Hohe Risikovorsorge für faule Kredite
Hypo-Vereinsbank enttäuscht Analysten und Anleger

Die Hypo-Vereinsbank hat das dritte Quartal mit einem unerwartet hohen Verlust abgeschlossen und damit die Erwartungen der Analysten und Anleger enttäuscht. Insbesondere die Risikovorsorge für Kredite wurde wegen der zahlreichen Insolvenzfälle und der schlechteren Bonität zahlreicher Schuldner deutlich erhöht und belastete damit den Gewinn.

ddp/vwd MÜNCHEN. Wie die zweitgrößte Geschäftsbank Deutschlands am Mittwoch in München mitteilte, wird Dieter Rampl bereits zu Beginn des Jahres 2003 Albrecht Schmidt als Vorstandssprecher ablösen. Angesichts der "großen Herausforderungen in schwieriger Zeit" solle der Führungswechsel "rasch und effizient" stattfinden.

Finanzvorstand Wolfgang Sprißler stellte einen Anstieg der Risikovorsorge auf 3,3 Milliarden Euro für das Gesamtjahr in Aussicht. Ob damit das "Ende der Fahnenstange" erreicht sei, lasse sich angesichts zunehmender Unternehmensinsolvenzen und einer teilweise "rapiden Rating-Verschlechterung" der Kunden aus heutiger Sicht nicht seriös voraussagen, betonte Sprißler. In den ersten neun Monaten erhöhte die Hypo-Vereinsbank ihre Risikovorsorge nach eigenen Angaben um 85,5 Prozent auf knapp 2,5 Milliarden Euro.

Auf eine Dividende müssen die Aktionäre der Hypo-Vereinsbank für 2002 wohl verzichten: "Sollten die Märkte - wovon wir ausgehen - schwach bleiben und außerordentliche Maßnahmen von uns nicht ergriffen werden, wäre eine Dividende in Frage gestellt", heißt es im Bericht zum dritten Quartal des Finanzinstituts. Die Aktien der Hypo-Vereinsbank verbilligten sich im elektronischen Handel der Frankfurter Börse bis 16.20 Uhr um 11,7 Prozent auf 14,68 Euro.

Das Ergebnis vor Steuern belief sich den Angaben zufolge nach neun Monaten auf 264 Millionen Euro gegenüber 1,09 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Vorsteuergewinn von 371 Millionen Euro gerechnet. Für das dritte Quartal wies das Institut einen Verlust vor Steuern von 447 Millionen Euro nach einem Plus von 94 Millionen Euro im Vorjahresquartal aus. Bereinigt um Erträge aus der Veräußerung von Finanzanlagen von 970 Millionen Euro entstand in den ersten neun Monaten den Angaben zufolge beim Betriebsergebnis ein Fehlbetrag von 443 Millionen Euro nach einem Gewinn von 1,37 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn nach Steuern und Fremdanteilen sei von knapp 670 Millionen auf 97 Millionen Euro gesunken.

Wie die Hypo-Vereinsbank weiter mitteilte, soll das eingeleitete Kostensenkungsprogramm ausgeweitet und schneller als geplant umgesetzt werden. Bereits 2003 werde der Verwaltungsaufwand unter 7 Milliarden Euro liegen und damit um 500 Millionen Euro niedriger ausfallen als bislang geplant.

Zudem sollen sämtliche Beteiligungen an Hypothekenbanken in einem eigenständigen Immobilienfinanzierungskonzern gebündelt werden. Dadurch entstehe ein Konzern mit 164 Milliarden Euro Bilanzsumme, der möglichst als eigenständige Gesellschaft abgespalten werden soll. Alternativ komme aber auch der Verkauf von Teilen des Bereichs oder eine Fusion mit anderen Partnern in Betracht, hieß es. Das private Immobiliengeschäft bleibe Teil des Privatkundengeschäfts der Hypo-Vereinsbank.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%