"Hohe Unsicherheitslage"
Holsten-Chef erwartet schwieriges Jahr für Bierbranche

Der Bierbranche steht nach Ansicht von Holsten-Chef Andreas Rost ein schwieriges Jahr bevor. Eine Verbesserung des Konsumverhaltens in Deutschland sei nicht zu erwarten, sagte Rost am Mittwoch bei der Hauptversammlung des größten deutschen Bierbrauers in Hamburg. Von Januar bis Mai sei der Bierabsatz der Holsten-Gruppe in Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11,4 Prozent auf 3,0 Millionen Hektoliter gesunken.

HB/dpa HAMBURG. Im Ausland sank der Wert um 4,4 % auf 560 000 Hektoliter. Der Holsten-Gesamtabsatz - inklusive nichtalkoholischer Getränke - ging um 11,6 % auf 4,9 Mill. Hektoliter zurück. Die Preiserhöhung von 50 Cent je Bierkiste will Rost aber "nicht mit aller Gewalt" durchsetzen.

Wegen der "hohen Unsicherheitslage" für die Branche wollte der Brauerei-Chef aber keine konkrete Prognose für 2003 abgeben. Er sei überzeugt, bis Jahresende wieder ein positives Ergebnis zu schaffen, sagte Rost. 2002 betrug der Jahresüberschuss 10,4 Mill. Euro bei einem Umsatz von 834 Mill. Euro (plus 2,6 %). Für die Aktionäre ist eine Dividende von 0,45 Euro je Aktie vorgesehen. Im 1. Quartal betrug der Fehlbetrag vor Steuern 8 Mill. Euro und lag damit knapp unter Vorjahresniveau. Die Erlöse gingen in dem Zeitraum insgesamt um 6,7 % auf rund 152 Mill. Euro zurück. Davon entfallen rund 134 Mill. Euro auf Bier.

Rost forderte zudem eine Aussetzung der Verpackungsverordnung, denn sie vernichte Arbeitsplätze. Nach Einführung des Dosenpfands Anfang 2003 ist in der Holsten-Gruppe (Holsten Pilsener, König Pilsener, Lübzer Pils) der Absatz von Bier in Einwegverpackungen in den ersten fünf Monaten um bis zu 70 % zurückgegangen. Darauf reagierte Holsten unter anderem mit Kurzarbeit, die aber derzeit ausgesetzt ist. "Für die Folgemonate überprüfen wir jeweils kurzfristig die Erforderlichkeit von Kurzarbeit", sagte Rost.

Im Gegensatz zum Einweg legte der Absatz von Bier in Mehrwegverpackungen bei Holsten bis Ende Mai um bis zu 43 % zu. Die in der Verpackungsverordnung festgelegte Mehrweguntergrenze von 72 % bei Bier ist laut Rost in der Branche wieder erreicht und bei Holsten mit 81 % überschritten. "Nach der geltenden Rechtsgrundlage muss also das Zwangspfand wieder entfallen", sagte der Vorstandschef. Auch deshalb werde der Handel derzeit nicht in ein Rücknahmesystem Milliarden Euro investieren, meinte Rost.

Der Holsten-Großaktionär Christian Eisenbeiss, der nach seinen Angaben knapp 50 % der Aktien hält, bekräftigte angesichts aufgekommener Spekulationen vor den Aktionären, dass er "gegenwärtig" nicht den Verkauf seiner Anteile beabsichtige. Mit Blick auf die Bewegungen im europäischen Biermarkt hält es Eisenbeiss für "entscheidend", dass Holsten offen bleibt für Kooperationen, Gemeinschaftsunternehmen sowie für geeignete eigene Übernahmen.

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