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Hohe Ölpreise gefährden Konjunkturaussichten nach robustem Wachstum

Die Weltwirtschaft wird nach der neuesten IWF-Konjunkturanalyse in diesem Jahr mit fünf Prozent so stark wachsen wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Die Wachstumsdynamik wird aber durch die hohen Ölpreise gedämpft, warnt der Internationale Währungsfonds (IWF). Er korrigierte seine Prognose für 2005 deshalb am Mittwoch um 0,1 Punkte auf 4,3 Prozent nach unten. Das diesjährige Wachstum übertrifft die bisherigen Erwartungen dagegen um voraussichtlich 0,3 Prozentpunkte.

dpa-afx WASHINGTON. Die Weltwirtschaft wird nach der neuesten IWF-Konjunkturanalyse in diesem Jahr mit fünf Prozent so stark wachsen wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Die Wachstumsdynamik wird aber durch die hohen Ölpreise gedämpft, warnt der Internationale Währungsfonds (IWF). Er korrigierte seine Prognose für 2005 deshalb am Mittwoch um 0,1 Punkte auf 4,3 Prozent nach unten. Das diesjährige Wachstum übertrifft die bisherigen Erwartungen dagegen um voraussichtlich 0,3 Prozentpunkte.

Die gleiche Entwicklung sieht der IWF in Deutschland: Während er in diesem Jahr nun von zwei Prozent Wachstum ausgeht (Frühjahr: 1,5), schraubte er die Erwartung für 2005 von 1,9 auf 1,8 Prozent zurück. Vor allem die Binnennachfrage lasse zu wünschen übrig. IWF-Chefökonom Raghuram Rajan mahnte Deutschland, im Reformeifer bei Renten- und Gesundheitsversorgung nicht nachlassen. "Ein Wundermittel zur Ankurbelung der Binnennachfrage gibt es nicht", räumte er ein.

IWF Betrachtet Ölpreisentwicklung MIT Sorge

Der IWF betrachtet die Ölpreisentwicklung mit Sorge, warnt aber vor Schwarzseherei. "Es wäre zwar Panikmache, dies als die erste Rohstoffkrise des 21. Jahrhunderts zu bezeichnen, aber es ist sicherlich ein Weckruf", sagte Rajan. Real lägen die Ölpreise immer noch wesentlich niedriger als in den 70er Jahren.

In seinen Prognosen geht der IWF davon aus, dass der Preis für ein Barrel Öl im kommenden Jahr im Schnitt acht Dollar höher liegt als 2003. Das koste rund ein halbes Prozent Wirtschaftswachstum. Zurückzuführen sei dies vor allem auf gestiegene Nachfrage, besonders in China und Indien. Und: "Terroranschläge auf Öl-Einrichtungen bleiben ein ständiges Risiko, deshalb dürfte es bei höheren und stärker fluktuierenden Preise bleiben", schreibt der IWF.

Negative Risiken Überwiegen IN Eurozone

In der gesamten Euro-Zone überwiegen nach IWF-Einschätzung die negativen Risiken. Er rechnet in diesem und im nächsten Jahr mit 2,2 Prozent Wachstum. "Das Ziel, aus der EU den konkurrenzfähigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum zu machen, liegt in weiter Ferne."

Risiko US-Leistungsbilanzdefizit

Risiken sieht die Finanzorganisation auch in dem hohen Leistungsbilanzdefizit in den USA und dem Bedarf an weiteren Renten- und Gesundheitsreformen in Europa. "Wenn nicht mehr getan wird, besteht für viele Regionen ernste Risiken, was die Welt insgesamt für unvermeidbare Schocks um so anfälliger macht."

Das US-Leistungsbilanzdefizit liegt nach IWF-Angaben in diesem Jahr bei rund 5,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die Anpassung sei nur eine Frage der Zeit, und die Gefahr von Währungsturbulenzen nicht gebannt. Selbst ein gradueller Abbau berge Risiken: Die Defizitanpassung gehe immer mit langsamerem Wachstum einher, was im Falle der USA als Wachstumslokomotive für die Weltwirtschaft auch weltweit Auswirkungen hätte. Der IWF rechnet in den USA in diesem Jahr mit 4,3 und im nächsten mit 3,5 Prozent Wachstum, jeweils 0,3 Prozentpunkte weniger als in der Frühjahrsprognose.

Inflation Bislang Keine Gefahr

In der weltweiten Beschleunigung der Inflation sieht der IWF bislang keine Gefahr. Bei den Zinsen empfiehlt er den Notenbanken ein moderates Anziehen der Zügel, wie es die US-Notenbank seit Juni vormacht.

Über den IWF-Wirtschaftsausblick beraten an diesem Freitag die Finanzminister der sieben wichtigsten Industriestaaten (G7) in Washington. Unmittelbar im Anschluss an das Treffen findet die Jahrestagung von IWF und Weltbank statt.

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