Hohe Risikovorsorge im Bereich Investmentbanking
Britische Bankaktien brechen ein

Ein "langweiliger" Neun-Monats-Bericht von Barclays erschütterte am Dienstag die Titel der britischen Finanzbranche: Vor allem der starke Anstieg der Risikovorsorge bei der viertgrößten Bank auf der Insel brachte die Kurse anderer Institute unter Druck. Es deuten sich schwierigere Zeiten für die Geldhäuser an.

fs LONDON. Am Finanzplatz London flammte am Dienstag wieder die Furcht vor schlechten Krediten in den Portfolios der Banken auf. Eine deutliche Reduzierung der Gewinnerwartung von Barclays Bank plc zog die Titel den gesamten Sektor in die Tiefe. Als Grund für vermutlich geringeren Erträge in diesem Jahr hatte die viertgrößte Bank auf der Insel in ihrem Neunmonats-Update ein schwieriges Marktumfeld und einen Anstieg der Rückstellungen für unsichere Kredite im Investment-Banking genannt.

Barclays erwartet daher für das laufende Jahr geringere Einnahmen auf der Grundlage einer konstanten Kostenbasis. Für das Gesamtjahr 2002 prognostizierte Vorstand Matthew Barrett deshalb einen Vorsteuer-Gewinn am unteren Rand der bisherigen Analysten-Prognosen von 3,2 bis 3,7 Mrd. Pfund (5,2 bis 6,0 Mrd. Euro). Die Barclays-Aktie stürzte daraufhin um zeitweise 7,5 % ab, erholte sich aber später wieder leicht. Auch die anderen Banken gaben in der Spitze im Schnitt um 3 % nach.

Die Investmenttochter Barclays Capital belastet das Ergebnis des Mutterinstituts nicht zum ersten Mal. So hatte die Sparte schon im Halbjahresbericht den 6 %igen Gewinnrückgang mit der Wirtschaftskrise in Asien und im Telekom-Sektor begründet. Barclays Capital konzentriert sich seit dem Verkauf des Corporate Finance-Geschäfts 1997 nur noch auf das Anleihegeschäft. Das Betriebsergebnis der Investment-Bank macht rund ein Fünftel des Barclays-Konzerns aus.

Schwierig entwickelte sich auch das Geschäft mit Privatkunden (Personal Financial Services). Der Marktanteil im Hypotheken-Geschäft sank in den vergangenen drei Monaten von 11,4 auf 10,6 %. Auch bei den Konsumentenkrediten legte das Institut langsamer zu als die unmittelbaren Wettbewerber.

Beobachter bezeichneten die Prognose des Instituts dennoch als nicht überraschend. James Eden von der Commerzbank nannte die Reaktion des Marktes auf ein "langweiliges Statement" eine Überreaktion. "Es ist eben immer noch ein ziemlich schwieriges Umfeld da draußen", analysierte auch Colin Morton vom Fondsmanager BWD Rensburg. "Man kann relativ leicht in dieser wirtschaftlichen Lage Fehler machen."

Den Absturz der Aktien begründeten die Beobachter mit der guten Kursentwicklung im Bankensektor in den vergangenen Monaten. Die Barclays-Aktien bezeichneten dabei viele Experten dabei als verhältnismäßig teuer: "Der Markt hat sich offenbar geweigert, die Realität zu akzeptieren. Wenn dann die wirklichen Zahlen kommen, wirkt das wie ein Schock."

Das Thema schlechte Kredite dürfte seiner Ansicht nach die Banken in Zukunft weiter beschäftigen: "Wenn die Wirtschaft tatsächlich einen Abschwung erleidet, wird das Leben für die Banken härter." Eine möglicherweise schwächere Konjunktur dürfte anhaltend boomenden Immobilienmarkt verlangsamen. Jahresteuerungen von im Schnitt 25 %, wie gestern veröffentlicht, deuten allerdings auf einen immer noch hohen Nachfrageüberhang hin. Auf der anderen Seite könnte allerdings auch eine geringere Neigung der Verbraucher zur Verschuldung die Institute empfindlich treffen.

James Eden rechnet ebenfalls damit, dass die Sorge um schlechte Kredite ein Thema bleibt - er sieht vor allem Royal Bank of Scotland als riskant an, die stark in der Unternehmensfinanzierung engagiert ist. Doch auch bei Instituten mit starkem Fokus auf den Privatkundenbereich dürfte sich die weitere Perspektive klären, wenn heute die drittgrößte britische Großbank Lloyds TSB neue Zahlen veröffentlicht.

Quelle: Handelsblatt

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