Hohe Synergien geplant
Münchener Rück und HVB vertiefen Allianz

Die Münchener Rück und die HVB stecken große Hoffnungen in ihre Allfinanz-Ehe. Bis 2006 sollen insgesamt Synergien von 1,25 Mrd. Euro verwirklicht werden. Bei der Vermögensverwaltung werden die beide Konzern aber auch in Zukunft getrennte Wege gegen. Die Aktien reagierten am Mittwoch gegen den allgemeinen Trend positiv.

cbu MÜNCHEN. Bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt achteten die Münchener Rück und die Hypo-Vereinsbank (HVB) peinlich genau auf Gleichberechtigung. So fand die Pressekonferenz zwar in der Zentrale des größten Rückversicherers der Welt statt. Doch die Bleistifte trugen das Rück-Logo, die Schreibblöcke den HVB-Schriftzug. Auch die Ansprachen von Rück-Chef Hans-Jürgen Schinzler und HVB-Vorstandssprecher Albrecht Schmidt dauerten nahezu gleich lang. Nur der Chef der Rück-Tochter Ergo, Lothar Meyer, nahm sich mehr Zeit als für ihn vorgesehen war.

Präsentiert wurden die lange erwarteten Einzelheiten zur bereits im Frühjahr beschlossenen Allfinanz-Ehe zwischen dem Versicherungsriesen und der Münchener Großbank. Über sechs Monate lang hatten acht Projektgruppen gearbeitet. Das Ergebnis: Kumuliert sollen bis 2006 Synergien von 1,25 Mrd. Euro erzielt werden. Diese verteilen sich nach Aussage von HVB-Vorstand Dieter Rampl jeweils zur Hälfte auf die beiden Partner. Rund 90 % davon entfallen auf höhere Erträge, nur 10 % werden durch Kostensenkungen realisiert.

Nicht einbezogen in die Partnerschaft wird dagegen die Vermögensverwaltung. Hier wollen die beiden Konzerne entgegen früheren Planungen mit ihren Tochtergesellschaften Meag (Rück) und Activest (HVB) weiter eigene Wege gehen. Die beiden Gesellschaften seien unterschiedlich ausgerichtet und verfolgten unterschiedliche Ansätze, begründete Schinzler die Entscheidung. HVB-Chef Schmidt fügte an, dass durch eine Zusammenführung wahrscheinlich mehr kaputt gemacht würde als an Synergien erzielt werde. Activest ist auf Publikumsfonds spezialisiert. Meag verwaltet in erster Linie die Anlagen der Rück-Gruppe, darunter auch viele Immobilien.

Sowohl Schinzler als auch Schmidt zeigten sich zufrieden mit den Ergebnissen. Die angepeilten Synergien seien "außerordentlich positiv", meinte Schinzler: "Wir freuen uns über diese Zahl." Die Allianz, die im Mai die Dresdner Bank übernommen hat und ebenfalls einen Allfinanz-Konzern formt, rechnet ab 2006 dagegen mit Synergien von über einer Mrd. Euro. Einen Teil davon macht allerdings die Fusion beim Asset-Management aus.

Im Gegensatz zur Allianz erwirbt die Münchener Rück Anfang 2002 im Rahmen eines umfangreichen Beteiligungstausches auch nur eine Sperrminorität von 25,7 % an der HVB. Die Frage einer Mehrheitsübernahme an der Bank stelle sich nicht, betonte Schinzler. Man habe auch nicht intern berechnet, wie hoch dann die Synergien seien. Entsprechende Spekulationen hatten zuletzt immer wieder den Kurs der HVB-Aktie nach unten gedrückt.

Gestern jedoch reagierte sowohl die HVB - als auch die Rück-Aktie mit zeitweise leichten Kursgewinnen. In einem sehr negativen Umfeld war die Münchener Rück mit einem Plus von rund 1 % der Tagesgewinner im Dax. Analysten bewerteten die vorgestellten Einzelheiten positiv. Die Erwartungen seien realistisch. An den Synergie-Schätzungen der Allianz hatte es dagegen immer wieder Zweifel gegeben.

Das Versicherungsgeschäft über die HVB soll bis 2006 verdreifacht werden, sagte HVB-Vorstand Rampl. Dann soll Neugeschäft über rund 500 Mill. Euro für Ergo über die Bankschalter abgeschlossen werden. Etwa 90 % davon wird auf Lebensversicherungen entfallen, der Rest auf Sach- und Krankenpolicen. Zu Ergo gehören die Lebensversicherer Victoria und Hamburg-Mannheimer sowie der private Krankenversicherer DKV und der Anbieter von Rechtsschutzpolicen D.A.S. Im Gegenzug sollen Ergo-Kunden HVB-Produkte vermittelt werden. Bis 2006 soll das Finanzierungsvolumen, das über die Ergo an die HVB vermittelt wird, bei etwa 600 Mill. Euro liegen. Dazu gehören etwa Baufinanzierungen und Ratenkredite.

Zudem hoffen beide Partner, durch das bessere Angebot, Neukunden zu gewinnen. Derzeit verfügen beide Konzerne zusammen über einen Kundenstamm von etwa 30 Millionen. Auch im Ausland, etwa in Polen und Österreich, werde die Allfinanz-Partnerschaft umgesetzt. Schinzler deutete auch an, dass eine gemeinsame Expansion durch Akquisitionen, etwa in Südeuropa, denkbar ist. Zudem planen beide Konzerne eine Zusammenarbeit etwa bei Großprojekten, die von der HVB finanziert und von der Münchener-Rück-Gruppe versichert werden könnten. Auch bei der Refinanzierung, beim Risiko-Management und bei der Wertpapierverwaltung seien gemeinsame Projekte geplant, hieß es.

Schinzler betonte, beide Konzerne seien "Wunschpartner", es bestehe eine "feste Vertrauensbasis". Ziel sei es, die Position als einer der führenden europäischen Finanzdienstleister weiter auszubauen.

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