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Hohe Ölpreise belasten zunehmend Konjunkturaussichten in Deutschland

Der Ölpreis-Höhenflug belastet zunehmend die Konjunkturaussichten in Deutschland. Am Dienstag kletterte der Ölpreis in den USA erstmals über 54 Dollar je Barrel.

dpa-afx HAMBURG. Der Ölpreis-Höhenflug belastet zunehmend die Konjunkturaussichten in Deutschland. Am Dienstag kletterte der Ölpreis in den USA erstmals über 54 Dollar je Barrel. Nach der monatlichen Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) haben sich die Aussichten auf eine andauernde Konjunkturerholung wegen des Ölpreisanstiegs und der nachlassenden weltwirtschaftlichen Dynamik im Oktober deutlicher eingetrübt als erwartet. Ein weiter hoher Ölpreis könnte der Dresdner Bank zufolge das Wirtschaftswachstum in Deutschland sogar ganz zum Erliegen bringen. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) befürchtet dämpfende Auswirkungen.

"Wenn der Ölpreis ein halbes Jahr lang bei über 50 Dollar pro Barrel bleibt, werden wir ein ziemlich schwaches, stagnierendes erstes Halbjahr erleben", sagte der Chefvolkswirt Allianz Group und Dresdner Bank, Michael Heise, in Frankfurt zu den weiteren Aussichten. Der in Mannheim veröffentlichte ZEW-Index der Konjunkturerwartungen fiel von 38,4 Punkten im Vormonat auf 31,1 Punkte. Erstmals seit 16 Monaten lag der Wert damit wieder unterhalb des historischen Mittelwertes von 34,7 Punkten. Die Wirtschaftsforscher gehen nun von einer leichten Verlangsamung des Wachstums bis zum April nächsten Jahres aus.

Auch Deutsche Benzinpreise Wieder AUF Rekordniveau

Auch die deutschen Benzinpreise sind wieder auf ihre bisherigen Höchststände geklettert. Im bundesweiten Durchschnitt kostete Superbenzin zuletzt rund 1,21 Euro je Liter, Diesel 1,04 Euro. Exxon Mobil- Sprecherin Gabriele Radke begründete die hohen Preise mit neuen Höchstständen am europäischen Öl-Großmarkt in Rotterdam. Dort kletterte der Diesel-Einkaufspreis auf das Rekordhoch von 517 Dollar je Tonne. Die Branche führt die hohen Preise wesentlich auf spekulative Einflüsse zurück. Die Versorgung mit Mineralölprodukten sei nach wie vor ausreichend.

Der US-Ölpreis stieg am Dienstag bereits den sechsten Handelstag in Folge. Ein Barrel (159 Liter) der Marke WTI kostete in New York im Handelsverlauf bis zu 54,34 Dollar. Die US-Ölpreise haben damit innerhalb eines Monats um 27 Prozent und in den vergangenen zwölf Monaten um rund 70 Prozent zugelegt. In London übertraf der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November zu Handelsbeginn erstmals 51 Dollar. Die Liefer- und Produktionsausfälle im Golf von Mexiko sowie die Sorge über einen Generalstreik in Nigeria wurden von Händlern als Hauptgründe genannt.

IEA Hebt Prognose FÜR Weltweite Rohöl-Nachfrage 2004 AN

Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte zuvor ihre Prognose für die weltweite Rohöl-Nachfrage 2004 um 240 000 Barrel auf 82,4 Mill. Barrel pro Tag angehoben. Begründet wurde dies mit der stärker als erwarteten Nachfrage in Asien und Russland. Wegen der vom Wirbelsturm "Ivan" angerichteten Schäden rechnet auch die IEA im Golf von Mexiko bis Jahresende mit beträchtlichen Ausfällen der US- Ölproduktion.

Der von der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ermittelte Rohöl-Korbpreis kletterte auf über 46 Dollar. Nach Angaben des Opec - Sekretariats vom Dienstag in Wien stieg der Preis am Montag auf 46,06 US Dollar für ein Barrel (159 Liter). Das waren 85 Cents mehr als am Freitag. Opec - Analysten machten erneut die Streiks in der Erdölindustrie Nigerias und Norwegens für den dramatischen Anstieg verantwortlich.

Der Volkswirt Reinhard Kudiß vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sagte der "Berliner Zeitung" (Dienstag): "Bleiben die Preise auf diesem hohen Niveau, dann werden Prognosen über ein Wirtschaftswachstum in Deutschland von zwei Prozent im kommenden Jahr nicht zu halten sein." Chefvolkswirt Heise von der Dresdner Bank erklärte, er gehe immer noch davon aus, dass die Preise wieder sinken und 2005 im Jahresdurchschnitt bei 35 Dollar pro Barrel liegen. Er warnte jedoch davor, das Problem zu unterschätzen. Die Bank rechnet für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 2,0 Prozent und 1,5 Prozent für 2005. Dieser Dämpfer sei bereits auf die Entwicklung der Ölpreise zurückzuführen.

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