Hohe Manager-Gehälter sorgen für Ärger
Abzocker und Neidhammel

Manchmal verdienen deutsche Spitzenmanager überhaupt nicht so viel. Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke zum Beispiel kommt im Jahr auf ein Grundgehalt von 1,25 Millionen Euro, das er im besten Fall verdoppeln kann. Viel Geld - aber viel weniger, als die meisten Telekom-Kleinaktionäre und sonstigen Normalverdiener heutzutage vermuten.

HB/dpa BERLIN. Schuld daran sind die Vorstandsvorsitzenden selbst. Die Herren aus den deutschen Chef-Etagen neigen immer noch zu arger Geheimniskrämerei, wenn es um das eigene Gehalt geht. Das lässt Platz für alle möglichen Spekulationen.

Wie hoch die Einkommen der Bosse wirklich sind, lässt sich nur schwer ermitteln. Zwar weisen mittlerweile alle 30 Dax-Unternehmen in ihren Geschäftsberichten mehr oder weniger verständlich die Gesamtbezüge ihrer Vorstände aus. Aber nur sechs (Altana, Bayer, Deutsche Bank, Deutsche Börse, SAP und ThyssenKrupp) verraten, wie viel jeder Manager genau verdient. Drei weitere nennen immerhin das Salär des Vorstandschefs. Top-Verdiener ist demnach der Spitzenmann der Deutschen Bank, Josef Ackermann, mit 6,95 Millionen Euro.

Auf den derzeit laufenden Hauptversammlungen hagelt es wegen der Heimlichtuerei um die Gehälter Kritik wie noch nie. So lange die Börsenkurse in Ordnung waren, waren die Miteigentümer an der Basis noch gnädig gestimmt. Aber seit dem Niedergang von Kursen und Konjunktur stößt die vermutete Zugewinn-Mentalität im Management übel auf. Nicht nur Daimler Chrysler-Boss Jürgen Schrempp (geschätztes Gehalt: 5,6 Millionen Euro) musste sich von Kleinaktionären als "Abzocker" beschimpfen lassen.

Viele Vorstände sehen sich deshalb als Opfer einer Neidkampagne. "Das in Deutschland am weitesten verbreitete Haustier ist mitnichten der Deutsche Schäferhund, sondern der kleine gelbe Nörgler und der grüne Neidhammel", entgegnete der bisherige BASF-Vize Max Dietrich Kley den Kritikern. Als Rechtfertigung für die Diskretion in eigener Sache werden gern auch die Verschwiegenheit der anderen sowie die Sorge vor einer Entführung genannt.

Aber der turbulente Verlauf einiger Aktionärstreffen hat zumindest dafür gesorgt, dass das Problem nun auch ganz oben bekannt ist. "Kritik entsteht immer dann, wenn Aktionäre meinen, dass die Leistung des Vorstands und seine Vergütung nicht deckungsgleich sind", weiß der ehemalige Vorstandschef von ThyssenKrupp, Gerhard Cromme. Erst am Wochenende rügte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, "Raffgier" bei einigen Topmanagern deutscher Unternehmen. Er räumte ein, dass die Gehälter für Spitzenmanager einiger Konzerne im abgelaufenen Geschäftsjahr teils trotz drastischer Gewinneinbrüche oder sogar Verluste gestiegen seien. Und auch bei einigen amtierenden Spitzenmanagern ist die Einsicht gereift, dass es so nicht weiter gehen kann.

Die nächste Gelegenheit für eine Änderung bietet sich am Mittwoch, wenn sich unter Crommes Vorsitz erstmals nach langer Pause wieder die Regierungskommission zur Unternehmensführung und-kontrolle (Corporate Governance) zusammensetzt. Die Expertenrunde will prüfen, ob die bislang recht lockeren Vorschriften zur Offenlegung der Bezüge verschärft werden. "Gehaltsfragen werden in Deutschland bislang als Persönlichkeitsrecht angesehen", sagt Cromme. "Doch wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass dieser Zug abgefahren ist."

Zumal die rot-grüne Bundesregierung massiv Druck macht. Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) droht damit, die Offenlegung notfalls per Gesetz zu erzwingen. "Es ist nicht in Ordnung, wenn Manager unverhältnismäßig viel verdienen, während ihrer Aktionäre Geld verlieren." In Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden gibt es solche gesetzlichen Regelungen bereits.

Erwartet wird, dass sich die Cromme-Kommission darauf verständigt, aus der unverbindlichen "Anregung", die Manager-Gehälter individuell auszuweisen, eine "Empfehlung" zu machen. Wer sich nicht daran hält, muss sich erklären. Aber mehr als eine freiwillige Selbstverpflichtung ist auch das dann nicht. Wenn die Spitzenmanager nicht wollen, sind ihre Gehaltslisten also weiterhin tabu. Und alle Spekulationen erlaubt.

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