Hohe Zuwachsraten künftig nicht mehr erreichbar
Aussichten für Online-Broker unsicher

Ein Stimmungsumschwung an den internationalen Aktienmärkten ist nach Einschätzung von Analysten Voraussetzung für eine Erholung der in den vergangenen Monaten stark gefallenen Aktien der am Neuen Markt gelisteten Online-Banken. Allerdings seien die hohen Zuwachsraten der Vergangenheit auch bei einem verbesserten Börsenklima künftig nicht mehr erreichbar, sagten befragte Analysten am Dienstag.

Reuters FRANKFURT. Mehrheitlicher Favorit der Experten unter den vier am Wachstumssegment der Deutschen Börse gelisteten Internet-Brokern ist die Münchner Direkt Anlage Bank AG (DAB).

Auch die am Dienstag vom DAB-Konkurrenten Consors Discount Broker vorgelegten Kundenzahlen bestätigen nach Analysten-Meinung die weiterhin unsicheren Perspektiven der Online-Banken. Der Nürnberger Direktbroker hat nach der anhaltenden Börsenschwäche im zweiten Quartal 2001 ein niedrigeres Kundenwachstum verzeichnet als im Vorjahr.

"Das Marktumfeld ist momentan einfach schlecht, das Vertrauen der Anleger ist nicht da und das schlägt sich auf die Online-Broker durch", sagte Sal. Oppenheim-Analyst Metehan Sen. Sobald der Aktienmarkt drehe, wirke sich dies sofort positiv auf die Internet-Broker aus. "Aber niemand kann zurzeit sagen, wann es soweit ist", fügte Sen hinzu. Unter den Online-Brokern ist Sen zufolge die Direkt Anlage Bank wegen ihrer Ausrichtung auf den Bereich Vermögensverwaltung am besten positioniert. Der Analyst stuft die Aktie der DAB wie die italienische Bipop-Carire auf "Neutral" ein, während er Anlegern empfiehlt Comdirect-Bestände zu "Reduzieren". Angesichts einer weiterhin möglichen Übernahme von Consors sieht Sen die Aktie als "Outperformer".

Keine Besserung bis Jahresende prognostiziert

Sein Kollege Michael Harms vom Bankhaus Delbrück bewertet die Branche für die nächsten Monate ebenfalls zurückhaltend. "Ich denke nicht, dass bei den Online-Brokern bis Jahresende eine Besserung eintritt." Zudem werde es - auch bei einem positiven Umfeld - auf absehbare Zukunft keine Zuwachsraten wie zu Zeiten der Börsengangs-Euphorie mehr geben. "Viele Anleger haben noch vor einem Jahr aufgrund ständig steigender Kurse, Aktien für ähnlich sicher gehalten wie das Sparbuch. Das hat sich geändert. Der Marktanteil der Privatanleger wird sich reduzieren und diejenigen, die weiter aktiv sind, werden künftig mehr investieren als spekulieren", prognostiziert Harms, der kurzfristig keine Online-Broker-Aktie und langfristig nur die Aktie der Direkt Anlage Bank zum Kauf empfiehlt.

Obwohl auch West LB Panmure-Analyst Johannes Thormann die momentane Branchen-Situation skeptisch beurteilt, verdienten die Online-Banken im Vergleich zu anderen Firmen am Neuen Markt einen Vertrauensbonus. "Das erste Quartal war schlecht und das zweite wird noch schlechter, trotzdem sind die Direkt-Banken mit die solidesten Unternehmen am Neuen Markt", sagte er unter Verweis auf die strengere Überwachung der Finanzdienstleister. "Allein aufgrund der Tatsache, dass die Online-Banken der Bankenaufsicht unterliegen, findet eine viel stärkere Kontrolle als bei anderen Firmen statt".

Thormann favorisiert die Aktie der Direkt Anlage Bank, da sie strategisch am besten positioniert sei und ihren Kunden zunehmend auch Service-Dienstleistungen anbiete. Auf Zwölf-Monats-Sicht rät er zum Kauf von DAB-Anteilsscheinen mit Kursziel 37 ?, von Consors mit Kursziel 31 ? sowie der Anteilsscheine der italienischen Bipop-Carire mit einem fairen Wert von 6,30 ?. Die Aktien der Comdirect Bank stuft Thormann aufgrund der unklaren Zukunftsperspektiven dagegen nur auf "Outperform" ein.

Gesamter Online-Broker-Sektor herabgestuft

Wie für Thormann ist die Aktie der Direkt Anlage Bank auch für SES Research-Analyst Klaus Baumann erste Wahl unter den Online-Brokern. "Die DAB hat die konsequenteste Strategie und baut ein größeres Produktportfolio auf, um sich von Marktschwankungen unabhängig zu machen", sagte Baumann, der die Aktien von DAB und Consors als "Marketperformer" einstuft, während er Comdirect als "Underperformer" bewertet.

Unterdessen hat die Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney (SSSB) am Dienstag den gesamten europäischen Online-Broker-Sektor im Hinblick auf die schwachen Kunden-Aktivitäten auf "Underperform" von zuvor "Neutral" zurückgestuft. Während die SSSB-Analysten ihre Einstufung der Aktien der Direkt Anlage Bank auf "Outperform" von "Kaufen" reduzierten, senkten sie die Bewertung von Consors auf "Underperform" von "Neutral". Dagegen beließen die Analysten ihre Einschätzung der Comdirect-Aktien auf "Underperform". Eine Belebung der Kunden-Aktivitäten der Online-Banken ist nach Ansicht von SSSB frühestens im Jahr 2002 zu erwarten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%