Hohe Kosten des Börsengangs
Analysten rechnen mit T-Online-Verlust im Halbjahr

rtr FRANKFURT. Deutschlands führender Internet-Anbieter T-Online hat nach Einschätzung von Analysten im ersten Geschäftshalbjahr 2000 einen Verlust erwirtschaftet. Als Grund für den erwarteten Rutsch in die roten Zahlen nannten von Reuters befragte Analysten am Mittwoch Anlaufverluste, die sich aus den Kosten für den Börsengang, Marketingaufwendungen und Abschreibungen für den Kauf des französischen Online-Anbieters Club Internet zusammensetzten.

T-Online wird am Donnerstag seine Halbjahreszahlen veröffentlichen. Am vergangenen Freitag war überraschend Vorstandschef Keuntje zurückgetreten, was Branchenkreise auf mögliche Unstimmigkeiten mit Telekom-Konzern-Chef Ron Sommer zurückführten. In unternehmensnahen Kreisen hieß es, es gebe nach dem Rückritt Unruhe im Unternehmen. Die Handlungsfähigkeit sei aber nicht gefährdet. Von T-Online wird seit längerem erwartet, dass das bislang stark auf die deutschsprachigen Länder konzentrierte Unternehmen internationale Partner findet.

Der Umsatz von T-Online nahm im Halbjahr um 59 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 325 Mill. Euro zu, wie die Deutsche Telekom bereits am Dienstag auf der Halbjahres-Pressekonferenz mitgeteilt hatte. Der Umsatzzuwachs geht früheren Angaben auch auf die Vollkonsolidierung von Club Internet zurück. Ralf Hallmann, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin, rechnet mit einem Ebitda von 29,2 Mill. Euro. Das Ergebnis des gewöhnlichen Geschäfts sieht der Analyst bei minus 131 Mill. Euro und den Nettoverlust bei 251 Mill. Euro. Hallmann verwies auf hohe Marketingkosten der französischen Tochter, da Club Internet als Nicht-Marktführer in Frankreich aggressiver als T-Online in Deutschland um Kunden werben müsse.

Stephan Droxner, Anaylst bei der Landesbank Baden-Württemberg, geht vor Goodwill-Abschreibungen auf den Kaufpreis für Club Internet von einem "mehr oder weniger ausgeglichenen" Vorsteuerergebnis (Ebit) aus. Als interessant schätzt der Analyst vor allem den Umsatz mit Werbung und E-Commerce ein, den er bei rund 30 Mill. Euro (plus 80 % gegenüber dem Vorjahr) erwartet. Das derzeit noch deutlich umsatzträchtigere Geschäft mit den Zugangsentgelten ist Droxner zufolge eher von geringem Interesse, da die Zugangsentgelte langfristig gegen Null tendierten. Der Analyst sieht die Entgelte bei 170 bis 180 Mill. Euro, was einem Zuwachs von 20 bis 30 % entspreche.

Analyst: Auch für Geschäftsjahr 2001 keine Besserung in Sicht

Nils Machemehl, Analyst bei der Vereins und Westbank - in Hamburg, erwartet ebenfalls einen Verlust bei T-Online. Auch im Gesamtgeschäftsjahr sei nicht mit einem operativen Gewinn zu rechnen, sagte der Analyst voraus. Selbst für das Geschäftsjahr 2001 sei keine Besserung in Sicht, da die Anlaufverluste weiter anhielten.

Im ersten Quartal 2000 hatte der mit sechs Mill. Online-Kunden größte europäische Internet-Anbieter einen Vorsteuergewinn (Ebitda) von 5,8 Mill. Euro erzielt. Darin waren die Kosten für den Börsengang noch nicht enthalten. Nach Steuern hatte T-Online aufgrund einer teilweisen Berücksichtigung der Emissionskosten einen Verlust von 21,7 Mill. Euro erzielt. Der Umsatz hatte sich im ersten Quartal auf 173,8 Mill. Euro belaufen.

Die Deutsche Telekom ist mit 82,7 % Mehrheitsaktionär bei T-Online. Im Streubesitz sind knapp zehn Prozent, die französische Industriegruppe Lagardere hält rund sechs Prozent. Die Comdirect ist mit rund zwei Prozent beteiligt, T-Online hält seinerseits rund 21 % an der Commerzbank-Tochter Comdirect.

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