Hohe Wahlbeteiligung erschwert Manipulationen
Wahl in Simbabwe verlief relativ friedlich

Trotz vereinzelter Zwischenfälle und Einschüchterungsversuche relativ friedlich, aber bei weitem nicht perfekt. Frustriert, aber nicht resigniert hatten Weiß und Schwarz nach einem gewalttätig geführten Wahlkampf in langen Reihen nebeneinander ausgeharrt. Mit Campingstühlen, Schlafsäcken, Büchern und Snacks hatten sie sich auf lange Wartezeit vorbereitet.

dpa HARARE. Frühmorgens um fünf Uhr stand Solomon Kanyani am Samstag schon in der Warteschlange vor dem Wahllokal Harare/Avondale, um Simbabwes künftigen Präsidenten zu wählen. Am Sonntagvormittag trennten den 32-Jährigen noch immer mehrere Meter vom Eingang des Wahllokals. "Lieber zwei Tage als möglicherweise sechs weitere Jahre bis zur nächsten Wahl warten", lautete sein Motto. So wie er reihten sich am Wochenende in dem südafrikanischen Staat in Scharen Wähler in kilometerlange Warteschlangen ein, um ihre Stimme abzugeben.

Warten auf den Wandel

"Wir lassen uns nicht abschrecken. Wir stehen ja auch täglich in langen Warteschlangen für Lebensmittel an," meint Joshua unter Hinweis auf die Versorgungsengpässe im Land. Seinen Nachnamen verrät er aus Angst lieber nicht. Er weist stattdessen auf eine lange Narbe an der Wange - ein Relikt vom vergangenen Wahlkampf. "Es wird Zeit für den Wandel", sagt er bitter. Den soll die Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) bringen. Als deren Kandidat Morgan Tsvangirai am Sonntag seine Stimme in Harare abgab, zeigte er sich verhalten optimistisch. Rückblickend könnte sich der Tag für den Oppositionschef - der am Sonntag 50. Geburtstag feierte - als bestes Geschenk herausstellen.

Beobachter sind sich einig, dass eine hohe Wahlbeteiligung befürchtete Manipulationen bei der Stimmenauszählung schwieriger macht - zumindest theoretisch. Und der Herausforderer des seit 22 Jahren zunehmend autokratischer regierenden Präsidenten Robert Mugabe hat in den Städten seinen Rückhalt, wo die Mehrheit der 5,6 Millionen Wähler (3,4 Millionen) lebt. Den schleppenden Wahlprozess dort führte die Opposition auf den gezielten Versuch Mugabes zurück, die MDC- Anhänger durch eine Reduzierung der Wahllokale von der Wahlurne fern zu halten. "Es wäre eine Tragödie, wenn die Wähler nicht abstimmen könnten", warnte Tsvangirai und forderte längere Öffnungszeiten.

In Mugabes Hochburgen auf dem Lande, wo die Zahl der Wahlbüros um mehr als 600 aufgestockt worden war, zeigte das Fernsehen dagegen an einigen Orten leere Räume und sich langweilende Wahlhelfer. Der Konfusion um das Wahlregister, die die Abstimmung erschwerte, wäre beinahe sogar Präsident Mugabe zum Opfer gefallen. In Harare, wo auch über das neue Kommunalparlament und den künftigen Bürgermeister abgestimmt wurde, war der Name des 78-Jährigen nicht in der Liste seines Wahllokals in der Mhofu-Schule aufgeführt.

Der einstige Modelldemokrat und Freiheitsheld, der das rohstoffreiche Land in die Unabhängigkeit geführt hat, durfte später dann in einem benachbarten Wahlbüro seine Stimme für Harares neues Stadtparlament abgeben

.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%