Hohe Verluste
T-Online wird weiter unter Flatrate leiden

Der Online-Anbieter wird auch 2001 rote Zahlen schreiben. Im vergangenen Jahr hatten neben dem inzwischen eingestellten Pauschaltarif für das Surfen im Internet vor allem die ausländischen Beteiligungen auf die Ergebnisse gedrückt.

Reuters DARMSTADT. Der größte europäische Internet-Dienstleister T-Online wird im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich seinen Verlust deutlich ausbauen und frühestens 2003 die Gewinnschwelle erreichen. Bei der Vorlage der Bilanz für das Geschäftsjahr 2000 am Donnerstag in Darmstadt sagte Vorstandschef Thomas Holtrop Reuters TV, man werde weder in diesem noch im nächsten Jahr profitabel sein. Er hoffe auf das Erreichen der Gewinnschwelle in naher Zukunft. T-Online-Finanzchef Rainer Beaujean hält Analystenschätzungen über einen bis zum Jahresende verdoppelten Vorsteuerverlust auf Ebitda-Basis in Höhe von rund 250 Mill. Euro für "nicht unrealististisch". Bei einem im Jahr 2001 erwarteten Kundenwachstum um rund ein Viertel auf zehn Mill. rechnet T-Online mit anhaltenden Verlusten durch das Auslandsgeschäft und durch den inzwischen eingestellten Internet-Pauschaltarif.

Im zurückliegenden Jahr schraubte T-Online zwar seinen Verlust je Aktie auf 0,32 Euro von 0,54 Euro ein Jahr zuvor zurück. Das im April vergangenen Jahres an den Neuen Markt der Frankfurter Börse gegangene Tochter-Unternehmen der Deutschen Telekom AG rutschte jedoch deutlich mit 121,7 Mill. Euro vor Steuern, Abschreibungen, Zinsen und Amortisationen (Ebitda) ins Minus. Mit 481,6 Mill. Euro entfielen mehr als die Hälfte des Umsatzes in Höhe von 797,2 Mill. Euro als Telefon-Verbindungskosten auf die Flatrate-Kunden, was zusammen mit den negativen Effekten der Auslandsbeteiligungen in Höhe von 388,9 Mill. Euro das Vorsteuerergebnis drückte. Der Konzernverlust habe 389,72 Mill. Euro betragen, teilte T-Online mit, ohne eine Vergleichszahl zum Vorjahr zu nennen.

Flatrate war "unternehmerische Fehlentscheidung"

Für das laufende Jahr rechnet T-Online damit, dass die Belastungen aus ununterbrochenen Internetverbindungen durch einen Teil der zuletzt rund 420 000 Flatrate-Kunden mit analogen und ISDN-Anschlüssen anhalten werden. Finanzvorstand Beaujean sagte, die mit durchschnittlich 110 DM pro Monat zu Buche schlagenden Flatrate-Kunden würden erst im Jahresverlauf aus dem ergebnisbelastenden Tarif "herauswachsen". Bislang seien "einige zehntausend" Flatrate-Kunden in die neuen Tarife gewechselt, die eine unbegrenzte Nutzung des Internets zu einem Pauschalpreis nicht mehr möglich machen. T-Online-Chef Holtrop zufolge war der Pauschaltarif für schmalbandiges Internet eine "unternehmerische Fehlentscheidung". Angeboten wird weiter ein Internet-Pauschaltarif via Breitbandanschluss.

Der negative Einfluss des Flatrate-Geschäfts auf das Ergebnis soll im Jahr 2001 jedoch im Verhältnis zu den Belastungen durch die Beteiligungen an dem französischen Online-Dienst Club Internet und der spanischen Ya.com sinken. Zu einem Drittel werde man eine Belastung aus dem Pauschaltarif und zu zwei Dritteln aus dem ausländischen Beteiligungsgeschäft sehen, hieß es. Im ersten Quartal 2001 blieb der Ebitda-Verlust mit rund 70 Mill. Euro gegenüber dem vierten Quartal 2000 konstant.

Weitere Akquisitionen stehen nach den Worten von Holtrop ungeachtet eines Barbestandes von 3,8 Mrd. Euro zum Jahresende 2000 derzeit nicht an. "Ich sehe weiter eine Konsolidierung am Markt", sagte Holtrop. Daher werde man "nicht um jeden Preis" zukaufen, da sich das Abwarten aus seiner Sicht gelohnt habe. Bei der Expansion des Geschäfts werde man möglicherweise der Marktpräsenz dem Mutterkonzerns Deutsche Telekom in den USA und Osteuropa folgen. Eine nicht auf die Nutzung von Synergieeffekten angelegte Expansionsstrategie, wie sie derzeit der Konkurrent Tiscali mit seinen Zukäufen verfolge, hält der Vorstandschef für falsch. Über einen internationalen Markenauftritt unter einem Namen wird Holtrop zufolge nachgedacht. Das Thema Branding werde für das Unternehmen "sehr wichtig werden", da dies ein "entscheidender Faktor beim Markterfolg" sei.

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