Hohe Wertberichtigungen
Börse verdient auch in schwachen Zeiten kräftig

Ungeachtet der anhaltenden Talfahrt an den Aktienmärkten hat die Deutsche Börse in den ersten neun Monaten dieses Jahres ihren Gewinn kräftig gesteigert. Zugleich zeigte sich Deutschlands größter Marktbetreiber aber bescheiden für das Gesamtjahr.

Reuters FRANKFURT. Auf Grund von Firmenwertabschreibungen erreichte die Börse nach eigenen Angaben von Donnerstagabend im dritten Quartal zwar nicht ganz den von Analysten erwarteten Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit), überbot aber trotz der außerordentlichen Belastungen den Vorjahreswert deutlich. Der Umsatz kletterte dagegen infolge von Konsolidierungseffekten kräftig in die Höhe. Der Aktienkurs profitierte indes von den Zahlen nicht und verlor bis Freitagmittag 0,9 Prozent auf 39,20 Euro.

Finanzchef Matthias Hlubek zeigte sich bescheiden: "Vor dem Hintergrund des Ergebnisses der ersten neun Monate sind wir zuversichtlich, unsere kommunizierten Wachstums- und Profitabilitätsziele zu erreichen." Dabei hat die Börse in den ersten neun Monaten ihr Ebit-Gesamtjahresziel schon fast erreicht, wenn man die Wertberichtigungen nicht berücksichtigt.

Um mehr als ein Drittel auf knapp 88 Millionen Euro steigerte die Deutsche Börse AG ihr Ebit im dritten Quartal, in den ersten neun Monaten nahm dieser Wert insgesamt um gut 13 Prozent zu. Der Quartalsumsatz verdoppelte sich rund auf gut 388 Millionen Euro, wobei hier allerdings die erstmals voll in die Bilanz einbezogenen Übernahmen des Abwicklers Clearstream und der Software-Firma Entory deutlich zu Buche schlugen.

Entgegen der Umsatzentwicklung schmälerte die Abschreibung für Entory das Ebit um 33 Millionen Euro. Ohne diesen Effekt hätte der Quartalsgewinn folglich bei fast 121 Millionen Euro und damit deutlich über den Analystenerwartungen von gut 97 Millionen Euro gelegen. In den gesamten ersten neun Monaten verdiente die Deutsche Börse operativ 255 Millionen Euro.

Der Terminmarkt Eurex erwies sich erneut als Gewinntreiber für die Deutsche Börse. Das Ebit verdoppelte sich im dritten Quartal auf gut 56 Millionen Euro. Das Ergebnis des Kassamarktes - also dem direkten Aktienhandel - brach dagegen um rund 77 Prozent auf 1,4 Millionen Euro ein, wobei nach Angaben der Börse hier auch außerordentliche Kosten zu Buche schlugen.

Seit dem Ende des Börsenbooms in Deutschland vor zweieinhalb Jahren ist die Zahl der Aktionäre rückläufig, was sich auch in sinkenden Transaktionsvolumen am Kassamarkt niederschlägt. An der Eurex können die Teilnehmer dagegen auch an fallenden Kursen kräftig verdienen. Zudem wird an der Derivate-Börse auch stark auf krisensichere Wertpapiere wie Anleihen gehandelt.

Die nun bekräftigten Gesamtjahresziele der Deutschen Börse liegen nach früheren Angaben bei einem Umsatz von 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro und einem Ebit von rund 320 Millionen Euro. Insofern hat die Börse in den ersten neun Monaten mit einem Ebit von 255 Millionen bereits 80 Prozent der Ernte eingeholt, beim Umsatz sind es knapp zwei Drittel. Analysten gehen daher davon aus, dass die Börse ihre Ziele für 2002 übertreffen wird.

"Die Deutsche Börse ist in dieser Hinsicht immer sehr konservativ" kommentierte Analyst Alexander Hendricks von der Deutschen Bank den Ausblick von Hlubek. Die Prognosen des Marktes lägen ohnehin schon über der Konzern-Vorhersage, aber es sei aus Sicht des Unternehmens sinnvoll, die Erwartungen nicht allzu hoch zu setzen.

Hendricks wie auch sein Kollege Joachim Müller von JP Morgan äußerten sich positiv zum Zwischenbericht: "Die Zahlen sind sehr gut", sagte Müller. Insbesondere bei Eurex sei das Ergebnis fantastisch. "Die Performance der Börse ist sehr, sehr beachtlich", meinte Hendricks. Er warnte aber vor überzogenen Erwartungen: "Man muss davon ausgehen, dass die Börse nicht immer Wachstumsraten von 30 bis 40 Prozent erreichen kann."

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