Hohe Wertberichtigungen
Überraschende Belastung schockt DZ Bank

Die genossenschaftliche DZ Bank muss hohe außerordentliche Ertragseinbußen verkraften. Grund ist ein fehlerhaft installiertes Handelssystem für Wertpapiere. Operativ schreibt die Bank 2002 rote Zahlen.

FRANKFURT/M. Das Spitzeninstitut der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, die DZ Bank in Frankfurt, kommt nicht zur Ruhe. Es muss für das Jahr 2002 eine außerordentliche Ertragseinbuße in niedriger dreistelliger Millionenhöhe verkraften. Der Grund: Erlöse aus außerbörslichen Derivategeschäften sind in den vergangenen drei Jahren zu hoch bewertet worden. Die notwendigen Korrekturen schmälern alleine das Zinsergebnis um 40 Mill. Euro und belasten die Gewinn- und Verlustrechnung zusätzlich durch einen hohen außerordentlichen Aufwand. Diese Informationen bestätigte die DZ Bank dem Handelsblatt.

Insgesamt konnte die Bank einen hohen Verlust für das abgelaufene Geschäftsjahr nur durch das Heben stiller Reserven vermeiden. Das Institut verbuchte außerordentliche Erträge in Höhe von zusammen rund 1,3 Mrd. Euro. So wurde unter anderem die Beteiligung an der Bausparkasse Schwäbisch Hall in die neue Immobilienholding VR Immo eingebracht und zehn Prozent der DZ-Beteiligung an der Union Fonds-Holding an die R + V Versicherung verkauft. Zudem sammelte die Zentralbank 480 Mill. Euro an frischem Kapital im genossenschaftlichen Finanzverbund ein. "Weitere Kapitalmaßnahmen im Jahr 2003 sind nicht zu erwarten", beruhigt die DZ Bank.

Nach den jüngsten Belastungen muss es im laufenden Jahr zu einer deutlichen Reduzierung der Risikovorsorge kommen. "Höher als maximal 500 bis 600 Mill. Euro darf sie nicht werden, sonst haben wir ein ernstes Problem", sagt ein DZ-Manager. Die Kapitaldecke der DZ Bank ist angesichts der Belastungen der vergangenen Jahre dünn geworden. Insgesamt mussten die Frankfurter und ihre beiden Vorgängerinstitute DG und GZ-Bank im vergangenen Jahrzehnt rund fünf Mrd. Euro an Abschreibungen auf faule Kredite verkraften.

Die jetzt bekannt gewordenen Probleme hat sich die DZ Bank durch eine "fehlerhafte Abgrenzung von so genannten Zero-Kupon-Swaps der DG Bank ab dem Jahr 1997" eingehandelt, sagt ein Sprecher der DZ Bank dem Handelsblatt. Über mehrere Jahre wurden zu hohe Zinseinnahmen verbucht. Bei Swaps werden feste in variable Zinszahlungen getauscht. Die Besonderheit des Zero-Kupon-Swaps ist, dass die Zahlungen bei beiden Geschäftspartnern erst am Ende der Laufzeit anfallen. Dadurch muss ein starker Zinseszinseffekt bei der Bewertung berücksichtigt werden. Zum Jahresende 2001 standen bei der DZ Bank 164 Mrd. an Zinsswaps mit einer Laufzeit von mehr als fünf Jahren in den Büchern. Das Schwesterinstitut WGZ-Bank etwa hat lediglich knapp 25 Mill. an vergleichbaren Swaps in den Büchern stehen.

"Die DG Bank war bei der Emission von Zero-Kupon-Swaps nicht stark engagiert, sondern im Vergleich zu den Wettbewerbern eher ein kleiner Marktpartner", relativiert ein Sprecher die Rolle des Instituts. "Die DG Bank ist all die Jahre vom Wirtschaftsprüfer Price Waterhouse Coopers (PWC) geprüft worden, Unregelmäßigkeiten sind nicht festgestellt worden", versichert die DZ Bank.

Die falsche Bewertung könnte nach Angaben der Zentralbank bei der Umstellung auf das neue Handelssystem Summit 1999 entstanden sein. Summit ist ein renommiertes System und wird von vielen großen Banken genutzt - darunter Deutsche Bank, HSBC und Citigroup. Von größeren Problemen ist Experten nichts bekannt. Das System, das laut Unternehmensberatern seine Stärken etwa bei Derivaten hat, wurde offenbar falsch eingerichtet. "Eine exakte Prüfung der Ursachen erfolgt derzeit noch", versichert das Institut.

Der Fehler wurde erst im Oktober vergangenen Jahres entdeckt, als eines der außerbörslichen Geschäfte vorzeitig geschlossen wurde. Es stellte sich heraus, dass der tatsächlich erlöste Wert des so genannten Over- the-Counter-Geschäftes (OTC) nicht mit dem vom System errechneten übereinstimmte. Die Differenz zwischen Buch- und Marktwert aus dem geschlossenen Zero-Kupon-Deal vom Oktober schlägt auf das Zinsergebnis 2002 durch. Das geschieht in einer Phase, wo angesichts der Börsenflaute die Ertragssituation ohnehin stark angespannt ist: Das Nettoergebnis aus Finanzgeschäften lag in den ersten neuen Monaten 2002 nur noch bei 14 Mill. nach 111 Mill. im selben Vorjahreszeitraum. Die übrigen noch offenen OTC-Geschäfte werden als außerordentlicher Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) berücksichtigt.

Zudem erfuhr das Handelsblatt aus Managementkreisen der DZ Bank, dass der Wertberichtigungbedarf der Bank im vergangenen Jahr auf die Rekordsumme von rund 1,2 Mrd. Euro steigt. Die Bank schreibt damit im Jahr 2002 einen Verlust aus dem laufenden Geschäft von rund 400 Mill. Euro.

Der jüngste Vorfall trifft die DZ Bank in einer kritischen Phase steigender Wertberichtigungen auf notleidende Kredite bei einem zeitgleich deutlich fallenden Handelsergebnis. DZ-Bank-Chef Ulrich Brixner hatte in den vergangenen zwölf Monaten eine ständig steigende Risikovorsorge für das abgelaufene Geschäftsjahr einräumen müssen. Noch Anfang 2002 ging er von einer Risikovorsorge "zwischen 300 und 700 Mill. Euro" aus. Im August, als erste Auswirkungen der Flutkatastrophe in Ostdeutschland absehbar wurden, erhöhte das Institut die Prognose für das Gesamtjahr auf rund 800 Mill. Euro. Im November schließlich räumte Brixner ein, die Risikovorsorge werde 1 Mrd. Euro überschreiten.

Trotz der jüngsten Ereignisse plant die DZ Bank keine weiteren Kapitalmaßnahmen im laufenden Jahr. Das Spitzeninstitut versucht angesichts der schwierigen Lage für Beruhigung zu sorgen. "Wir haben in den vergangenen Monaten sorgfältig recherchiert und gehen davon aus, dass keine weiteren unliebsamen Überraschungen auftreten", betont der Sprecher.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%