Hohe Restrukturierungskosten: Software AG streicht 240 Stellen

Hohe Restrukturierungskosten
Software AG streicht 240 Stellen

Die Software AG in Darmstadt hat im ersten Quartal 2003 ein Minus von 9,7 Millionen Euro verbucht. Das seien rund 7 Millionen Euro mehr als im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres, gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt.

Reuters DARMSTADT. Die Darmstädter Software AG erwartet in diesem Jahr keine Erholung des IT-Marktes und schließt einen Umsatzrückgang für 2003 nicht mehr aus. Mit dem Abbau von noch einmal 300 Vollzeitstellen will der zweitgrößte deutsche Software-Konzern dennoch Gewinn machen.

"Eine spürbare Verbesserung der IT-Nachfrage ist für das laufende Geschäftsjahr noch nicht zu erkennen", beschrieb Interims-Vorstandschef Karl Heinz Achinger am Donnerstag die Lage. Das Lizenz- und Wartungsgeschäft entwickle sich zwar stabil, die Sparte Projektdienstleistungen habe im ersten Quartal aber einen Umsatzrückgang von mehr als 20 Prozent verzeichnet. Wenn sich das fortsetze, könne die bisherige Prognose für einen stabilen Konzernumsatz im Gesamtjahr nicht gehalten werden. Dennoch erwartet der Vorstand ein operatives Ergebnis auf Vorjahresniveau und einen Gewinn nach Steuern.

Im ersten Quartal schrieb die Software AG noch rote Zahlen. Der Konzernverlust nach Steuern vervierfachte sich auf 9,7 (Vorjahr: 2,4) Millionen Euro, belastet von 23,8 Millionen Euro an Restrukturierungskosten. Das operative Ergebnis verbesserte sich auf 2,3 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von zwei Millionen Euro angefallen war. Der Konzernumsatz fiel vor allem wegen des schwachen Dollars um sechs Prozent auf 100,2 Millionen Euro, was unter den Analystenprognosen lag.

Analysten bewerten Zahlen gemischt

Die im TecDax notierten Software-Aktien lagen am Nachmittag mit knapp einem Prozent im Minus bei 9,44 Euro. "Alles in allem sind die Ergebnisse leicht positiv wegen der stabilen Umsätze, einem soliden Einnahmenmix und guter Kostenkontrolle", kommentierte Analyst Torsten Schellscheidt. Er stufte die Aktien auf "Neutral" von "Underperform" herauf. Sal-Oppenheim-Analystin Alla Gorelova sah den Umsatzeinbruch bei Projektdienstleistungen als Problem. Der verhaltene Ausblick komme weniger überraschend.

Die Software AG kann sich auf einen stabilen Kundenstamm ihrer etablierten Datenverwaltungssoftware und das daraus folgende Wartungsgeschäft stützen, die neuen E-Business-Produkte EntireX und Tamino haben aber noch keinen durchschlagenden Erfolg. Zusammen machten sie im ersten Quartal 28 (Vorjahr: 26) Prozent der Lizenzerlöse aus. Nun will der Konzern vermehrt Anwendungssoftware und Einzellösungen zu Standardprodukten entwickeln. Die Software AG prüfe derzeit 15 Lösungen, die bereits bei Kunden eingesetzt würden, und werde bis Ende Mai aus diesem Kreis Kandidaten für die Entwicklung zu einem Standardprodukt auswählen, erläuterte Konzernchef Achinger. Drei bis vier Standardprodukte wolle die Gesellschaft so jedes Jahr auf den Markt bringen.

Software plant weiteren Stellenabbau

Zugleich will die Software AG ihren Sparkurs forcieren. Das Kostensenkungsprogramm soll jährliche Einsparungen von 55 bis 60 Millionen Euro bringen, die Hälfte davon bereits im laufenden Jahr. In Deutschland würden durch die Restrukturierung etwa 240 Vollzeitstellen wegfallen, im Ausland 60 Stellen. Die Umsetzung werde derzeit mit dem Betriebsrat besprochen, sagte ein Sprecher. Insgesamt hat die Software AG knapp 3000 Mitarbeiter.

Achinger schloss weitere Anpassungsmaßnahmen nicht aus, wenn die Nachfrageschwäche bei Produktdienstleistungen anhalten sollte. Die Software AG kämpft um das Vertrauen der Investoren, nachdem sie im vergangenen Jahr mit zwei Gewinnwarnungen die Märkte geschockt hatte. Zudem sucht das Unternehmen immer noch nach einem Vorstandschef. Nach dem Ausstieg des Finanzchefs verließ der Vorsitzende Erwin Königs im November 2002 das Unternehmen. Vorläufig hat der 60-jährige Achinger diesen Posten übernommen. Die Chancen, dass wie einmal angekündigt auf der Hauptversammlung am kommenden Dienstag ein neuer Vorstandschef vorgestellt wird, sind gering.

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