Hohe Anlaufkosten treiben die Konsolidierung unter den Fondssupermärkten nach US-Vorbild voran
Der Wettbewerb um Fondsplattformen wird härter

Wie Blei lasten die hohen Investitionskosten auf den noch jungen Fondssupermärkten. Da die Margen ähnlich dünn sind wie im Einzelhandel, überleben nur diejenigen mit großzügigen Kapitalgebern im Rücken. Privatanleger können nur bei wenigen Plattformen direkt vom neuen Vertriebsweg profitieren.

HB FRANKFURT. Wer im Supermarkt einkauft, der achtet neben dem Preis auf die Qualität der Produkte. Das ist im Geschäft mit Investmentfonds nicht anders. Aber, wenn die Börsenkurse abstürzen, gibt es nur wenige Verkaufsargumente für ein Aktienportfolio: Anbieter von Fondsplattformen sind infolge der Börsenbaisse in ihrer bitteren Realität angekommen. Die Hoffnungen mit virtuellen Supermärkten Gewinne zu erzielen, haben sich bisher nicht erfüllt.

"Der Absatzzuwachs ist weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben", sagt Achim Kochsiek, Produktmanager der Fondsservicebank. Der schwache Kapitalmarkt habe dazu geführt, dass weniger neue Depots eröffnet wurden. Stattdessen parkten Anleger ihr Geld zum Beispiel in Geldmarktfonds.

Noch immer hat es der Endkunde schwer, von den Fonds-Marktplätzen im Internet zu profitieren. Mehr als 5000 verschiedene Investmentfonds werden in Deutschland angeboten. Verglichen mit rund 30 000 verschiedenen Artikeln, die ein Supermarkt in der Produktpalette hat, ist das zwar nur ein Bruchteil. Doch der relativ unübersichtliche Wald oft ähnlich klingender, im Detail und der Wertentwicklung aber doch vielfach stark abweichender Produkte, überfordert die meisten Endkunden. Selbst von professionellen Anbietern ist die immense Masse an Produkten kaum zu überblicken.

Fondshandel im Internet

Deshalb haben Banken Plattformen für den Fondshandel im Internet aufgebaut. Dort können Vermittler und Anleger Fonds mehrerer Investmenthäuser in einem Depots verwalten und verwahren. Die meisten Anbieter konzentrieren sich allerdings auf das Geschäft von Fondsgesellschaft zu überwiegend bankunabhängigen Fondsvermittlern (business to business). Privatanleger sind daran nur indirekt betroffen, profitieren Kochsiek zufolge aber von einer besseren Beratung.

Berater in Banken stünden hingegen nach wie vor stets unter Druck, die Produkte der hauseigenenen Fondsgesellschaften zu verkaufen, sagt Kochsiek. "Ist der Markt für alle Fonds geöffnet, dann wird auch die Beratung objektiver."

Ende der 90er Jahre erhöhte sich der Wettbewerbsdruck für die deutschen Banken. Ausländische Anbieter drängten in den Markt. An der bisherigen Wertschöpfungskette, bei der vom Vertrieb bis zum Service alles über die Hausbank abgewickelt wurde, halten bis heute nur die Spar- und Genossenschaftsbanken fest.

Viele Privatbanken organisieren den Fondsvertrieb mittlerweile über Tochterunternehmen. Zu den größten Spielern zählen Partnerworld, Ebase, Frankfurter Fondsbank sowie die Fondsservicebank.

Dass weitere Investoren hinzukommen hält Peter Engel, Managing Director bei der Unternehmensberatung Bearing Point für nahezu ausgeschlossen. "Die Gesellschafter haben keine Lust mehr hohe Investitionen vorzuschießen", meint er. Bei Jahresgebühren von 20 bis 30 pro Depot seien viele Häuser von der Profitabilität noch entfernt. Bearing Point hat berechnet, dass die Gewinnschwelle erst bei 600 000 bis 1 Million Depots erreicht ist.

Erhebliche Wachstumsmöglichkeiten

Trotz der bisher enttäuschenden Geschäftsentwicklung sieht Kochsiek für die nächsten Jahren erhebliche Wachstumsmöglichkeiten: "Für viele Fondsgesellschaften ist die Verwaltung von Depots derzeit ein Zuschussgeschäft. Diese Depots könnten Marktteilnehmer wie die Fondsservicebank künftig übernehmen." Outsorcing sei zukünftig die treibende Kraft beim Aufbau von Supermärkten, vermutet Kochsiek.

Der Asset-Management-Experte Engel bezweifelt, dass sich das Angebot der einzelnen Plattformen in Richtung Privatanleger noch erweitert. "Finger weg vom Endkunden", ist seine Empfehlung an die Plattformbetreiber. Er befürchtet, dass es sonst zum Konflikt zwischen diesen und den freien Beratern kommen könnte. Die Vermittler profitieren über den Ausgabeaufschlag und die Bestandsprovision vom Fondsverkauf. Im schlimmsten Fall könnten sich Endkunden zunächst beraten lassen und anschließend selber einkaufen, um so die Beratergebühr einzusparen.

Davon lässt sich der Fondsanbieter Fidelity nicht beeindrucken. Das Unternehmen wendet sich auch an den Endkunden und ermöglicht Privatanlegern, direkt im Fondssupermarkt "Fundsnetwork" einzukaufen. Die Leiterin dieses Portals, Anke Limbach, schätzt das Kundenpotenzial auf unter zehn Prozent: "Es gibt Investoren, die selbst über ihre Finanzanlagen entscheiden können und möchten - die wollen wir nicht ausschließen."

Ähnlich wie die Finanzdienstleister AWD und MLP sucht Fidelity Profite in einer möglichst frühzeitigen Kundenbindung. "Wer keine Zeit mehr hat, sich selbst um sein Portfolio zu kümmern, kann dieses an unsere Berater abgeben", sagt Limbach. Eine höhere Lebenserwartung und steigende Vermögen seien weitere Gründe für zunehmenden Beratungsbedarf. Fidelity vermutet, dass die Konsolidierung der Fondsplattformen in Deutschland mindestens zwei bis drei Jahre dauert. Und der Wettbewerb ist hart:"In den USA gibt es nach zehn Jahren neben Fidelity nur noch den Anbieter Charles Schwab", sagt Limbach, "Es wird auch in Deutschland ein Marathonlauf."

Einen langen Atem brauchen die Supermarktanbieter ohnehin. Nach Schätzungen der Unternehmensberatung Bearing Point kostet die Entwicklung eines kompletten Fondssupermarktes mindestens fünf bis zehn Millionen . "Das überstehen nur die Anbieter mit einem starken Investor im Rücken", vermutet Engel. Zudem müsse eine längere Durststrecke in Kauf genommen und vom Unternehmen auch akzeptiert werden.

Neue Absatzkanäle erschließen

Ein Investment, das sich rentieren sollte. Und in diesem Punkt war die Fondstochter der Allianz - Dresdner-Gruppe DIT lange skeptisch. Jetzt hat sich die Meinung der Fondsmanager aber geändert. "Wir wollen neue Absatzkanäle erschließen und gründen deshalb bis zum Herbst eine eigene Vertriebsform", sagte ein Sprecher der Bank. Der DIT wird sich wie die anderen Großbanken in Deutschland auf unabhängige Finanzmakler konzentrieren und das Portal zunächst nicht für Privatkunden öffnen.

Union Investment hingegen hält an seiner Strategie fest. Die Volks- und Raiffeisenbanken werden exklusiv mit Fondsprodukten beliefert: "Unser Unternehmen verdient gut, während andere mit ihrer Strategie Verluste machen. Bisher scheint das Volumen für Plattformen mit mehreren Absatzkanälen zu fehlen", heißt es aus der Frankfurter Zentrale. An ein Engagement in einen Fondssupermarkt sei nicht gedacht. Die Sparkassen beharren ebenfalls auf einem Exklusivvertrieb von Produkten der DekaBank.

Angesichts des weiter bestehenden Konsolidierungsbedarfs tauchen immer wieder Gerüchte um eine Fusion von ebase und der Fondsservicebank auf. Diese wurden wiederholt aus den Konzernzentralen bestritten, die nächsten Monate werden entscheiden ob andere Zusammenschlüsse angesichts der hohen Kosten nötig werden. Denn die Gewinnmargen sind nicht nur im realen Supermarkt sehr gering.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%