Hoffungsträger für die Fußball-WM 2006
Rudi Völler: Vom Notstopfen zum Glücksfall

Vom Notstopfen zum Glücksfall: Nachdem Rudi Völler an jenem denkwürdigen 2. Juli 2000 in Köln-Königsdorf wie die Jungfrau zum Kinde an den Posten des DFB-Teamchefs gekommen war und eigentlich nur als Platzhalter des designierten Bundestrainers Christoph Daum herhalten sollte, ist der Weltmeister von 1990 schon längst der deutsche Hoffungsträger für die Fußball-WM 2006 in Deutschland.

sid NEUSS. Zuvor will der 41 Jahre alte Ex-Torjäger von 1860 München, Werder Bremen, AS Rom und Bayer Leverkusen, der durch Daums Kokain-Affäre länger als geplant auf der Kommandobrücke des Flaggschiffes des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) geblieben ist und vergangenen Dezember einen Vertrag bis 2006 beim Verband unterschrieb, mit einer guten Vorstellung bei der WM-Endrunde 2002 in Japan und Südkorea den peinlichen Aufritt der deutschen "Rumpelfüßler" bei der Euro 2000 in Belgien und den Niederlanden vergessen machen.

"Wir wollen guten und attraktiven Fußball spielen", sagt der gebürtige Hanauer, der mit seinem Team erst in den Playoffs gegen die Ukraine (1:1, 4:1) das WM-Ticket für Fernost gesichert hatte. Erst danach hatte "Tante Käthe" in Absprache mit seiner Familie über seine berufliche Zukunft entschieden, schweren Herzens seinen Posten als Sportdirektor bei Bundesligist Bayer Leverkusen aufgegeben und dem DFB sein Ja-Wort bis 2006 gegeben.

"Die Aufgabe macht mir Spaß. Und ich sehe die Möglichkeit, dass bis wir bis 2006 etwas aufbauen können. Nach den Spielen gegen die Ukraine habe ich gespürt, dass hier etwas zusammenwächst. Wir wollen uns wieder an die ganz Großen des Fußball heranpirschen", begründete Völler, der gemeinsam mit seiner "rechten Hand" Michael Skibbe diese große Aufgabe angeht, seinen Entschluss.

"Aus Sicht des DFB ist die Vertragsverlängerung eine schöne Entscheidung, die hoffentlich der Nationalmannschaft einen positiven Impuls gibt", sagte DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder, der Völler bereits im Sommer 2000 als damalige Zwischenlösung ausgeguckt hatte. Auch "Kaiser" Franz Beckenbauer, der 1990 ebenfalls als Teamchef Deutschland in Italien zum WM-Titel geführt hatte, betrachtet seinen damaligen Stürmer als Ideallösung: "Völler und die Nationalmannschaft passen genau so gut zusammen wie Bayern München und Ottmar Hitzfeld", kommentierte der Chef des deutschen WM-Organisationskomitees für 2006 die Vertragsverlängerung.

Und der "kleine Kaiser", wie Völler nach der erfolgreichen WM-Qualifikation schon tituliert wurde, legt auf die Meinung Beckenbauers offenbar großen Wert: "Franz hat mir gesagt, ich wäre noch zu jung, um auf irgendwelchen Manager-Sesseln Platz zu nehmen. Scheinbar hat er mal wieder Recht gehabt." Nachdem Völler und Skibbe der Nationalelf neues Leben eingehaucht hatten und zumindest zwischenzeitlich ein leichter Aufwärtstrend zu erkennen war, hatte die verpasste Direkt-Qualifikation für die WM 2002 zunächst aber auch bei Völler deutlich Spuren hinterlassen.

"Ich hatte aber nie das Gefühl, dass ich mir das nicht antun muss", meinte Völler rückblickend auf die letzten beiden Gruppenspielen gegen England (1:5) und Finnland (0: 0). Das glanzvolle 4:1 gegen die Ukrainer am 14. November im ausverkauften Dortmunder Westfalenstadion, wo der Teamchef mit stehenden Ovationen gefeiert wurde, hatte bei Publikumsliebling Völler aber offensichtlich die Lust auf mehr geweckt und den Ausschlag für seine positive Entscheidung zugunsten des DFB gegeben.

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