Hohe Modellinvestitionen
VW ist gut gerüstet für schlechtere Zeiten

Im VW-Konzern kursiert eine hübsche Charakterisierung Ferdinand Piëchs: Manager bauten Autos, um Geld zu verdienen. Der VW-Vorstandsvorsitzende aber verdiene Geld, um damit Autos bauen zu können.

Dieses Denken des VW-Chefs ist nicht übermäßig populär, aber im Moment können ihm auch Skeptiker die Anerkennung nicht verwehren. Das liegt nicht so sehr an den gestern präsentierten Zahlen. Sie sind zwar gut, gemessen an den Erwartungen sehr gut und gemessen an der VW-Tradition sogar exzellent. Aber sie sind einmal mehr ein Produkt der Bilanzpolitik und daher mit äußerster Vorsicht zu genießen. Der Nachholbedarf des Konzerns beim Kostendrücken bleibt.

Aber niemand kommt am Markterfolg vorbei. Man muss Piëch lassen, dass er VW mit seiner nahezu totalen Konzentration auf die Modellpolitik beigebracht hat, Märkte zu machen. Auch wenn es in der Palette mehr Flops gibt, als er zugibt. Jahr um Jahr bescheren einzelne Modelle und Marken dem Konzern Sonderkonjunkturen. Mit einer ziemlich farblosen Marke wie Volkswagen schafft er es, Premiumpreise zu kassieren, mit Audi sowieso, bei Skoda scheint der Weg nicht mehr weit.

Das war in den zurückliegenden Jahren des Autobooms noch nicht einmal so spannend. Die US-Hersteller haben im Geländewagen-Boom bewiesen, dass man auf Modewellen mit minimalem Aufwand surfen kann. Aber was wird jetzt passieren, wo die meisten Märkte kippen, und zwar stärker, als man das noch vor ein paar Wochen erwartet hat? In den USA rechnet niemand mehr mit einer raschen Erholung der Autonachfrage, in Deutschland schwinden die Hoffnungen von Monat zu Monat, Japans Probleme dämpfen den Ausblick in Asien; und Südamerika erholt sich nicht so schnell wie erhofft.

Bewährungsprobe der Piëch-Strategie steht noch aus

Wer in dieser Lage Durchschnittsware liefert, wird die verunsicherte Kundschaft nicht zum Händler locken können. Damit steht die echte Bewährungsprobe der Piëch-Strategie noch aus. Jetzt wird er beweisen müssen, dass es sich gelohnt hat, enttäuschte Gewinnerwartungen immer aufs Neue mit Vorleistungen für neue Modelle zu begründen. Jetzt, wo der Markt nach unten geht, muss dieser Aufwand seinen Ertrag in Gestalt einer VW-Sonderkonjunktur zeigen. Erste Anzeichen gibt es, trotz Markteinbruch in Deutschland hat VW seine Preise besser halten können als andere.

Ganz einfach wird das trotzdem nicht, denn die Konkurrenz ist dem Beispiel Wolfsburg gefolgt und überschwemmt die Welt mit attraktiven Modellen und Nischenautos. Ein Testfall kann hier der oft als zu klein abgestempelte PSA-Konzern mit Citroën und Peugeot werden. Dort macht man intelligente Modellpolitik mit weit weniger Aufwand als bei VW. Von Renault über Toyota bis Daimler-Chrysler hat sich dennoch die Erfahrung ausgebreitet, dass es zu einem beträchtlichen Teil die Stimmung ist, die den Automarkt regiert und die mit der verhältnismäßig teuren Modellpolitik gemacht wird. VW hat hier nicht nur einen Vorsprung, der Konzern hat auch keine wirklich schweren Klötze mehr am Bein. Er hat nicht Chrysler und Mitsubishi zu sanieren, Nissan zu entschulden oder, wie Ford und Opel, Image- Schäden aufzupolieren.

Wenn es VW in diesem schwierigen Jahr noch einmal schafft, Marktanteile zu halten, ohne mit den Preisen ins Bodenlose zu fallen, muss man Piëch attestieren, dass seine Strategie die richtige war, um den Konzern dauerhaft aus der Krise zu führen. Seinem Nachfolger bliebe es dann vorbehalten, beides zu vereinen: Autos bauen, um Geld zu verdienen, mit dem man dann Autos bauen kann, um mehr Geld zu verdienen.

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