Hohe Wertverluste auf Aktienpaket: Victoria scheitert an Test der Aufsichtsbehörde

Hohe Wertverluste auf Aktienpaket
Victoria scheitert an Test der Aufsichtsbehörde

Die Kapitalmarktkrise hat die Victoria Lebensversicherung schwer getroffen. Als erster großer deutscher Lebensversicherer hat das Unternehmen gestern eingestanden, dass es den von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vorgeschriebenen Stresstest nicht bestehen wird.

ali DÜSSELDORF. Der Stresstest prüft, ob ein Lebensversicherer seine Verbindlichkeiten noch bedienen könnte, wenn die Kapitalmärkte noch einmal deutlich absacken sollten. Er dient der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht als Frühwarnsystem. Bis zum 31. März mussten alle Lebensversicherer die Ergebnisse des Tests der Aufsicht melden. "Schafft ein Lebensversicherer den Test nicht, löst dies aber noch keinen Automatismus aus", sagte ein BaFin-Sprecher.

Ursache für die Probleme des siebtgrößten deutschen Lebensversicherers ist die im Marktvergleich hohe Aktienquote von über 12 %. Durch den starken Kursverfall an den Aktienmärkten weist die Bilanz der Victoria Leben, die zum Ergo-Konzern der Münchener Rück gehört, so genannte "stille Lasten" bei Aktien von rund 1,5 Mrd. Euro aus. Das ist der höchste Wert, den bislang ein Lebensversicherer ausgewiesen hat. Stille Lasten entstehen, wenn ein Versicherer Wertverluste bei Wertpapieren nicht gewinnmindernd abschreibt, weil er die Kursverluste als nicht dauerhaft ansieht. Nach Angaben von Victoria-Vorstandschef Michael Rosenberg stammen rund 750 Mill. Euro dieser stillen Lasten allein vom Wertverlust der Beteiligung von 3,12 % an der Hypo-Vereinsbank. Dagegen verfügt der Versicherer aber noch über Reserven auf der Anleihenseite. Doch selbst der Saldo von Reserven zu stillen Lasten ist mit 240 Mill. Euro negativ. Rosenberg sagte dem Handelsblatt, man habe als Konsequenz aus dem Test bereits die Aktienquote gesenkt und den Aktienbestand mit Optionen abgesichert. Unter diesen Vorzeichen würde man den Test heute bestehen.

Um den Test zu bestehen, könnten Versicherer nach Angaben des BaFin auch die Überschussbeteiligung senken. Auch die Mutter könnte Kapital nachschießen. Doch eine Kapitalspritze der Mutter Ergo oder Münchener Rück ist nicht geplant, sagte Rolf Ulrich, Controlling-Vorstand von Ergo. Die Münchener Rück hat selbst hohen Kapitabedarf und plant eine Anleihe.

Bei den Ratingagenturen Standard & Poor?s (S & P) und Moody?s hat die Victoria Leben noch Top-Ratings im Bereich "AA" - allerdings mit negativem Ausblick. "Es ist durchaus denkbar, dass einige Lebensversicherer mit dem Stresstest Probleme haben werden", heißt es S & P.

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