Hohe Abbaukosten
Goldaktien leiden unter starkem Rand

Wenn die südafrikanischen Goldproduzenten ihre Erlöse von Dollar in die Landeswährung Rand umtauschen, hat das Edelmetall für sie einen großen Teil seines Glanzes verloren. Der starke Rand verringert Gewinne und Börsenwert der profitverwöhnten Minenbetreiber. Analysten reagieren eher antizyklisch und verbreiten Kauflaune.

KAPSTADT. Der Gegensatz könnte größer nicht sein: Nachdem Südafrikas Goldproduzenten noch vor sechs Monaten märchenhafte Margen und Rekordgewinne verbucht hatten, sind die Unternehmen nun vom wieder erstarkten Rand kalt erwischt worden. Zum ersten Mal seit fast zwei Jahrzehnten fungiert die Lokalwährung nicht als Rückenwind, sondern bläst den Konzernen direkt ins Gesicht. Nach einer deutlichen Aufwertung im vergangenen Jahr hat der Rand im ersten Quartal dieses Jahres weitere 15 % im Vergleich zur US-Valuta hinzugewonnen. Die Folge: Statt knapp 100 000 Rand wie zu Jahresbeginn erhalten Südafrikas Minenfirmen für ein Kilogramm Gold derzeit kaum 80 000 Rand. "Es sieht nicht gut aus", warnt Allan Cooke von HSBC Securities in Johannesburg.

Das Problem der Goldfirmen liegt vor allem darin, dass sie ihre Explorations- und Lohnkosten im nun starken Rand abrechnen, aber ihre Erlöse im gegenwärtig schwachen Dollar verbuchen. Selbst der leichte Anstieg des Goldpreises auf rund 350 $ brachte kaum Erleichterung. Zudem stehen Lohnverhandlungen an; die Kosten dürften also weiter steigen.

Während der Gewinn des weltweit zweitgrößten Goldkonzerns Anglogold im ersten Vierteljahr 2003 im Vergleich zum Vorquartal um 43 % fiel, verzeichnete Durban Roodepoort Deep, die Nummer vier im südafrikanischen Goldsektor, einen Profiteinbruch um fast 90 %. "Wir befinden uns nahe der Schmerzgrenze", klagt Bernard Swanepoel vom drittgrößten südafrikanischen Goldproduzenten Harmony, der einen Gewinnrückgang von 49% verbuchte. Harmony wird in Kürze mit ARM Gold fusionieren. Der daraus entstehende neue Konzern wird mit einer jährlichen Produktion von 4,1 Mill. Unzen zum weltweit fünftgrößten Produzenten des gelben Metalls aufsteigen.

Jetzt haben die Goldkonzerne vom Kap, die noch im letzten Jahr zu den Billigproduzenten gehörten, die weltweit höchsten Abbaukosten pro Unze. Sollte der Randkurs weiter steigen, sind mehr als 10 000 Jobs im Goldbergbau gefährdet. Viele Goldfirmen sind erbost darüber, dass sich die südafrikanische Zentralbank trotz der enormen Zugewinne des Rands noch immer gegen eine Senkung der Leitzinsen sperre - und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Minen unterminiere. Die hohen Zinsen am Kap haben dazu geführt, dass gegenwärtig viel spekulatives Geld nach Südafrika fließt, was dem Rand naturgemäß zugute kommt.

Allerdings beklagen einige Analysten, die Goldfirmen vom Kap hätten sich allzu lange auf den Rekordgewinnen ausgeruht und zu wenig Vorsorge für härtere Zeiten getroffen. Symptomatisch dafür sei die am Kap praktizierte Form der Vorausverkäufe zu einem festen Preis (Hedging). Statt als Absicherung im Krisenfall dient das Hedging der Produzenten nach Ansicht von Brenton Saunders von der Deutschen Bank in Johannesburg eher der Profitmaximierung. In der Tat haben die meisten südafrikanischen Konzerne wie Harmony, Gold Fields oder DRD in der Annahme eines steigenden Goldpreises ihre Terminverkäufe inzwischen fast völlig aufgegeben. Damit sind sie nun ganz unmittelbar an die Auf- und Abschwünge des Goldpreises gekoppelt.

Noch wichtiger ist, dass viele Goldfirmen offenbar nicht mit einem starken Rand gerechnet und deshalb keine Wechselkurssicherung betrieben hätten. Einig sind sich die Analysten bei aller Kritik indes darin, dass die starken Schwankungen des Rands den Firmen eine adäquate Vorausplanung nachhaltig erschweren. Bereits jetzt hat Anglogold wegen der gestiegenen Kosten Investitionen in Höhe von mindestens 250 Mill. Rand gestrichen. Das Unternehmen, das zu 51 % dem Bergbaukonzern Anglo American gehört, erwartet für das nächste Quartal weitere Gewinneinbußen. Jeder Rand-Anstieg um 10 %, so Anglogold, verringere den Profit um 120 Mill. $.

Umso überraschender mutet es auf den ersten Blick an, dass eine Reihe südafrikanischer Analysten Goldaktien vom Kap zum Kauf empfehlen. Die Optimisten sehen das gelbe Metall in einer langfristigen Aufwärtsbewegung und begründen dies mit der unsicheren Weltlage und dem Nachfrageüberhang am Goldmarkt. Allerdings sind auch die Optimisten der Ansicht, dass die Profite der Produzenten im nächsten Quartal zunächst noch einmal schrumpfen könnten - womöglich sogar um weitere 40 %.

Zu den Favoriten zählt bei vielen Anglogold, weil der konservativ agierende Konzern über gewisse Absicherungsmechanismen verfügt. Zum einen verkauft das Unternehmen noch Gold auf Termin; zum anderen liegen inzwischen rund 40 % seiner Goldproduktion jenseits von Südafrika und sind damit weniger vom Rand betroffen.

Alle andere Firmen haben den Großteil ihrer Produktion am Kap, allen voran DRD und ARM Gold. Obwohl die meisten Analysten wie Leon Esterhuizen von Investec Securities kurzfristig Rückschläge erwarten, sehen sie durch den Einbruch der Goldaktien gleichzeitig neue Einstiegsmöglichkeiten. Viel wird dabei von der Entwicklung des Rands abhängen. Seit ihrem Jahreshoch Mitte 2002 haben die meisten Goldtitel mehr als 50 % an Wert verloren. Esterhuizen ist zuversichtlich, dass die Profite und mit ihnen die Kurse der Goldkonzerne spürbar anziehen werden, sobald das spekulativ angelegte Geld aus dem Land fließt - und der Rand sich gegenüber dem Dollar wieder abschwächt. Doch bis dahin sei Vorsicht geboten.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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