkswirte sahen darin einen Hoffnungsschimmer für die gebeutelte Branche.

Reuters FRANKFURT. "Die Umsätze zum Vormonat steigen seit zwei Monaten ... das ist eine gute Nachricht für die Wirtschaft", sagte Konjunkturexperte Christoph Hausen von der Commerzbank. Die geringe Inflation von rund einem Prozent sowie Lohnsteigerungen dürften die Verbraucher zum Einkaufen ermuntert haben. Allerdings warnte Hausen vor einer Überinterpretation der oft stark schwankenden Daten.

Im Vergleich zum Vorjahr sanken die Einzelhandelsumsätze im August allerdings den neunten Monat in Folge. Real setzte die Branche den Angaben des Bundesamts zufolge 2,2 Prozent und nominal 2,5 Prozent weniger um als im August 2001. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem realen Rückgang um 2,7 Prozent zum Vorjahr und lediglich einem Plus von 0,4 Prozent zum Juli gerechnet.

Fast alle Sparten des Einzelhandels verzeichneten im August den Statistikern zufolge ein Umsatzminus zum Vorjahr. So setzte der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln - dazu gehören etwa Delikatessgeschäfte - real 6,1 und nominal 5,0 Prozent weniger um. Lebensmittelgeschäfte mit einem breiten Sortiment wie Supermärkte konnten jedoch einen Umsatzzuwachs von real 1,0 und nominal 1,2 Prozent verbuchen. Beim Einzelhandel mit Nicht-Nahrungsmitteln verzeichneten nur der Versandhandel, der Facheinzelhandel mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkten sowie Apotheken ein Plus zum Vorjahresmonat.

Auch wenn die August-Zahlen einen Hoffnungsschimmer bedeuten - den Beweis für eine Wende zum Besseren für den Einzelhandel sehen Volkswirte darin noch nicht. "Gerade die Monatsdaten sind mit Vorsicht zu genießen, die Statistik ist nicht sehr aussagekräftig, deshalb muss man bei der Interpretation vorsichtig sein", warnte Andreas Rees von der HypoVereinsbank. Seiner Ansicht nach wird die hohe Arbeitslosigkeit noch mindestens ein halbes Jahr einen Aufschwung beim Privatkonsum verhindern.

Die jüngste Verbraucherumfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hatte eine Stabilisierung des Konsumklimas in Deutschland signalisiert. Der Ausblick für den Konsum bleibt aber Experten zufolge angesichts der hohen Arbeitslosigkeit, der wirtschaftlichen Unsicherheiten und dem schwelenden Irak-Konflikt unsicher.

Einschließlich Verkäufen an Tankstellen und Kfz-Umsätzen betrug der reale Umsatzanstieg beim Einzelhandel zum Vormonat nach Daten der Bundesbank 1,7 Prozent und das Minus zum Vorjahr rund 1,3 Prozent. Die vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) befragten Einzelhändler erzielten nach HDE-Angaben vom Dienstag nominal drei Prozent weniger Umsatz als ein Jahr zuvor. Das Bundesamt berücksichtigt unter anderem auch Apotheken, während der HDE diese Sparte nicht einbezieht. Der Verband hofft nun auf das Weihnachtsgeschäft. Gleichzeitig betonte der HDE aber, dass damit die Verluste im Gesamtjahr nicht mehr aufgeholt werden könnten. In den ersten acht Monaten dieses Jahres belief sich das Minus dem Bundesamt zufolge auf real 2,9 und nominal 2,4 Prozent.

Auch die größten an der Börse gelisteten Einzelhändler Deutschlands, Metro und Karstadt-Quelle, haben die Zurückhaltung der Verbraucher schon deutlich zu spüren bekommen. Ihre Aktien stürzten in den vergangenen Monaten ab, weil die Konzerne laut Worten von Metro-Chef Hans-Joachim Körber mit der schwierigsten Einzelhandelsumfeld seit dem zweiten Weltkrieg zu kämpfen hatten.

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