Hoffnungsträger für IT-Branche
Computer versteht das gesprochene Wort

Über eins sind sich die Experten einig: Der Markt wartet auf Sprachdialogsysteme. Anruf genügt, schon meldet sich ein Computer, mit dem sich der Anwender in natürlicher Sprache unterhalten kann. Jedes Handy soll auf diese Art und Weise schon bald den ganz einfachen Zugang zum Internet bieten.

DÜSSELDORF. Wenn aus der Vision vom Gespräch mit dem Computer Realität wird, dann sind die geschäftlichen Aussichten gewaltig. Die automatische Erkennung und Verarbeitung des gesprochenen Wortes könnte dem Markt der Informationstechnologie (IT) genau die Impulse geben, die nötig sind, um zu alten zweistelligen Wachstumsraten zurückzukehren. Denn den Kunden könnten Einsparpotenziale in Milliarden-Höhe winken. Die Marktforscher von Forrester Research prognostizieren das weltweite Marktvolumen für Voice-Commerce auf rund 450 Mrd. Euro - und zwar bereits im nächsten Jahr.

"Wer ein Telefon besitzt, wird künftig Sprachportale nutzen", gibt sich Ira Brodsky, President von Datacom Research, überzeugt. Spracherkennungs- und Sprachverarbeitungssysteme sind die Hoffnungsträger der Informations- und Telekombranche. Die Cebit in Hannover widmet diesem Trend einen eigenen Ausstellungsbereich.

Versprochen ist der natürliche Dialog mit der Maschine schon seit Jahren, die Praxis jedoch sieht bis heute immer noch leicht ernüchternd aus. Sprachcomputer können zwar auf Fragen aus einem bestimmten Bereich reagieren, doch den allwissenden Sprachcomputer wird es - darüber sind die Fachleute einig - noch lange nicht geben.

Unterschieden wird derzeit zwischen drei Anwendungsbereichen:

1. Das System kann vorher trainierte Kommandos erkennen.

2. Im interaktiven Dialog kann der Anwender schon Karten bestellen oder eine bestimmte Auskunft erhalten (wie Telefonnummern).

3. Annähernd brauchbare Diktiersysteme werden dagegen wohl noch lange auf sich warten lassen.

Grundlage der Spracherkennung sind Programme, die das gesprochene Wort in einen digitalen Datenstrom umwandeln. Anbieter wie IBM, Philips, Lernout & Hauspie, Nuance oder Speechworks haben die Technologie so weit entwickelt, dass sie in bestimmten Fällen durchaus brauchbar eingesetzt werden kann. Das System von IBM versteht bis zu 25 000 Wörter. Anwendungen, die sich mit Sprachsystemen wirtschaftlicher abwickeln lassen, gibt es auch schon: Fahrplanauskunft, Buchungssysteme, Auftragsbearbeitung oder Call Center.

Doch der Knackpunkt bleibt die Software, die den digitalen (Sprach-)Datenstrom so umwandelt, dass die Anwendung damit etwas anfangen kann. Das ist alles andere als ein triviales Problem, zumal die Anwender mit einer möglichst standardisierten Software arbeiten möchten. Man benötigt also eine Voice Application Platform, eine Software zum einfachen und schnellen Aufbau von sprachgesteuerten Diensten ( Voice Applications).

Entwicklung und Vertrieb einer solchen Software bilden eine typische Spielwiese für Gründerunternehmen, von denen es - angesichts der gigantischen Aussichten - auch in Deutschland eine Reihe gibt: Clarity AG in Bad Homburg, OneBridge AG in Bergisch Gladbach, Mende Speech Solutions GmbH & Co. KG in Bammental, Voice Robots GmbH in Heidelberg oder CreaLog GmbH in München - um nur einige zu nennen. Allein im Katalog der Cebit sind gleich mehrere Dutzend Anbieter verzeichnet.

Christoph Pfeiffer, Vorstand der Clarity AG, beschreibt die Chancen so: "Mehr als 125 000 Menschen sind in deutschen Call-Centern beschäftigt. Diese Mitarbeiter brauchen Büros, einen eigenen PC. Die Kosten sind immens." Von "intelligenten" Sprachdialogsystemen abgewickelte Anfragen stünden dagegen rund um die Uhr zu einem Bruchteil der Kosten zur Verfügung. War die Skepsis gegenüber Sprachdialogsystemen lange Zeit berechtigt, so hat sich in den vergangenen Monaten viel getan.

Karl-Heinz Land, Chef von OneBridge: "Sprachgesteuerte Systeme und Spracherkennungs-Software waren bisher im günstigsten Fall hilfreich, manchmal belustigend, oft jedoch ärgerlich. Dies hat sich gründlich geändert. Durch die Einführung von Standards wie VoiceXML oder Voice-over-IP sind neue Wege in der Entwicklung von Sprachanwendungen möglich." Während Start-Ups wie One-Bridge die Software für die einfache Erstellung von Sprachdiensten entwicklen, wollen auch die IT-Giganten dabei sein. So ist IBM bereits eine Kooperation mit Clarity eingegangen. Und einen Verband gibt es auch schon, der sich auf der Cebit präsentierte: Rund 20 Unternehmen gehören dem Voice Applications Standards Committee an.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%