Hohe Lebensmittelpreise werden sich auf Dauer wohl kaum halten können
Handel hofft auf Märkte im Osten

Europas Einzelhandelskonzerne profitierten im vergangenen Jahr von den gestiegenen Lebensmittelpreisen. Bis auf den niederländischen Ahold-Konzern konnten alle ihre Gewinne um mindestens zehn Prozent steigern. Das laufende Jahr wird härter - gute Chancen hat, wer auf organisches Wachstum setzt.

Lebensmittel sind teuer geworden in Europa. Mitte des vergangenen Jahres stiegen die Preise. Der Grund: Wegen der Maul- und Klauenseuche und des Rinderwahnsinns BSE hatten die europäischen Länder strenge Sicherheitsbestimmungen für den Export von Lebensmitteln eingeführt. In diesem Jahr kam dann die Einführung des Euros hinzu - der Preisanstieg setzte sich fort.

Von der Inflation bei Lebensmittelpreisen von rund 7 % profitierten praktisch alle Händler. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney. Die Gewinne der europäischen Einzelhandelskonzerne Carrefour SA, Ralley SA, Metro AG, Tesco Plc. und J. Sainsbury?s Plc. stiegen im vergangenen Jahr um 10 bis 15 %. Nur die niederländische Royal Ahold NV konnte bei dem Tempo nicht mithalten und erwirtschaftete 2001 gleich bleibende Gewinne.

Wie ein Einzelhändler sich entwickelt, hängt sowohl von seiner geographischen Lage als auch vom Verhältnis von Lebensmitteln zu anderen Produkten im Angebot ab. So führte das geringe Verbrauchervertrauen in Deutschland und Frankreich dazu, dass die Kunden weniger Elektronik, Kleidung und Küchenutensilien kauften. Das traf besonders die großen Einkaufszentren. In Frankreich und Spanien litten die Ketten zusätzlich unter neuen Gesetzen, die es verbieten, Märkte mit einer Ladenfläche von mehr als 2 500 Quadratmetern zu betreiben.

Das Hauptwachstum für die Konzerne kam denn auch aus dem Ausland: Der französischen Carrefour etwa half das starke Wachstum in Osteuropa, den Gewinn 2001 im Vergleich zum Vorjahr um 15 % auf 1,21 Mrd. Euro zu steigern. Auch der deutschen Metro gereichte der osteuropäische Markt zu einem Gewinnplus von 11,7 % auf 401 Mill. Euro.

Tescos 14,1-prozentiger Zuwachs auf 1,8 Mrd. Euro war getragen vom 35-Prozent-Anstieg der Verkäufe in Osteuropa und Asien. Jaime Vazquez, Analyst bei Schroder Salomon, ist der Meinung, die Auslandsmärkte seien eine gute Wachstumsquelle für Tescos Zukunft. Statt die Verkaufsfläche mit Hilfe von Zukäufen zu vergrößern - wie die Rivalen Carrefour mit dem Kauf von Promodes und Ahold mit der Übernahme von Alliant -, expandiert Tesco schrittweise durch die Eröffnung neuer Läden. "Tesco ist in Korea und Thailand drei Jahre später eingestiegen als Carrefour", sagt Vazquez. "Aber sie sind in Thailand dreimal größer und auch in Korea an Carrefour vorbeigezogen."

Die Expansion nach Übersee gelingt nicht jedem. Aholds Gewinne blieben auf Vorjahresniveau bei 1,11 Mrd. Euro, weil der Konzern unter anderem in Argentinien vertreten ist und deshalb durch die Entwertung des Pesos schwer getroffen wurde.

Schroder Salomon erwartet, dass das laufende Jahr für die Einzelhändler härter wird als 2002. Die Preise werden europaweit wieder fallen. Das dürfte die Profite der Einzelhändler schmälern, so dass die meisten 2002 weniger stark wachsen werden. Die Händler, die auf schnelle, effiziente interne Expansion setzten, würden von diesen Marktbedingungen profitieren, sagt Analyst Vazquez. "Organisches Wachstum ist eine gute Langfriststrategie", sagte er. "Tesco ist der Konzern, auf den man achten sollte."

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