Hohe Mittelzuflüsse bei ethisch-ökologischen Fonds
Anleger entdecken ethische Investments

Die Wahl eines Investments treffen die meisten Anleger weiterhin kühl nach Rentabilität und Sicherheit. Doch immer wichtiger wird für deutsche Privatanleger ein weiterer Aspekt: Inwieweit genügt die Anlage ethischen Grundsätzen?

HB FRANKFURT. Noch sind ethische Investments in Deutschland ein Nischenmarkt, hohe Wachstumsraten zeigen aber, dass deren Bedeutung deutlich steigen wird. Besonders beliebt sind ethisch-ökologische Fonds. In Deutschland gibt es bereits 65 Ethik-Fonds, die in Renten oder Aktien investieren. Abstriche bei den Renditen müssen Ethik-Anleger dabei nicht machen.

Eine fixe Definition für ethische Investments gibt es nicht. Anleger, Fonds- und Index-Anbieter entscheiden individuell, welche Merkmale Unternehmen vorweisen müssen, um "ethisch korrekt" zu sein. Religiöse Gesichtspunkte, etwa Rüstungsfirmen zu meiden, sind ein häufiges Ausschlusskriterium. Andere Investoren legen Wert auf ökologische Verantwortlichkeit der Unternehmen. Eine dritte Gruppe sortiert nach sozialen Kriterien und erwirbt nur Anteile an Firmen, die beispielsweise als besonders arbeitnehmerfreundlich gelten.

Der Marktanteil ethischer Investments liegt in Deutschland derzeit noch bei relativ unbedeutenden 0,79 %. Das entspricht einer Summe von etwa 2,5 Mrd. Das enorme Wachstumspotenzial wird aber deutlich, vergleicht man den heutigen Stand mit dem von 1998, als nur 306 Mill. ethisch investiert waren. Die Wachstumsraten werden nach einer Studie des Deutschen Aktieninstituts (DAI) hoch bleiben. "Es ist von einem weltweiten Wachstum von jährlich 30 bis 40 % auszugehen", sagt Rüdiger von Rosen, Vorstand des DAI.

In Deutschland war die Zuwachsrate des Volumens ethisch-ökologischer Fonds 2001 sogar deutlich größer. "Das Volumen nahm vergangenes Jahr um 60 % zu", sagt Andrea Ferch, Leiterin Produktmanagement bei SEB Invest. SEB hatte 1989 den ersten deutschen Ethik-Fonds aufgelegt. "Der Mittelzuwachs ist umso bemerkenswerter, als die Mehrzahl der Fonds im vergangenen Jahr Mittelabflüsse verzeichnete", sagt Ferch und rechnet für Deutschland weiter mit überdurchschnittlichen Zuwachsraten.

Nachfrage steigt

In den USA, wo 1928 der erste Ethik-Fonds auf den Markt kam und ethische Investments in den 60er Jahren einen Boom erlebten, sind heute rund 10 % des Anlagevolumens nach ethischen Kriterien investiert. Spitzenreiter in der Europäischen Union ist Großbritannien vor Frankreich. Erst an vorletzter Stelle kommt Deutschland. Eine Marktanalyse der imug investment research unter Privatanlegern ergab aber, dass knapp die Hälfte der Anleger gewillt ist, künftige Anlageentscheidungen auch nach ethischen Kriterien zu fällen. Die Befragten beklagten jedoch häufig mangelnde Information der Banken über ethische Investments. Auch daher liege der Marktanteil noch unter einem Prozent, obwohl seitens der Kunden großes Interesse bestehe.

Eine Umfrage unter Banken und institutionellen Anlegern deutet auf bessere Information in der Zukunft hin: Die befragten Institute wollen dem Wunsch der Kunden Rechnung tragen und vermehrt auf ethische Investments hinweisen. Das liegt

auch in ihrem Interesse: Die Hälfte der Kunden, denen ethische Investmentprodukte angeboten werden, investieren dann auch in sie, ergab die imug-Befragung. Experten halten auch daher einen Anstieg des Marktanteils ethischer Investments in Deutschland in den nächsten 10 Jahren auf bis zu 5 % für realistisch.

Über die Rentabilität ethischer Investments informieren mittlerweile auch etliche Indizes. Der erste globale Ethik-Index war der Dow Jones Sustainability (DJSI) World-Index, der im September 1999 aufgelegt wurde. Er beinhaltet nach dem "best in class"-Ansatz diejenigen der führenden Unternehmen jeder Industriegruppe, die auch ökologischen und sozialen Kriterien genügen. Die Rendite ethischer Investments muss sich nicht hinter der konventioneller Anlage verstecken: Seit seiner Auflage hat der DJSI World-Index zwar minimal schwächer abgeschnitten als der MSCI World-Index. In den vergangenen zwölf Monaten hatte der DJSI World aber die Nase knapp vorne.

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