Hohe Verluste erwartet
T-Online muss bei Inhalten aufholen

Zur Halbzeit des Geschäftsjahres sehen Analysten die Verluste der Telekom-Internettochter im Rahmen der Erwartungen. Doch wächst beim Thema Content die Ungeduld. Investoren fehlt eine schlüssige Inhaltestrategie.

tnt FRANKFURT/M. Der Internetanbieter T-Online hat im zweiten Quartal neue Nutzer gewinnen können. Allerdings hat sich das Wachstum mit einem Plus von rund 6 % im Vergleich zum Vorquartal merklich abgeschwächt. Konzernweit hat die T-Online International AG, Darmstadt, zum Ende des zweiten Quartals 9,2 Millionen feste Nutzer seiner Marken T-Online, Ya.com in Spanien sowie Club Internet in Frankreich. Mit 7,4 Millionen Nutzern liegt T-Online auf dem Heimatmarkt Deutschland mit weitem Abstand vor den Konkurrenten AOL Deutschland sowie der Mobilcom-Tochter Freenet.

Bislang konnte T-Online 335 000 Kunden den Internet-Hochgeschwindigkeitszugang T-DSL in Verbindung mit einer Flatrate schmackhaft machen. Wie viele der inzwischen 750 000 angeschlossen Nutzer T-Online mit anderen Tarifmodellen nutzen ist nicht bekannt. Mit rund 12 facher ISDN-Geschwindigkeit eignen sich die Breitbandanschlüsse, um neben normalen Internetseiten bewegte Bilder, Musik oder Computerprogramme über das Internet auszuliefern.

Investoren bemängeln fehlende Konzepte bei Inhalten

Doch im Bereich der Inhalte wächst die Kritik von institutionellen Anlegern und Analysten am T-Online-Management. Vor allen Dingen institutionelle Investoren vermissen eine schlüssige Strategie beim Thema Breitbandinternet. "Investoren fragen uns häufig, wie die Geschäftsmodelle für die geplanten Allianzen mit dem ZDF-heute oder Bild.de aussehen sollen", sagt Simon Hawkins vom Internet-Team bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. Doch bislang ist das Management die Antwort schuldig geblieben, wie T-Online im Portalgeschäft Geld verdienen will. Bezahlinhalte in Verbindung mit besonderen Internetzugangs-Angeboten sind zwar angekündigt, doch konkreter wollten die T-Online-Manager bislang nicht werden.

Dabei sind sich die Experten einig, dass die Strategie auf Inhalte zu setzen richtig ist. Doch trotz wachsender Nutzerzahlen operiert das Unternehmen weiterhin tief in der Verlustzone. In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres wird T-Online den Schätzungen zufolge einen Verlust zwischen 130 und 140 Mill. ? ausweisen. Die Ergebnis-Erwartungen für das Gesamtjahr schwanken zwischen Minus 240 und 300 Mill. ?. Erstmals werde aber der Umsatz über 1 Mrd. ? liegen.

Schwacher Werbemarkt

"Das zweite und dritte Quartal bleibt aber für T-Online schwierig", prognostiziert Petra Heist, Analystin bei der Hypovereinsbank. So erwartet die Analystin, dass die Portal Umsätze aufgrund des schwachen Werbemarktes hinter den ursprünglichen Zielen zurückbleiben werden. Das Ziel, in drei Jahren 30 % des Umsatzes mit Online-Werbung und E-Commerce zu machen, erscheine "ambitioniert".

Die Analysten der Investmentbank Merrill Lynch überzeugt T-Online aufgrund seiner starken Marktstellung auf dem deutschen Markt. Gleichzeitig weisen sie aber darauf hin, dass die Zahl der Nutzer (Unique Users) zwar seit August 2000 um 75 % zugelegt habe, doch das Wachstum hinter den Zuwächsen in Deutschland von 83 % liegen. "T-Online nutzt bisher zu wenig die Vorteile der enormen Reichweite in Deutschland", sagt Merrill Lynch Analyst Peter Bradshaw.

Club Internet auf dem Prüftstand

Parallel muss das Management weiter an der Kostenschraube drehen, um das von den Analysten frühestens für das Jahr 2003 erwartet erreichen der Profitabilität zu erreichen. Dazu gehört zum Beispiel die angekündigte Auslagerung der Call-Center. Doch wahrscheinlich werden weitere Kostenschnitte folgen. Laut dem Vorstandsvorsitzendem Thomas Holtrop stehen "alle Bereiche auf dem Prüfstand". Besonders gründlich wird Holtrop dem Vernehmen nach die verlustbringende französische Tochter Club Internet unter die Lupe nehmen, die der französischen Medienkonzern Lagardère gegen 5,7 % der T-Online Anteile eingetauscht hat. Mit rund 700 000 Nutzern liegt Club Internet in Frankreich auf dem vierten Platz hinter Wettbewerbern wie Wanadoo, AOL und Tiscali. Branchenkenner gehen davon aus, dass T-Online Club Internet im nächsten Jahr entweder einem radikalen Umbau unterziehen oder verkaufen wird. "Es ist nicht auszuschließen, dass sich T-Online künftig ausschließlich auf den deutschsprachigen Raum konzentrieren wird", spekuliert ein Experte.

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