Hohe Investitionen in neue Technologien und Kapazitäten
Siemens will Ericsson und Motorola überholen

Der Siemens-Konzern plant, seine Position sowohl im Mobilfunk als auch in der Festnetz-Telekommunikation zu stärken. Mit neuen Werken und einer Expansion vor allem in Amerika und Asien soll die Position ausgebaut werden. An den Chiphersteller Intel ging ein Auftrag im Umfang von zwei Milliarden Dollar.

gil SEVILLA. Der Münchener Siemens-Konzern will seinen Bereich Information und Kommunikation weltweit ausbauen und in allen Arbeitsgebieten zur Spitzengruppe gehören. Dazu werden die Kapazitäten weltweit ausgebaut.

So hat der Bereich Netzwerke bereits rund 100 Mill. DM in ein neues Werk im badischen Bruchsal investiert. Damit erhöht Siemens seine Fertigungskapazitäten für die Breitband-Zugangstechnologie DSL. Siemens ist mit rund 50 % Anteil der Hauptlieferant der Deutschen Telekom, die DSL stark forciert. Die Nachfrage nach Breitband-Anschlüssen ist inzwischen so stark, dass die Industrie zwischenzeitlich nicht genügend Zugangstechnik zur Verfügung stellen konnte.

"Siemens will durch das neue Werk seine Produktion auf 2,5 Millionen DSL-Anschlüsse pro Jahr verzwanzigfachen", sagte der zuständige Vorstand Roland Koch auf einer Veranstaltung in Sevilla. Siemens errechnet für sich einen Weltmarktanteil von 4 %; Marktführer ist Alcatel mit 18 % Anteil. Einen neuen Kunden für seine DSL-Technik hat Siemens gerade im Telekomanbieter Colt gefunden.

Der seit einigen Monaten stark unter Beobachtung stehende Bereich Mobilfunk will sein Ziel, zu den weltweit drei größten Anbietern zu gehören, durch ein Lieferabkommen mit Intel absichern. Wie der zuständige Vorstand Rudi Lamprecht in Sevilla bekanntgab, wird der weltweit größte Chiphersteller in den nächsten drei Jahren Speicherbausteine für mobile Endgeräte im Wert von 2 Mrd. $ an Siemens liefern.

Regional steht beim Siemens-Bereich Information und Kommunikation in nächster Zeit die Expansion in Amerika und Asien im Vordergrund. In den USA und in Lateinamerika erhofft sich Siemens im Mobilfunk stärkeres Wachstum, da dort der in Europa dominierende Mobilfunkstandard GSM eingeführt wird. "Drei Telefongesellschaften unterstützen bereits GSM in den USA, darunter seit kurzem AT&T", sagte Lamprecht. "Wir haben in den USA aber noch Nachholbedarf."

Zunächst müsse in den USA die Infrastruktur für GSM aufgebaut werden, dann könne Siemens dort auch Handys verkaufen. Mit dem US-Mobilfunkanbieter Cingular Wireless hat Siemens bereits eine Zusammenarbeit vereinbart. Der US-Anbieter mit 19 Mill. Kunden wird das Siemens-Handy S40 in USA anbieten.

Auch Asien gilt als Wachstumsmarkt, vor allem im Mobilfunk. Die Siemens-Zahlen illustrieren das. So steht Deutschland mit einem Anteil von 30 % für Siemens zwar immer noch an der Spitze der Mobilfunkumsätze, doch gleich danach folgt in China mit einem Umsatzanteil von schon 25 %. In Schanghai hat der Konzern ein Handy-Werk aufgebaut, die pro Jahr zehn Millionen Geräte nicht nur für Asien bauen kann.

Wie die großen Konkurrenten Nokia, Ericsson und Motorola stellt sich Siemens auf ein etwas schwächeres Wachstum des Handymarktes in der nächsten Zeit ein. Eigentlich wollte Siemens 48 Mill. Handys verkaufen, jetzt werden keine Zahlen mehr genannt. Ziel bleibe es, das Geschäft jeweils im Vergleich zum Quartal des Vorjahres zu verdoppeln. Von Oktober bis Dezember 2000 hat Siemens 9,3 Mill. Handys verkauft. "Wir wollen stärker als der Markt wachsen und unter die größten drei Anbieter vorstoßen", sagte Lamprecht. Zur Zeit liegt Siemens weltweit nach Nokia, Motorola und Ericsson noch auf Rang vier, doch verlieren Motorola und Ericsson Marktanteile.

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