Hohe Marktkapitalisierung garantiert keineswegs steigende Kurse
Größe allein zählt an der Börse nichts

Ein hoher Börsenwert suggeriert Solidität. Deshalb sind Börsenwert-Ranglisten bei Anlegern beliebt. Doch eine hohe Marktkapitalisierung ist längst keine Garantie für gute Renditen. Experten warnen besonders vor Aktien, die schnell ins Rampenlicht rücken. Der Absturz kann ebenso plötzlich erfolgen. Cisco, Vodafone und Nokia haben es gezeigt.

FRANKFURT/M. Wo ist Cisco? Diese Frage stellt sich beim Blick auf die aktuelle Liste der Firmen mit dem weltweit höchsten Börsenwert. Vor gar nicht allzu langer Zeit kämpfte der kalifornische Technologiekonzern mit General Electric und Microsoft um den Spitzenrang. Ein paar Tage lang war Cisco sogar das wertvollste Unternehmen der Welt.

Heute ist der Netzwerk-Ausrüster auf Platz 23 der Weltliste zurückgefallen. Anleger, die Cisco-Aktien auf der Spitze des Hightech-Booms erwarben, haben ihren Kauf bitter bereut. Und Cisco ist kein Einzelfall: "Wenn ein Unternehmen schnell wächst und plötzlich im Fokus der Öffentlichkeit steht, dann ist der Aktienkurs oft schon sehr weit gelaufen", sagt Fondsmanager Thomas Meier, der bei Union Investment den 2,5 Mrd. Euro schweren Uni-Global-Fonds verwaltet. Die Gefahr eines Rückschlags sei dann hoch.

So geschehen bei Vodafone: Vor zwei Jahren war der Weltmarktführer im Mobilfunk noch europäischer Spitzenreiter beim Börsenwert, heute rangiert er nur auf Rang sieben. Der finnische Handyriese Nokia - vor zwei Jahren Europas Nummer zwei - taucht in der aktuellen Top-Ten-Liste gar nicht mehr auf.

Börsen-Schwergewichte schwanken oft

Eine Top-Platzierung in den viel beachteten Börsenwert-Ranglisten garantiert also keineswegs Solidität und stabile Erträge. Auf sehr kurze Sicht gilt sogar oft das Gegenteil, sagt Anlagestratege Rolf Elgeti von der Commerzbank: "Wenn der Markt fällt, verkaufen Anlageprofis zuerst die großen, liquiden Titel", so Elgeti, "umgekehrt ordern kurzfristig orientierte Trader zuerst große Aktien, wenn die Börse steigt". Folge: Die Kurse vieler Börsenschwergewichte schwanken im Tagesverlauf stärker als der Gesamtmarkt.

Die größten Kurskapriolen schlagen die Hightech-Aktien unter den Börsengiganten. Doch Vorsicht ist auch bei Riesen aus Traditionsbranchen geboten, sagt Anlagestratege James Montier von Dresdner Kleinwort Wasserstein: "In aller Regel stehen die Unternehmen mit dem höchsten Börsenwert unter einem enormen Erwartungsdruck." Meist handele es sich um Marktführer ihrer Branchen mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten - eigentlich das, wovon Anleger träumen. "Das Problem ist, dass die Analysten das Wachstum in die Zukunft fortschreiben und die Investoren jedes Jahr höhere Erträge sehen wollen", sagt Montier. Wenn dann irgendwann etwas schief läuft, ist die Enttäuschung groß.

Kein Wachstum auf ewig

Diese Gefahr sieht Union-Fondsmanager Meier aktuell beim Mischkonzern General Electric (GE) - die unangefochtene Nummer Eins unter den Börsengiganten. "GE hat über Jahre eine unglaubliche Performance geliefert, aber es scheint fraglich, ob GE ewig im gewohnten Tempo weiter wachsen kann", sagt Meier. Offenbar werden immer mehr Investoren nervös: Der GE-Aktienkurs ist seit Anfang März um 25 % gefallen. Kritisch sieht Union-Experte Meier auch den weltgrößten Handelskonzern Wal-Mart, der auf der Börsenwert-Weltliste auf Rang vier liegt. "Wal-Mart ist ein fantastisches Unternehmen, aber die hohen Erwartungen, die der aktuelle Aktienkurs widerspiegelt, sind schwer zu erfüllen", sagt er.

Fondsmanager, die ihren Anlageerfolg quartalsweise messen, können trotz aller Risiken nicht auf die Börsengiganten verzichten. Zu wichtig ist deren Einfluss auf ihre Messlatte - die großen Aktienindizes. Doch für geduldige Privatanleger mit einem Horizont von mehr als zwei Jahren hat Dresdner-Stratege Montier einen Tipp: Warum nicht mal auf kleinere Unternehmen aus der zweiten Reihe setzen? "Die haben oft ein ebenso stabiles Geschäft und sind viel günstiger bewertet", sagt Montier.

So bietet sich etwa im M-Dax die breit aufgestellte Maschinenbau-Holding Indus als Mini-Alternative zu GE an. Im Einzelhandel kann man statt in Wal-Mart auch in Douglas investieren. Diese Firmen sind zwar nicht die Lieblinge der Finanzelite. "Aber was im Verborgenen wächst, ist oft werthaltiger als die Top-Aktien im Rampenlicht", sagt Union-Mann Meier.

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