Hohe außerplanmäßige Abschreibungen
Direktbanken verhalten optimistisch für 2002

Die drei großen deutschen Direktbanken Comdirect, DAB und Consors, zeigen sich für das laufende Geschäftsjahr nur verhalten optimistisch, nachdem sie 2001 gewaltige außerplanmäßige Abschreibungen vor allem auf ihre defizitären Auslandstöchter vornehmen mussten.

vwd MÜNCHEN. Die Consors Discount Broker AG, Nürnberg, will nach dem Gewinneinbruch im Vorjahr zumindest in ihrem Deutschland-Geschäft 2002 wieder die Gewinnschwelle erreichen. Im Gesamtkonzern jedoch rechnet das Finanzistitut "aufgrund der zu erwartenden Verluste der ausländischen Tochtergesellschaften mit einem leicht negativen Ergebnis", wie es in dem am Mittwoch vorgelegten Geschäftsbericht 2001 heißt.

Auch die DAB Bank AG, München, die einen Tag zuvor ihre Bilanz für 2001 vorgelegt hatte, schließt einen Verlust im laufenden Jahr nun nicht mehr aus. Bislang hatte das Münchner Institut stets sein Ziel bekräftigt, nach den im dritten Quartal 2001 eingeleiteten Maßnahmen zur Kostensenkung 2002 wenigstens vor Steuern ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen. Einzig die nach Anzahl der Depots und Kundenvermögen größte deutsche Direktbank, comdirect bank AG, Quickborn, ist zuversichtlich, im laufenden Jahr wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen.

Gemeinsam ist den drei Online-Brokern die Einschätzung der derzeitigen Situation: 2002 werde ein schwieriges Jahr, heißt es übereinstimmend aus den drei Häusern. Mit einer Belebung der Märkte wird erst im zweiten Halbjahr gerechnet und auch dann eher moderat als explosionsartig.

DAB-Vorstandsvorsitzender Matthias Kröner erklärte, die Transaktionszahlen im Januar und Februar hätten "wenig Anlass zum Optimismus" gegeben. Im März sei das Transaktionsvolumen zwar gestiegen, doch lasse dessen Nachhaltigkeit zu wünschen übrig. Dies zeigt nach Einschätzung von Branchenbeobachtern, wie sehr die Direktbanken trotz der im Vorjahr eingeleiteten Kostensenkungen vom Anspringen der Märkte und einer regen Ordertätigkeit ihrer Kunden abhängen.

Nach Einschätzung von Analystin Britta Graf-Tiedtke von Concord Effekten haben die Direktbanken im abgelaufenen Jahr die Marktschwäche genutzt, um ihre Bilanzen hinsichtlich der verlustbringenden Auslandstöchter zu bereinigen. Die DAB hatte allein für ihre französische Tochter Self Trade bekanntlich 100 Mill. Euro außerplanmäßig abgeschrieben. Mehr als 70 Prozent des Vorsteuerverlustes seien durch nicht operative Positionen beeinflusst, hatte die Bank mitgeteilt. Aus dem Italiengeschäft zog sich die DAB ebenso zurück wie die comdirect, die noch dazu ihre Aktivitäten in Frankreich einstellte. Bei comdirect lagen die außerordentlichen Abschreibungen bei rund 182 Mill. Euro. Consors wies Sondereffekte von rund 99 Mill. Euro aus.

Allerdings ist die jeweilige Ausgangslage der einzelnen Direktbanken für den Fall eines Konjunkturaufschwungs verschieden. "Comdirect dürfte das geringste Risiko haben, da sie ihre Beteiligungen in Italien und Frankreich komplett abgeschrieben hat", schätzt Graf-Tiedtke ein. Zudem habe comdirect mit der Einführung von Kurzarbeit das konsequenteste Kostensenkungsprogramm der drei Institute durchgeführt. Sollte der Markt nachhaltig anziehen, würden allerdings DAB und Consors stärker profitieren, da sie mit ihren Auslandsoperationen breiter aufgestellt seien und dadurch stärkeres Wachstumspotenzial böten.

Im Vergleich dazu seien die Personaleinschnitte der DAB nicht so intensiv. Zudem dürften die defizitären Töchter in Spanien, der Schweiz und Großbritannien weiter auf das Gesamtergebnis drücken. Als noch schwieriger schätzt die Analystin die Situation für Consors ein. Zu den Unsicherheiten der Märkte kommen bei Consors als Verlustbringer noch die Investmentbank Consors Capital sowie die Berliner Effekten hinzu. Allerdings zeigte sich Graft-Tiedtke überzeugt, dass nach dem bevorstehenden Verkauf der Mehrheitsanteile der neue Eigentümer über die Zukunft beider Töchter entscheiden wird.

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