Hohe Investitionen nötig
Iraks Ölquellen werden noch lange nicht sprudeln

Die möglichen Öleinnahmen des Irak spielen eine Schlüsselrolle, wenn über die Kosten für den Wiederaufbau des Landes gesprochen wird. Zeitweise wurden aus der US-Regierung Überlegungen bekannt, nach denen sich die Kriegsfolgen überwiegend oder sogar vollständig aus dem Ölreichtum des Irak finanzieren ließen. Diese Idee halten die meisten Ölexperten für eine Illusion.

HB/dpa HAMBURG. Mit 15,1 Mrd. Tonnen verfügt der Irak zwar über die drittgrößten Ölreserven der Welt nach Saudi-Arabien und Kanada, doch war sein Beitrag zur weltweiten Ölversorgung in den vergangenen Jahren bescheiden. Unter den Bedingungen des Embargos durfte der Irak nur begrenzt Öl ausführen und konnte keine Investitionen in die Anlagen mehr vornehmen. Zuletzt produzierte das Land mit maroder Fördertechnik gut zwei Mill. Barrel pro Tag (bpd), etwa halb so viel wie vor zwölf Jahren. Selbst diese Förderleistung ist kurzfristig nicht mehr erreichbar.

"Das Land wird mindestens fünf Jahre brauchen, um wieder die gleiche Menge Öl zu fördern wie vor der Invasion Kuwaits", sagt Klaus Matthies vom Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA). Um dieses Ziel zu erreichen, müssten gewaltige Mittel in den Aufbau der Industrie gesteckt werden. "Vor dem Hintergrund riesiger Reserven ist der Irak das am wenigsten explorierte Ölland im Nahen Osten", schreibt der Hamburger Energie-Informationsdienst EID. Die Schätzungen für das notwendige Investitionsvolumen variieren und reichen von 30 bis 90 Mrd. $ in den kommenden Jahren, je nachdem, wie schnell und wie weit die Ölproduktion ausgebaut werden soll. "Es wird auf jeden Fall sehr teuer", sagt Matthies.

Zudem ist völlig offen, wer diese Mittel aufbringen soll. UNO - Generalsekretär Kofi Annan hat noch einen Topf mit 14 Mrd. Dollar aus Ölverkäufen des Irak, die für humanitäre Aufgaben vorgesehen sind. Das Land ist mit mehr als 100 Mrd. Dollar verschuldet. Hilfszahlungen der Industrieländer sollen in andere Infrastruktur-Investitionen fließen, so wie Straßen, Schulen, Krankenhäuser und Häfen. "Die einzigen, die investieren könnten, sind die internationalen Ölkonzerne", sagt ein Sprecher von ExxonMobil.

Um diese gewaltige Aufgabe zu stemmen, müssten selbst Ölmultis einen Teil der Ausgaben über Kredite finanzieren. Zum Vergleich: Um die Ölvorkommen im Tschad zu entwickeln, investiert ein Konsortium 20 Mrd. Dollar - über einen Zeitraum von 20 Jahren. Im Irak sind nach Quellen der Internationalen Energie-Agentur (IEA) bislang 27 internationale Ölkonzerne aktiv, darunter keine aus den USA. Neue Investitionsmittel werden die Unternehmen erst bereitstellen, wenn sich die Zukunft des Landes klarer abzeichnet.

Ohne ein günstiges Investitionsklima, klare rechtliche Rahmenbedingungen und ein besseres Transportnetz wird die irakische Ölindustrie nicht auf die Beine kommen. Vor diesem Hintergrund sieht HWWA-Experte Matthies noch keine Anzeichen, dass irakisches Öl in absehbarer Zeit die Weltmärkte überschwemmen und damit den Preis kräftig drücken könnte. "Dieses Szenario wird allenfalls zum Ende des Jahrzehnts eine Rolle spielen."

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