Hohe Risikovorsorge belastet Institute
Reformen der Landesbanken in Gefahr

Die Wirtschaftsflaute trifft die Landesbanken zu einer denkbar ungünstigen Zeit. Sie müssen sich fit machen, weil die Brüsseler Wettbewerbshüter die deutschen Gesetzgeber zwangen, die Staatsgarantien für die Landesbanken Mitte 2005 zu streichen.

cbu/cd DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Nun droht die drastisch gestiegene Risikovorsorge im Kreditgeschäft die fieberhaften Bemühungen der Institute zunichte zu machen, auch ohne staatlichen Schutzschirm ein wettbewerbsfähiges Rating zu erhalten. Die Landesbanken seien stärker als Privatbanken von Erträgen aus dem Kreditgeschäft mit Firmenkunden abhängig, sagt Analyst Stefan Best von der Ratingagentur Standard & Poor?s.

Am schlimmsten hat es die Bayerische Landesbank getroffen. Im operativen Geschäft werde sie für 2002 rote Zahlen melden, verkündete zuletzt Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU), der auch stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates ist. Besonders die hohe Risikovorsorge für faule Kredite belastet die Bilanz. Die Bayern LB hat allein rund zwei Mrd. Euro an die Kirch-Gruppe vergeben und ist auch bei anderen Pleiten mit an Bord.

Bankchef Werner Schmidt versucht verzweifelt gegenzusteuern. Er will das internationale Geschäft deutlich ausdünnen und sich wieder auf den bayerischen Heimatmarkt konzentrieren. Außerdem poliert er mit den Verkäufen von Beteiligungen, etwa des Aktienpakets am Energieversorger Thüga, die Zahlen auf, damit unter dem Strich keine roten Zahlen stehen. Der Freistaat Bayern und die bayerischen Sparkassen, hälftig an der Bank beteiligt, müssen trotzdem um ihre Garantieausschüttung von zuletzt sieben Prozent bangen. Denn diese müsste 2002 aus der Substanz gezahlt werden.

Ausfallen wird die Ausschüttung der WestLB an ihre Eigentümer, die Sparkassen, Kommunen und das Land Nordrhein-Westfalen. Dies kündigte WestLB-Vorstandschef Jürgen Sengera bereits an. Der Wertberichtigungsbedarf der Bank wird mindestens bei einer Milliarde Euro liegen. Ursachen sind Engagements unter anderem bei Enron, Babcock und Klöckner. "Eigentlich müsste die Bank rote Zahlen für 2002 ausweisen", heißt es aus Finanzkreisen, was die WestLB jedoch unbedingt vermeiden wolle. Experten glauben, dass es für Sengera schwer wird, die angestrebte Eigenkapitalrentabilität von 18 % bis 2004 zu erreichen. Diese gilt als wichtige Voraussetzung für das angestrebte Rating, auf dem die WestLB ihre Zukunftsstrategie aufbaut. WestLB-Aufsichtsrat Karlheinz Bentele forderte bereits deren schonungslose Überprüfung (Handelsblatt vom 29.1.2003). Nach Handelsblatt-Informationen könnten dabei deutliche Einschnitte bei der Investmentbanktochter WestLB Panmure herauskommen.

Die NordLB kämpft mit Abschreibungen aus ihrem Engagement bei der Bankgesellschaft Berlin. In Hessen hat die Helaba Ärger durch Ausfälle bei der ehemaligen Bundesdruckerei Authentos. Selbst die solide Hamburg LB hebt stille Reserven wegen gestiegener Risikobelastung. Und die LBBW beobachtet besorgt den angeschlagenen Schweizer Großinvestor Martin Ebner, dem sie mehr als eine Mrd. Euro geliehen hat.

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