Hohe Nachlässe haben den Absatz im Oktober beflügelt
US-Automobilindustrie droht der Absturz

Nach dem Rekordergebnis vom Oktober stellen sich die Autohersteller in den USA auf härtere Zeiten ein. Spätestens im Dezember ist mit dem Einbruch der Nachfrage zu rechnen - dann laufen Rabattprogramme aus, die die US-Konzerne nach den Terroranschlägen zur Stützung des Absatzes aufgelegt hatten.

HB/zel DETROIT/DÜSSELDORF. Die Freude über den Verkaufsrekord der amerikanischen Automobilindustrie im Oktober ist getrübt. Paul Ballew, Verkaufsmanager von General Motors (GM), erwartet, dass ein Teil des im Oktober um 31 % gestiegenen Absatzes im Dezember oder Anfang 2002 fehlen wird - die Nachfrage mit Hilfe großzügiger Nachlassprogramme mithin nur künstlich vorgezogen wurde. "Es macht keinen Sinn, dem Konsumenten Geld hinterher zu werfen, um dann den Absatz einbrechen zu sehen", warnte Deutsche-Bank-Analyst Christian Breitsprecher vor einer Fortsetzung der Rabattpolitik und der Finanzierungsmodelle mit 0 % Zinslast.

Nach Angaben des US-Wirtschaftsministeriums ist die Zahl der verkauften Pkw und leichten Nutzfahrzeuge im Oktober insgesamt um rund ein Viertel auf 1,73 Mill. im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Im September hingegen verzeichnete die amerikanische Automobilindustrie nach den Terroranschlägen einen Rückgang von 9,1 %. In den USA wird die Frage immer lauter, wie lange diese Strategie der künstlichen Nachfragestützung noch gut gehen kann. "Die Konzerne haben sich in eine Falle hineinmanövriert, wie sie es in der Rezession der frühen 90er-Jahre schon einmal gemacht haben", sagte Mark C. Johnson, Finanzanalyst von A.G. Edwards & Sons. Die Autos würden ohne Profit verkauft.

Bislang sehen die Pläne der großen US-Automobilkonzerne vor, dass die zusätzlichen Rabatte in der zweiten November-Hälfte auslaufen sollen. GM-Manager Ballew wollte eine Verlängerung in den Dezember hinein jedoch nicht ausschließen. Ford-Manager George Pipas bezeichnete die Verkaufshilfen als "zweischneidiges Schwert". Ford habe dadurch zwar seine ursprünglichen Produktionspläne halten können. Etwa 20 % der Oktober-Verkäufe wären jedoch wohl erst in den nächsten Monaten geordert worden. Ford - Oktober-Zuwachs gegenüber dem Vorjahr: 34,4 % - und GM haben am stärksten von den Verkaufsprogrammen profitiert. Premiummarken wie BMW und Mercedes verzichten weitgehend auf solche Hilfen, ihr Absatz ist nahezu konstant geblieben.

Auch Chrysler setzt die Verkaufshilfen nach eigenen Angaben nur begrenzt ein. Das Oktober-Ergebnis scheint die Aussagen von Daimler-Chrysler zu decken: Die Zahl der Verkäufe legte bescheiden um knapp 5 % zu. Der deutsch-amerikanische Konzern lockt seine Kunden statt dessen mit einer längeren Garantie-Frist. An Stelle der üblichen 36 000 Meilen gibt es bei Chrysler jetzt 100 000.

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