Hohe Förderung lässt Nachfrage boomen – Hersteller von Solarzellen kämpfen mit Verlusten
Eitel Sonnenschein für Solarparks

Nach den Windparks entdecken Anleger jetzt die Sonnenenergie. In Deutschland sind bereits mehr als 500 000 Solaranlagen installiert. Doch für die Hersteller lohnt sich das Geschäft erst bei noch größeren Mengen.

DÜSSELDORF. Zum Jahreswechsel geht in Hemau bei Regensburg der weltweit größte Solarpark ans Netz. Auf einem ehemaligen Bunkergelände entsteht ein Sonnenkraftwerk mit einer Spitzenleistung von vier Megawatt. Der aus den rund 32 000 Solarmodulen gewonnene Strom reicht theoretisch aus, um die 4 600 Einwohner des Städtchens mit Energie zu versorgen.

Der neue Solarpark ist ein Beispiel für die boomende Solarbranche. Über 500 000 Solaranlagen zur Gewinnung von Strom und Wärme sind nach Mitteilung der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS) bereits in Deutschland installiert. Damit hat Deutschland die USA überholt und liegt jetzt weltweit auf dem zweiten Platz hinter Japan.

Ermöglicht wird dieser Boom durch massive Subventionen, mit denen die Regierung die umweltfreundliche Energie fördert. Der im Solarpark Hemau erzeugte Strom fließt in das Netz der Eon-Bayern, die dem Betreiber dafür 20 Jahre lang 48 Cent pro Kilowattstunde zahlt. Der Marktpreis beträgt nur drei bis fünf Cent. Zusätzlich erhalten die Betreiber der Solaranlagen zinsgünstige Darlehen von der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Finanziert wird der Solarpark in Hemau durch einen geschlossenen Solarfonds nach dem Vorbild der Parks für Windenergie. 70 % der Mittel fließen aus ERP-Darlehen, den Rest besorgten die Landesbank Schleswig-Holstein und die Deutsche Bank Hamburg bei privaten Anlegern.

UVS-Geschäftsführer Carsten Körnig erwartet in den nächsten Jahren noch viele große Solarparks. "Finanzierer der Windkraftanlagen steigen ein, weil dort nur noch wenige neue Standorte zu vergeben sind", sagt Körnig. Er erwartet, dass der Anteil der Parks von jetzt knapp 10 auf rund 50 % der installierten Leistung in fünf Jahren steigen wird. "Und es wird größere Parks geben." Bisher dominieren Solaranlagen auf privaten Hausdächern, seit die rot-grüne Regierung im Rahmen des 100 000-Dächer-Programms den Bau fördert.

Die hohe Nachfrage hat zahlreiche Hersteller auf den Plan gerufen. Eine Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung zählt inzwischen 32 deutsche Hersteller, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 320 Mill. Euro erzielten. Für das Jahr 2004 erwartet der Autor der Studie, Bernd Hirschl, bereits einen Umsatz von etwa 1,6 Mrd. Euro. Hersteller sind sowohl spezialisierte kleinere Nischenanbieter als auch Großkonzerne, für die der Bereich Solarenergie nur ein Randgebiet ihrer Aktivitäten darstellt.

Besonders die europäischen Ölkonzerne engagieren sich stark in der Solarenergie. Analyst Thorben Geise von der WGZ-Bank sieht als Grund vor allem, dass sie sich den Markteintritt sichern wollen. BP gilt neben dem japanischen Sharp-Konzern als weltweit größter Hersteller von Solarzellen mit einem Marktanteil von 17 %, in Deutschland sogar 25 %. Der Konzern will bis zum Jahr 2007 seine Produktionskapazität auf 300 Megawatt steigern. In Spanien soll eine Fabrik mit einer Kapazität von 60 Megawatt entstehen, in Hameln baut BP eine neue Fabrik mit einer Jahreskapazität von 20 Megawatt. "BP bereitet sich auf die Zeit nach dem Öl vor", schreibt die Hamburgische Landesbank in einer Studie.

Konkurrent Shell strebt bis zum Jahr 2005 einen Weltmarktanteil von 10 % an. 1999 hat Shell in Gelsenkirchen eine Fabrik für Solarzellen mit einer Kapazität von jährlich fünf Millionen Solarzellen und einer Leistung von 10 Megawatt eröffnet. In der Endausbaustufe sind 25 Megawatt vorgesehen. Die Energieerzeuger konzentrieren sich dagegen mehr auf die Windkraft, doch plant RWE auch eine neue Solarfabrik bei Hanau.

Für die Großkonzerne sind die Solaraktivitäten überwiegend noch Verlustgeschäfte. "Sie müssen dabei sein und bessern ihr Image auf", sagt Analyst Geise. Für kleinere Anbieter kann dies problematisch werden. "Die Stückzahlen sind noch zu gering. Die Exportmärkte müssen noch erschlossen werden." Dazu soll eine Exportinitiative der Bundesregierung helfen, die im Januar startet.

Dass die Bäume trotz des Nachfragebooms nicht in den Himmel wachsen, hat der Hersteller Solar-Fabrik leidvoll erfahren. Das im Juli zu einem Ausgabekurs von 8 Euro an den Geregelten Markt gegangene Freiburger Unternehmen erwartet jetzt für 2002 einen Verlust, der Aktienkurs ist unter 2 Euro gefallen.

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